ESG-Hub

Für Lieferanten und Interessierte

Inhaltsverzeichnis

Über unseren ESG-Hub

Globale Wertschöpfungsketten tragen einen wesentlichen Anteil an den weltweiten Treibhausgasemissionen. Die Reduzierung dieser Klimaauswirkungen ist eine zentrale Herausforderung, bietet jedoch gleichzeitig die Chance für kontinuierliche Prozessverbesserungen und zukunftssichere Geschäftsmodelle.

Wurden auch Sie von einem Ihrer Kunden, Ihrer Bank oder Ihrer Lieferkette aufgefordert ESG-Daten und KPIs zu liefern? Keine Sorge, damit sind Sie nicht allein. Hier finden Sie Informationen, Hilfestellung und Unterstützung zu den häufigsten ESG-Anfragen:

  • CO2-Bilanzierung: Grundlagen zur Berechnung des CO₂-Fussabdrucks von Unternehmen und Produkten
  • CO2-Reduktion & Zielsetzung: Erläuterung, wie Klimaziele nach SBTi gesetzt werden. Die SBTi-Leitlinien unterscheiden zwischen KMU und grösseren (Nicht-KMU) Lieferanten. Für Nicht-KMU-Lieferanten, die in Agrarlieferketten aktiv sind, kann zusätzlich die sektorspezifische Forest, Land and Agriculture (FLAG)-Guidance gelten.
  • Nachhaltigkeitsratings: Die bekanntesten – EcoVadis und CDP.
  • Downloads: Zu einigen Themen haben wir Guides erstellt. Diese können Sie kostenlos runterladen. Sie finden sie im jeweiligen Abschnitt sowie gesammelt weiter unten auf der Seite im Bereich Downloads.

Natürlich unterstützen wir Sie auch, wenn Sie Hilfe benötigen. Sie können sich gerne einen unverbindlichen Online-Termin buchen.

Corporate Carbon Footprint (CCF) –
CO2-Bilanz für Unternehmen

Die Berechnung einer CO2-Bilanz bzw. Treibhausgasbilanz läuft immer in folgenden drei Schritten ab:

  1. Umfang festlegen, Systemgrenzen definieren (Scope definieren)
  2. Daten zu Scope 1, 2 und 3 Emissionen sammeln
  3. Emissionen berechnen

Schritt 1 – Umfang festlegen und Systemgrenzen definieren

Kurzzusammenfassung

  • Legen Sie organisatorische Abgrenzungen anhand eines Organigramms fest. Anzahl Standorte, Beteiligungen an anderen Firmen. Wählen Sie ein Basisjahr (Jahr der Erstbilanzierung).
  • Identifizieren Sie direkte und indirekte Emissionen in Ihrem Unternehmen. Gehen Sie dazu Scope 1 und 2 sowie alle 15 Scope 3 Kategorien des Greenhouse Gas Protocol durch und machen Sie eine Einordnung, ob diese für die Organisation relevant sind.
  • Die Beschreibung der Scope 3 Kategorien inkl. Minimalanforderungen finden Sie im GHG Protocol Scope 3 Standard in Kap. 5. Am Anfang des Kapitels sind auch nochmal Beispiele für Scope 1 & 2 Emissionen angegeben.

Tipps

  • Dokumentieren Sie Scope und Abgrenzung. Achten Sie darauf, dass Sie in den Folgejahren immer konsistent berichten. Wenn sich die Systemgrenzen verschieben (z.B. weil neue Scope Kategorien relevant werden), dokumentieren Sie auch dies.
  • Wenn Ihre Organisation Teil eines Konzerns ist, stellen Sie eine interne Abstimmung zur Konsolidierungsmethode sicher.

Schritt 2 – Daten sammeln

Kurzzusammenfassung

  • Sammeln Sie Aktivitätsdaten, z.B. Strom- & Heizungsabrechnungen, eingekaufte Waren & Dienstleistungen, Investitionsgüter, angefallene Abfälle & Wasserverbrauch. Geschäftsreisen mit eigenem PKW sowie Pendlerverkehr können Sie beispielsweise mit Mitarbeiterumfragen erheben.
  • Beschaffen Sie sich lieferantenspezifische Emissionsfaktoren. Fragen Sie diese bei Ihren Lieferanten und ihrem Stromanbieter an. Nicht alle werden Ihnen etwas liefern können, aber so machen Sie zumindest schonmal auf das Thema aufmerksam.
  • DEFRA, BAFU (CH) oder das Bundesamt für Umwelt (DE) veröffentlichen Emissionsfaktoren auf ihren Webseiten. Für ausgabenbasierte Emissionsfaktoren können Sie z.B. auf die NAICS Faktoren zurückgreifen. Darüber hinaus gibt es (z.T. kostenpflichtige) Datenbanken, wie Ecoinvent, Climatiq oder CarbonCloud.

