Standards Klimaschutzprojekte

Klimaschutzprojekte sparen CO2 durch eine Massnahme an einem Ort auf der Welt ein.

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Um die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit sicherzustellen haben Klimaschutzprojekte verschiedene Standards und Zertifizierungen. Die gängigen Standards im Markt für freiwillige CO2-Kompensation sind nachfolgend beschrieben.

Internationale Programme und Standards

Clean Development Mechanism (CDM) & Übergang zum Pariser Abkommen

Der Clean Development Mechanism (CDM) wurde ursprünglich im Rahmen des Kyoto-Protokolls etabliert, um Emissionsminderungsprojekte in Entwicklungsländern zu fördern. Mit dem Ende der Kyoto-Verpflichtungsperiode befindet sich der CDM in einer Übergangsphase: Seit 2021 werden keine neuen Projekte mehr unter dem alten CDM-Regime registriert. Bestehende Projekte und deren zertifizierte Emissionsreduktionen (CERs) werden nun schrittweise in den neuen Mechanismus nach Artikel 6.4 des Pariser Abkommens überführt.

Trägerschaft

Bisher unterstand der Mechanismus dem CDM Executive Board (EB) der UNO-Klimakonvention. Zukünftig wird die Aufsicht durch das neue "Article 6.4 Supervisory Body" übernommen, welches die strengeren Kriterien des Pariser Abkommens (Vermeidung von Doppelzählungen) sicherstellt.

Standorte & Projekttypen

Weltweit wurden über 7'800 Projekte in Entwicklungsländern registriert. Die Bandbreite umfasst 15 Sektoren, darunter erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Aufforstung sowie Projekte in Industrie und Transport. Viele dieser Projekte streben derzeit die Migration in den neuen globalen Kohlenstoffmarkt an.

Gut zu wissen 

  • Übergangsregelung: CERs aus alten CDM-Projekten können unter bestimmten Bedingungen noch für die Erfüllung der ersten nationalen Klimaziele (NDCs) bis 2030 genutzt werden.
  • Qualitätssicherung: Validierung und Verifizierung erfolgen weiterhin durch unabhängige Auditoren (DOEs – Designated Operational Entities).
  • Transparenz: Alle Projektdokumente und Informationen zu Stilllegungen bleiben im CDM-Register öffentlich einsehbar.
  • Zukunft: Der Fokus verlagert sich nun auf den neuen Artikel 6-Mechanismus, der eine noch höhere Integrität und einen direkten Beitrag zur globalen Ambitionssteigerung fordert.

Verified Carbon Standard (VCS)

VCS, Verified Carbon Standard, Verra oder VCS ist der weltweit am meisten verwendete Standard zur freiwilligen CO2-Kompensation. VCS bestitzt daher eine grosse Marktrelevanz, besonders im Bereich Vermeidung von Entwaldung. 

Trägerschaft

  • Gemeinnützige Organisation, Gründer sind die Climate Group, International Emissions Trading Association (IETA) sowie das World Economic Forum 
  • Gegründet in 2005 
  • Über 1'600 Projekte, über 500 Millionen Zertifikate ausgestellt 

Projekttypen

Emissionsminderungsprojekte aus 15 Projekttypen, unter anderem erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Aufforstung und Wiederaufforstung und Landwirtschaft, Industrie und Transport und sonstiges 

Gut zu wissen

  • Validierung und Verifizierung müssen nicht getrennt erfolgen 
  • Beide Prozesse werden durch unabhängige und akkreditierte Prüfstellen durchgeführt 
  • Verifizierungsdokumente, Projektdatenbanken sind öffentlich zugänglich 
  • Zertifikate können nachverfolgt werden von der Ausschüttung bis zur Stillegung

Plan Vivo 

Plan Vivo wurde 1994 in Chiapas in Mexiko gegründet, um die Situation der lokalen Bevölkerung im ländlichen Mexiko durch gemeinschaftliche Land- und Forstwirtschaft zu verbessern. An Plan Vivo Projekten haben sich Zehntausende von Kleinbauern beteiligt und unterstützen Dorfgemeinschaften ihre natürlichen Ressourcen nachhaltig zu nutzen, das Klima und Ökosysteme zu schützen. Bis März 2017 wurden im Rahmen diverser Projekte unter anderem über 138'000 Hektare Wald geschaffen und erhalten. 

