ESG-Ratings können für Unternehmen ein wichtiger Erfolgsfaktor sein, da ein gutes Rating die Wettbewerbsfähigkeit stärkt und Risiken sowie Kosten senkt.

ESG-Ratings können für Unternehmen ein wichtiger Erfolgsfaktor und Werttreiber sein, da ein gutes Rating den Zugang zu Kapital erleichtert, Finanzierungskosten senken kann, die Wettbewerbsfähigkeit stärkt und Risiken sowie Kosten senkt. Gleichzeitig beeinflussen sie Unternehmenskultur, indem sie verantwortungsvolle Führung, Transparenz und Innovation, faire Arbeitsbedingungen und den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen im Geschäftsalltag verankert. Somit wird ESG fester Bestandteil der strategischen Ausrichtung im täglichen Handeln und ein Instrument für die Aussenwirkung.
ESG-Ratings entscheiden heute über Lieferantenbeziehungen, Verkaufserfolg, Zugang zu Investments und die Höhe einer Finanzierung oder Versicherungsprämie. Kunden und Stakeholder erwarten belastbare Aussagen zu nicht-finanziellen Daten und die Zukunftsfähigkeit von Geschäftsmodellen.
Im Rahmen einer weltweiten Befragung von 294 Unternehmensverantwortlichen zwischen Februar und April 2026 wurde Governance (G) mit 45 % erstmals als grösstes ESG-bezogenes Reputationsrisiko genannt. Umgekehrt verlor Environment im selben Zeitraum an Bedeutung und fiel auf 27 % zurück, Social blieb mit 26 % konstant (Quelle: GlobeScan: Governance surpasses environment as top ESG reputational risk in 2026 | ESG Dive).
Omnibus I führte zum Wegfall vieler berichtspflichtiger Unternehmen unter der CSRD. Schätzungsweise 80 % der ursprünglich betroffenen Firmen sind nach Omnibus I aus der direkten Berichtspflicht herausgefallen. Daraus lässt sich jedoch nicht automatisch eine steigende Nachfrage nach ESG-Ratings ableiten. Entscheidend bleibt, ob Unternehmen weiterhin durch Geschäftspartner, Finanzierungsbedingungen, Ausschreibungen oder Anforderungen innerhalb der Lieferkette zur Offenlegung relevanter Nachhaltigkeitsdaten aufgefordert werden, also indirekt betroffen sind. ESG-Ratings können in diesem Zusammenhang als Kommunikations- und Risikomanagementinstrument dienen, ersetzen jedoch keine gesetzlich vorgeschriebene Berichterstattung und sind auch kein einheitlicher Nachweis für nachhaltiges Wirtschaften.
Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere die relevanten Werttreiber des Unternehmens etwa die Fähigkeit, Risiken zu reduzieren, Kosten zu senken, die Widerstandsfähigkeit zu erhöhen, Innovationen voranzutreiben, den Zugang zu Kapital zu sichern und langfristig den Unternehmenswert zu steigern.
Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Anbieter von ESG-Ratings, alle mit eigener Methodik, eigenem Fokus und eigener Bewertungslogik. Die Wahl des Ratings hängt auch von Ihren Stakeholdern ab. Nicht jedes Rating ist für jedes Unternehmen relevant. Klären Sie mit Ihren Stakeholdern diese Frage zuerst und fragen Sie nach den entsprechenden Erwartungen.
Einige ESG-Ratings bringen aber auch einen beträchtlichen zeitlichen und finanziellen Aufwand, da Informationen aus verschiedenen Abteilungen und von diversen Lieferanten aus der Lieferkette angefragt und zusammengetragen werden müssen. Es besteht auch die Gefahr, dass Unternehmen vor allem diejenigen Kriterien erfüllen, die für eine gute Bewertung relevant sind, ohne ihr Geschäftstätigkeit grundlegend zu verändern.
Zudem funktionieren ESG-Ratings nicht einheitlich. Jeder Anbieter verwendet unterschiedliche Datenquellen, Gewichtungen und Bewertungskriterien. Ein ESG-Ratings ist nicht als uneingeschränktes Gütesiegel zu verstehen.