Tipps

  • Dokumentieren Sie die Quellen der Emissionsfaktoren, diese können sich ändern.
  • Achten Sie auf die korrekte Verwendung von Masseinheiten (1 MWh = 1’000 kWh; 1 t CO2-eq = 1’000 kg CO2-eq) und auf welche Masseinheit sich der Emissionsfaktor bezieht.

Schritt 3 – Emissionen berechnen

Kurzzusammenfassung

  • Für die Berechnung reicht ein einfaches Tabellendokument wie Excel. Multiplizieren Sie die Aktivitätsdaten (z.B. Stromverbrauch) mit dem entsprechenden Emissionsfaktor. So erhalten Sie die Emissionen in kg (oder Tonnen) CO2-eq.

Tipps

  • Erstellen Sie ein Tabellenblatt pro Scope bzw. Scope-Kategorie (z.B. 1.2 Firmenfahrzeuge oder 3.1 Eingekaufte Waren und Dienstleistungen) und konsolidieren Sie die Summen an CO2-Emissionen hinterher in einer Übersicht. So bleibt Ihre Berechnung strukturiert und übersichtlich.
  • Schreiben Sie alle verwendeten Quellen und Emissionsfaktoren für eine Nachvollziehbarkeit im Anhang nieder.
  • Bei jährlicher Aktualisierung der CO2-Bilanz: Kontrolle der Emissionsfaktoren nicht vergessen. Die können sich ändern (insbesondere Strom).
Download CCF Guide

Product Carbon Footprint (PCF) –
CO2-Bilanz für Produkte

Eine CO2-Bilanz kann nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Produkte berechnet werden. Hierbei werden die Emissionen, die ein Produkt in den einzelnen Lebenswegphasen (Rohstoffgewinnung, Produktion von Vorprodukten, Herstellung des Produkts, Distribution, Nutzung, Entsorgung) ausstösst oder der Atmosphäre entzieht, ermittelt.

Betrachtete Lebenswegphasen bei einer cradle-to-gate-, gate-to-gate- und einer cradle-to-grave-Bilanzierung

Darüber hinaus gibt es Ökobilanzen (Life Cycle Assessment/LCA), die über die Ermittlung der CO2-Emissionen hinausgeht und auch andere Aspekte, wie die Wirkung eines Produkts auf Boden- & Wassernutzung oder Biodiversität, berücksichtigt.

Detaillierte Infos zur Berechnung finden Sie unter Leistungen > Product Carbon Footprint bzw. Life Cycle Assessment sowie in unseren Leitfäden zur Berechnung eines PCF bzw. LCA.

Zielsetzung, CO2-Reduktionspfad und SBTi

Das eigentliche Ziel ist klar definiert: Netto-Null bis spätestens 2050. In der Schweiz ist dies im Klima- und Innovationsgesetz für alle Unternehmen vorgeschrieben. Netto-Null bedeutet dabei nicht, dass Ihr Unternehmen keine Emissionen mehr ausstossen darf (das schafft niemand). Es bedeutet, dass die Emissionen so weit wie möglich reduziert und die Restemissionen Jahr für Jahr dauerhaft aus der Atmosphäre entfernt werden müssen. Dafür gibt es natürliche Senken wie Wald oder Moore sowie technische wie z.B. Direct Air Capture and Storage (DACS).

Für die Zielsetzung gibt es verschiedene Ansätze. Man kann sie ambitioniert setzen, z.B. nach oder angelehnt an SBTi, auch, wenn man noch nicht richtig weiss, wie man die Ziele erreicht. Eine andere Alternative sind die Reduktionsziele direkt anhand von Massnahmen zu berechnen und zu schauen, wann man wo rauskommt.

Wenn Lieferketten-Partner oder Banken Klimaziele verlangen, müssen diese oft SBTi validiert sein.