Trägerschaft

  • Verwaltung durch Plan Vivo Foundation 
  • Hat sich bis heute zu einem globalen Standard entwickelt und zählt heute über 20 Projekte unter anderem in Bolivien, Nicaragua, Uganda, Mosambik, Tansania, Malawi, Sri Lanka, Indien, Nepal, Vanatu 

Projekttypen

Wiederherstellung und Rehabilitation von Ökosystemen, Prävention von Ökosystem- Umwandlung, verbessertes Flächenmanagement 

Gut zu wissen

  • Validierung durch Plan Vivo und durch Plan Vivo genehmigte Dritte - Verifizierung alle 5 Jahre durch Plan Vivo genehmigten unabhängigen Verifizierer 
  • Jährliche Fortschrittsberichte 
  • Projektdetails auf Webseite einsehbar 
  • Plan Vivo legt besonderen Wert auf fairen Handel und Förderung von ländlichen Gemeinden

Gold Standard 

Der Goldstandard wurde vom WWF und weiteren Umweltverbänden (Heli International und SouthSouthNorth) in 2003 gegründet. Zu den Umweltaspekten kennzeichnet der Goldstandard zusätzliche soziale Ziele der UN zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen aus. Er gilt weltweit als strengster Zertifizierungsstandard da neben der Zusätzlichkeit der Klimaschutzprojekte zahlreiche weiter Kriterien erfüllt werden, die eine nachhaltige Entwicklung in den Projektländern sicherstellen soll. Der Goldstandard zertifiziert sowohl Klimaschutzprojekte auf Verpflichtungsmärkten wie auch solche für freiwillige Märkte. 

Trägerschaft

  • Verwaltung durch Gold Standard Sekretariat 
  • Findet bei UN-registrierten Projekten als Zusatzstandard (Gold Standard CER) und seit 2006 auch im freiwilligen Markt einzelne Anwendung (Gold Standard VER) 

Projekttypen: Erneuerbare Energien und Energieeffizienz, Aufforstung/Wiederaufforstung, klimaschonende Landwirtschaft, verbesserte Waldwirtschaft 

Gut zu wissen

  • Über 1'500 Projekte 
  • Bei Land- und Frostprojekten wird ein Compliance-Buffer von 20% zurückgehalten 
  • Getrennte Validierungs- und Verifizerungprozess 
  • Projektdokumentation einsehbar 
  • Informationen zur Stilllegung einsehbar 
  • Soziale, wirtschaftliche oder technische Entwicklungsleistungen müssen nachgewiesen werden, negative Projektauswirkungen führen zu Projektausschluss.
  • Stakeholder-Konsultation erforderlich

ISO

ISO 14064: Die ISO 14064 ist ein internationaler Standard für das Management von Treibhausgasemissionen. Sie umfasst die Messung, Überwachung und Verifizierung von Emissionen sowie die Erstellung von Inventaren und die Berichterstattung.

Climate, Community and Biodiversity (CCB) Standard 

Der Climate, Community and Biodiversity Standard ist ein viel genutzter Zusatzstandard im freiwilligen Markt Hierbei untersucht der Zusatzstandard den Gesamtnutzen eines Projektes über die reinen Emissionsreduktionen hinaus mit speziellem Fokus auf den Erhalt der Artenvielfalt und die sozialen Auswirkungen in der Projektregion. Dieser Zusatzstandard findet vor allem bei Forst- und Landwirtschaftsprojekten seine Anwendung. Climate, Community and Biodiversity Standard kann nur in Kombination mit einem Standard, in der Regel VCS, Anwendung finden bzw. kann einem Zertifikat/Projekt hinzugefügt werden.

Social Carbon Standard 

Auch der Social Carbon Standard ist ein sogenannter Zusatzstandard, der mit gängigen Standards kombiniert werden kann. Er hat somit keine eigene Methodologie und kann nur in Kombination mit einem anderen Standard Anwendung finden. Social Carbon Standard überprüft den zusätzlichen Beitrag einer nachhaltigen Entwicklung in der Projektregion. In sechs Kriterien werden die Auswirkungen auf die Biodiversität, auf finanzielle und natürliche Ressourcen sowie soziale Nachhaltigkeit bewertet.