In der D-A-CH Region haben sich folgende Ratings etabliert:
EcoVadis ist eine international anerkannte Plattform zur Bewertung der Nachhaltigkeitsleistung von Unternehmen. Mithilfe eines standardisierten Fragebogens analysiert EcoVadis die Unternehmenspraxis in den Bereichen Umwelt, Arbeits- und Menschenrechte, Ethik und Informationssicherheit sowie nachhaltige Beschaffung. Die Ergebnisse unterstützen Unternehmen dabei, ihre Nachhaltigkeitsziele umzusetzen, Risiken innerhalb der Lieferkette zu reduzieren und langfristig vertrauensvolle Geschäftsbeziehungen zu fördern.
Weitere Intormationen: EcoVadis Nachhaltigkeitsbewertung
CDPDas Carbon Disclosure Project (CDP) gilt als weltweiter Standard für die Offenlegung von Umweltdaten. Eine wachsende Zahl von Unternehmen, Investoren sowie öffentlichen Institutionen setzt auf CDP, um Massnahmen in den Bereichen Klima-, Wasser- und Waldschutz systematisch zu erfassen, zu steuern und zu kommunizieren. Darüber hinaus verlangen zunehmend auch Partner entlang der Lieferkette die Teilnahme an diesem Berichtsstandard.
Weitere Informationen: CDP (Carbon Disclosure Project)
esg2go ist insbesondere in der Schweiz etabliert und wurde als ESG-Bewertungssystem speziell für kleine und mittlere Unternehmen entwickelt. Im Gegensatz zu komplexeren ESG-Ratings ermöglicht esg2go auch ohne umfangreiche Vorkenntnisse oder tiefgehendes Fachwissen, mit geringem administrativem Aufwand innerhalb weniger Stunden ein ESG-Rating zu erstellen.
Weitere Informationen: esg2go – ESG-Bewertung für KMU | carbon-connect AG
Synesgy ist die digitale ESG-Bewertungsplattform von CRIF. Sie wurde entwickelt, um Nachhaltigkeitsdaten effizient, vergleichbar und nachvollziehbar zu erfassen. Unternehmen können damit ihre ESG-Leistung transparent ausweisen, ohne mit komplexen Berichtsanforderungen oder einem hohen internen Ressourcenaufwand konfrontiert zu sein.
Weitere Informationen: Synesgy ESG-Assessment | carbon-connect
Ein Rating lohnt sich vor allem dann, wenn konkreter Druck von aussen da ist. KMU reagieren, weil Grosskunden für Ausschreibungen Nachweise verlangen, Banken bei Krediten nach Nachhaltigkeitsdaten fragen oder man sich im Wettbewerb differenzieren will. Ein Rating rein auf Verdacht ohne klare Zielgruppe bindet oft Ressourcen, die im operativen Geschäft besser investiert wären.
In den meisten Fällen nicht. Das beste Tool nützt wenig, wenn es der wichtigste Kunde nicht akzeptiert. Wer beispielsweise international in Lieferketten eingebunden ist, kommt an Plattformen wie EcoVadis nicht vorbei. Für rein lokale oder Schweizer KMU ohne komplexe Lieferketten können pragmatische Systeme wie esg2go ausreichen. Die beste Entscheidung passiert über die Befragung und Einbindung der Stakeholder.
Die reine Eingabe in die Tools dauert oft nur wenige Stunden. Zeitintensiv ist die Vorbereitung. Es müssen Daten aus verschiedenen Bereichen zusammengetragen werden: Strom- und Heizverbräuche, Flottendaten, Abfallmengen, HR-Kennzahlen zur Gleichstellung oder Nachweise über Arbeitsbedingungen bei Zulieferern. Beim ersten Mal sollten Unternehmen mit mehreren Wochen Vorlauf für die interne Datensammlung rechnen.
Weil es im Gegensatz zu Finanz-Ratings (wie Bonitätsnoten von S&P oder Moody’s) keinen einheitlichen globalen Bewertungsstandard gibt. Jeder Anbieter setzt eigene Schwerpunkte: Der eine gewichtet CO₂-Reduktionen stark, der andere legt den Fokus auf Lieferkettensicherheit oder faire Löhne. Dasselbe Unternehmen kann daher bei Anbieter A hervorragend abschneiden und bei Anbieter B nur im Mittelfeld landen.
Nein, im Gegenteil. Wenn ein Unternehmen ein Spitzen-Rating stolz nach aussen kommuniziert, aber bei konkreten Nachfragen zu Lieferketten oder tatsächlichen Emissionen keine handfesten Belege liefern kann, steigt das Reputationsrisiko. Ein Rating ist immer nur eine Momentaufnahme nach den Kriterien eines Rating Anbieters. Entscheidend bleibt, was im Unternehmen tatsächlich gelebt und umgesetzt wird.