SBTi (Science Based Targets Initiative)

Hinter der Abkürzung SBTi verbirgt sich die Science Based Targets Initiative, deren Kernanliegen die Förderung ambitionierter Klimaschutzstrategien auf Basis fundierter wissenschaftlicher Erkenntnisse ist. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Reduktion von CO2-Emissionen, um die Vorgaben des Pariser Klimaabkommens – insbesondere die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad – konsequent umzusetzen.

Die Initiative berechnet hierfür spezifische Reduktionsvorgaben für einzelne Wirtschaftszweige und Betriebe. Ziel dieser Kalkulationen ist es, den exakten Beitrag zu definieren, den ein Unternehmen leisten muss, damit der globale Temperaturanstieg deutlich unter der 2°C-Marke bleibt und idealerweise 1,5 Grad nicht überschreitet. Im Fokus steht somit die Ermittlung der konkret notwendigen Schritte, um diese globalen Klimaziele messbar zu erreichen.

SBTi unterscheidet zwischen

  • Kleinen und Mittleren Unternehmen (KMU/SME)
  • Grösseren Unternehmen

Darüber hinaus gibt es für einige Industrien sektorale Standards.

Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU/SMEs)

Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bietet SBTi ein vereinfachtes Verfahren an, um wissenschaftlich fundierte Klimaziele festzulegen. Ein Absenkpfad muss nur für Scope 1 und Scope 2 berechnet werden. Zudem ist es kostengünstiger.

Grössere Unternehmen

SBTi für Nicht-KMU umfassen umfassen Reduktionsziele für Scope 1, 2 und 3. Berücksichtigen Sie bei der Planung die jeweiligen Vorlaufzeiten seitens SBTi (bis zu 24 Monate) für die offizielle Validierung.

Die wichtigsten Infos zu SBTi inkl. KMU-Kriterien, sektorspezifischen Standards und weiteren nützlichen Links finden Sie auf unserer SBTi Services Page.

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Nachhaltigkeitsbewertungen (Ratings)

Nachhaltigkeitsratings sind ein zentrales Instrument für Investoren, Kunden und Verbraucher, um die ökologische und soziale Verantwortung sowie die Qualität der Unternehmensführung (ESG-Kriterien) objektiv zu bewerten. Sie machen die oft abstrakten Bemühungen um Nachhaltigkeit messbar und vergleichbar, indem sie komplexe Daten in verständliche Scores übersetzen. Damit dienen sie nicht nur als Orientierungshilfe für ethisch orientierte Kapitalanlagen, sondern fördern auch die Transparenz und den Wettbewerb um zukunftsfähige Geschäftsmodelle in einer globalisierten Wirtschaft.

Folgende Ratings gehören zu den bekanntesten und am häufigsten verlangten:

EcoVadis

EcoVadis ist einer der weltweit führenden und am weitestenverbreiteten Anbieter von Nachhaltigkeitsratings für Unternehmen. Die Plattformbewertet die Leistung von Unternehmen in den vier Kernbereichen Umwelt, Arbeits- und Menschenrechte, Ethik sowie nachhaltige Beschaffung.

Das Besondere an EcoVadis ist der Fokus auf globale Lieferketten: Unternehmen nutzen das Rating nicht nur zur Selbstdarstellung, sondern fordern es auch von ihren Zulieferern ein, um Risiken zu minimieren und die Transparenz über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg zu erhöhen. Basierend auf einer evidenzbasierten Methodik vergibt EcoVadis Scorecards und Medaillen (Bronze, Silber, Gold oder Platin), die international als anerkannter Standard für CSR-Leistung (Corporate Social Responsibility) gelten.

Mehr über EcoVadis erfahren

CDP

CDP (ehemals Carbon Disclosure Project) ist eine internationale Non-Profit-Organisation, die ein weltweit etabliertes System zur Offenlegung von Umweltinformationen betreibt. Über standardisierte Fragebögen berichten Unternehmen, Städte und Regionen in den Kernbereichen Klima, Wasser, Wald und ab 2026 auch Ozean.

Ziel von CDP ist es, Transparenz in Lieferketten zu schaffen und Umweltleistung vergleichbar zu machen. Auf Basis der Angaben vergibt CDP Scores, die als wichtige Orientierung für Investoren, Geschäftspartner und andere Stakeholder dienen und Unternehmen dazu anregen, ihre Klimaziele und Umweltmassnahmen messbar zu verbessern.

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Jaqueline Hoppe
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