PCF, PACT-Framework, Catena-X und TfS tauchen in Lieferketten-Anfragen zunehmend im selben Satz auf. Gemeint sind verschiedene Ebenen. PCF ist die Kennzahl: der CO₂-Fussabdruck eines einzelnen Produkts.

Ohne Angaben zu Systemgrenzen, Datenquellen und Datenqualität sowie verwendeter Emissionsfaktoren lassen sich PCF-Werte weder vergleichen noch überprüfen. Dieses Problem löst das PACT Pathfinder Framework an.
Die Abkürzung PACT steht für Partnership for Carbon Transparency und ist eine Initiative des WBCSD (World Business Council for Sustainable Development). Das Framework definiert das Vorgehen bei Product Carbon Footprint Berechnungen, wie Daten entlang der Lieferkette ausgetauscht werden, damit diese vergleichbar bleiben. Es geht primär um die Standardisierung des Datenaustauschs: Welche Angaben muss ein PCF-Wert enthalten, damit ein Abnehmer den Wert korrekt in seine eigenen Scope-3-Emissionen übernehmen kann?
PACT Pathfinder ist nicht gleich ISO 14067. Beide ergänzen sich. PACT Pathfinder definiert, welche Informationen ein PCF-Wert benötigt, damit er entlang der Lieferkette korrekt weitergegeben und weiterverarbeitet werden kann. ISO 14067 legt die methodischen Grundsätze fest (wie berechnet ein Unternehmen den CO2-Fussabdruck eines Produktes), aufbauend auf der Ökobilanz-Methodik ISO 14040/14044.
Das PACT Pathfinder Framework schreibt folgende PCF-Werte vor:
-Systemgrenzen (Cardle-to-Gate, Cradle-to-Grave etc.)
-Verwendete Emissionsfaktoren und Datenquellen
-Datenqualität (Anteil Primär- vs Sekundärdaten)
-Bezugszeitraum und Gültigkeit
-Allokationsmethode bei Kuppelprodukten
Erklärung zu Allokationsmethode Beispiel anhand Sägewerk:
Es verarbeitet 1’000 kg Rundholz zu drei Produkten: 600 kg Schnittholz (Bauholz), 300 kg Hackschnitzel und 100 kg Sägemehl. Der ganze Prozess (Sägen, Trocknen, Energieeinsatz) verursacht zusammen 100 kg CO2-eq. Die Frage: Wie viel von diesen 100 kg CO2-eq "gehören" zum Schnittholz, wie viel zu den Hackschnitzeln, wie viel zum Sägemehl? Massenallokation nach Gewicht oder ökonomischer Anteil über Verkaufspreis? Systemerweiterung/Substitution wäre der dritte Weg, den ISO 14044 eigentlich zuerst sehen will: Man behandelt Schnittholz als Hauptprodukt und schreibt ihm die vollen 100 kg CO2-eq zu, zieht dann aber eine Gutschrift ab, weil die Hackschnitzel anderswo z. B. Heizöl oder Erdgas verdrängen (ersetzen). Die Gutschrift entspricht der CO2-Last, die dieses substituierte Produkt sonst verursacht hätte.
Zahlreiche Datenmodelle basieren direkt auf dem PACT Pathfinder Framework, die wichtigsten sind:
-TfS Guideline in der chemischen Industrie
-Catena-X PCF Rulebook in der Automobilindustrie
Als Zulieferer in diesen Branchen werden PCF-Anfragen zunehmend nicht mehr als isolierten Zahlenwert, sondern als strukturierte Datenanforderung nach diesen Mustern verlangt.
Ein einzelner PCF-Wert reicht für viele Grosskunden nicht mehr aus. Gefordert wird eine nachvollziehbare, dokumentierte Datengrundlage mit Angaben, die das Pathfinder Framework vorschreibt. Wer das von Anfang an berücksichtigt, spart sich Nacharbeiten. Vor allem wenn Kunden aus der Automobil- oder Chemieindustrie konkrete Formatanforderungen stellen. carbon-connect unterstützt Industrieunternehmen bei der Berechnung, Dokumentation und Bereitstellung belastbarer Product Carbon Footprints – von der methodischen Grundlage nach ISO 14067 bis zur Aufbereitung der Daten für den strukturierten Austausch mit Kunden und Lieferketten.