Standards stellen sicher, dass Klimaschutzprojekte tatsächlich zur Verringerung von Treibhausgasen beitragen und so einen positiven Beitrag zum Klimaschutz leisten. 

Standards dienen dazu:

  • Überprüfung und Auditierung durch Dritte von Klimaschutzprojekten
  • Definieren die Anforderungen der Klimaschutzprojekte
  • Beschrieb und Methodik der entsprechenden Emissionsreduzierungen

REDD+

REDD+ ist einer der wichtigsten, aber auch am stärksten diskutierten Begriffe im Bereich der naturbasierten Klimaschutzprojekte. Es ist kein einzelner „Standard“ (wie Gold Standard oder VCS), sondern ein Rahmenwerk der Vereinten Nationen (UNFCCC).

REDD+ ist ein von den Vereinten Nationen entwickeltes Rahmenwerk zur Reduzierung von Emissionen aus Entwaldung und Waldschädigung. Das Ziel ist es, den Erhalt von Wäldern in Entwicklungsländern finanziell attraktiv zu machen. Waldschutzprojekte gehören zu den wichtigsten naturbasierten Lösungen (Nature-Based Solutions), da sie neben dem Klimaschutz massiv zum Erhalt der Biodiversität und zur Unterstützung lokaler Gemeinschaften beitragen.

Gut zu wissen

Hochwertige REDD+ Projekte werden heute meist nach dem VCS-Standard in Kombination mit dem CCB-Standard (Climate, Community & Biodiversity) zertifiziert. Um die Integrität weiter zu steigern, findet aktuell ein Übergang zu sogenannten jurisdiktionalen Ansätzen statt, bei denen der Waldschutz auf regionaler oder nationaler Ebene gemessen wird, um Verlagerungseffekte (Leakage) auszuschliessen.

International Carbon Registry (ICR)

Das ICR ist eine relativ neue Registrierungsstelle und ein Standard-Framework für Klimaschutzprojekte. Es wurde entwickelt, um den Prozess der Zertifizierung von Emissionsminderungen zu modernisieren, zu digitalisieren und zu beschleunigen.

  • Zertifikate: Die vom ICR ausgegebenen Zertifikate werden meist als ICCs (ICR Carbon Credits) bezeichnet.
  • Fokus: ICR ist technologieoffen, hat aber eine starke Präsenz bei naturbasierten Lösungen (z. B. Aufforstung, Bodenkohlenstoff) und technologischen Ansätzen (z. B. Carbon Capture and Storage, Biochar).

Besonderheiten des ICR-Standards

Im Vergleich zu "Urgesteinen" wie dem Gold Standard oder VCS (Verra) setzt ICR auf einige moderne Ansätze:

  • Digitalisierung & Geschwindigkeit: ICR nutzt eine volldigitale Plattform, um den Registrierungs- und Verifizierungsprozess effizienter zu gestalten. Das Ziel ist es, die oft jahrelangen Wartezeiten bei anderen Standards zu verkürzen.
  • ICROA-Anerkennung: Ein entscheidender Meilenstein für die Glaubwürdigkeit war die Anerkennung durch ICROA (International Carbon Reduction and Offset Alliance). Damit gehört ICR zum Kreis der "hochwertigen" Standards, die von großen Unternehmen für ihre Klimaziele akzeptiert werden.
  • Flexibilität bei Methodologien: ICR erlaubt die Nutzung bereits existierender, anerkannter Methodologien (z. B. vom CDM oder anderen Standards), hat aber auch eigene Frameworks.
  • Transparenz: Wie bei Proba oder anderen modernen Registern wird viel Wert auf die Rückverfolgbarkeit der Zertifikate gelegt, um Doppelzählungen zu vermeiden.

American Carbon Registry (ACR)

Das American Carbon Registry (ACR) wurde 1996 als erstes privates freiwilliges Treibhausgasregister in den USA gegründet. Es ist eine gemeinnützige Organisation und gilt als einer der methodisch anspruchsvollsten Standards im Markt. ACR zeichnet sich durch eine starke wissenschaftliche Basis und eine Vorreiterrolle bei industriellen und forstwirtschaftlichen Klimaschutzlösungen aus.

  • Fokus: ACR deckt ein breites Spektrum ab, ist aber besonders stark in den Bereichen nachhaltige Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Industrieprozesse (z. B. Vermeidung von ozonabbauenden Substanzen) und Carbon Capture and Storage (CCS).
  • Zertifikate: Die Zertifikate werden als ERTs (Emission Reduction Tons) bezeichnet.
  • Anerkennung: ACR ist von der ICROA anerkannt und dient zudem als offizielles Register für das kalifornische Compliance-System (Cap-and-Trade).
  • Gut zu wissen: ACR ist bekannt für seine strengen Anforderungen an die Permanenz (Dauerhaftigkeit) und die Vermeidung von Leckagen (Verlagerung von Emissionen), was die Zertifikate bei institutionellen Käufern sehr beliebt macht.

Climate Action Reserve (CAR)

Die Climate Action Reserve (CAR) ist ein führender Standard und ein Register für Klimaschutzprojekte, das aus dem California Climate Action Registry hervorgegangen ist. CAR ist bekannt für die Entwicklung hochspezialisierter und strenger Protokolle (Methodologien), die sicherstellen, dass Emissionsminderungen real, zusätzlich und dauerhaft sind.

  • Fokus: CAR hat Pionierarbeit bei Protokollen für Deponiegas-Projekte, Viehhaltung (Methanvermeidung), Forstwirtschaft und Stickstoffmanagement in der Landwirtschaft geleistet. Inzwischen ist CAR auch international (z. B. in Mexiko und Kanada) aktiv.
  • Zertifikate: Die Zertifikate werden als CRTs (Climate Reserve Tonnes) bezeichnet.
  • Anerkennung: CAR ist ebenfalls ICROA-anerkannt und gilt als einer der "Big Four" (neben Gold Standard, VCS und ACR) im globalen freiwilligen Kohlenstoffmarkt.
  • Gut zu wissen: Ein besonderes Merkmal von CAR ist der Fokus auf standardisierte Benchmarks für die Zusätzlichkeit. Das bedeutet, dass Projekte gegen vordefinierte Branchenstandards geprüft werden, was die Objektivität und Vergleichbarkeit der Klimawirkung erhöht.

Nationale / regionale Programme / Carbon-Removal-spezifische Standards

MoorFutures (Deutschland)

MoorFutures ist ein regionaler Standard für die Wiedervernässung von Mooren in Deutschland. Die Projekte ermöglichen Unternehmen und Privatpersonen, Emissionen über den Schutz und die Renaturierung kohlenstoffreicher Moorflächen auszugleichen. Neben der CO₂-Wirkung stehen Biodiversität und Wasserhaushalt im Vordergrund.

  • Scope: Wiedervernässung von Mooren in bestimmten Bundesländern.
  • Stärke: sehr konkrete, lokale Klimawirkung + Biodiversität, hohe Sichtbarkeit im deutschsprachigen Raum.

Woodland Carbon Code & Peatland Code (UK)

  • Woodland Carbon Code: nationale Aufforstungs- und Waldprojekte im UK.
  • Peatland Code: Schutz und Renaturierung britischer Moor- und Torfgebiete. Beide werden stark von Unternehmen genutzt, die Inlandsbezug wünschen.

Puro.earth

Puro.earth ist ein auf CO₂-Entnahme spezialisierter Standard und Marktplatz. Zertifiziert werden ausschliesslich Projekte, die CO₂ dauerhaft aus der Atmosphäre entfernen – zum Beispiel über Biochar, Holzbauprodukte oder mineralisierte Baustoffe. Puro.earth richtet sich vor allem an Unternehmen, die über ihre eigenen Emissionsreduktionen hinaus gezielt in Removals für Net-Zero- und Beyond-Net-Zero-Strategien investieren.

  • Fokus: ausschliesslich Carbon Removals, u. a.:
    • Biochar,
    • langfristig gebundene Holzprodukte,
    • Carbonated building materials, etc.
  • Rolle: wichtiger B2B-Marktplatz/Standard für Unternehmen mit Net-Zero-Strategien, die explizit Removals kaufen wollen.