Schwedens letzte Urwälder

Schwedens letzte Urwälder sterben

Schwedens letzte Urwälder
Kategorie
Klimaschutz
Letztes Update
13/1/2020

Der Amazonas wird ungebremst abgeholzt, Australien brennt und mit den Bäumen gehen Lebensräume für zahlreiche, zum Teil akut bedrohte Tierarten verloren. In den sozialen Netzwerken fiebern Naturfreunde mit Umweltschützern und Feuerwehrleuten mit und freuen sich über jedes aus den Flammen gerettete Tier. Aber auch in Europa sind die Aussichten für das Überleben vieler Pflanzen- und Tierarten düster. Schwedens letzte unberührte Urwälder schrumpfen zusehends. Dabei sind es nicht nur die Auswirkungen des Klimawandels, die der Natur zusetzen, sondern die industrielle Nutzung.

Keine Fläche Europas verfügt über so weite, zusammenhängende Waldflächen wie Skandinavien. Nach Finnland zählt Schweden zur waldreichsten Region Europas. Was diese Wälder im Vergleich zu anderen Ländern so besonders macht ist, dass es sich dabei nicht um vom Menschen aufgeforstete Wirtschaftswälder handelt, sondern um echte Urwälder. Ihr Baumbestand ist teilweise (wie im Tyresta-Nationalpark vor den Toren Stockholms) mehr als 350 Jahre alt. Viele der alten Urwaldriesen werden gefällt um örtliche Heizkraftwerke zu befeuern. Die Ausbeute macht selbst vor dem für viele Tiere wichtigen Totholz nicht halt, da dieses zwar als Schnittholz untaugliche Material noch als Biobrennstoff genutzt werden kann.

Naturschutzprogramme gibt es zwar, sie reichen aber zu einer effektiven Bewahrung der Urwälder nicht aus. Weniger als 4 % der in Schweden noch verbliebenen 5 % intakter Wälder sind als Naturreservate und Biotopschutzgebiete ausgewiesen. Zwar wollte die Regierung 900'000 Hektar bis zum Jahr 2010 unter Schutz stellen, allerdings wurde dieses Ziel bis heute nicht erreicht. Ganz im Gegenteil dazu werden durch staatliche Forstfirmen auch weiterhin FSC-Schlüsselhabitate, welche eine wichtige Funktion als Lebensraum für die heimische Flora und Fauna darstellen, aus dem internen Register gestrichen und zur Rodung freigegeben.

Einer der grössten Abnehmer schwedischer Forstprodukte ist Deutschland. Rund 20 % der in Deutschland vermarkteten Papierprodukte stammen aus schwedischer Forstwirtschaft. Tragisch daran ist, dass es nicht ausschliesslich aus Nutzwäldern, sondern zum grossen Teil aus Naturwäldern stammt. Staatliche Regulierungen gibt es kaum. Damit macht sich Deutschland mitverantwortlich für die Abholzung der Wälder in Europas hohem Norden.

Industrielle Monokulturen

So werden weitere 880.000 Hektar des eigentlich schützenswerten Waldbestandes abgeholzt für die Papierindustrie sowie für Heizkraftwerke. In den letzten siebzig Jahren sind mehr als die Hälfte der schwedischen Wälder verschwunden. Viele der Flächen sind zwar wieder aufgeforstet worden, allerdings nur zum Zwecke einer weiteren Holzgewinnung. Staatliche Forstkonzerne entschädigen Waldbesitzer durch Ersatzgebiete. Ökologisch wertvoll sind diese Wälder aber nicht wirklich. Ihr Baumbestand ist schlichtweg viel zu jung und zahlenmäßig zu niedrig um die zerstörten Urwälder auch nur im Ansatz zu kompensieren.

Nach Angaben der Forstbehörde entsprechen 37 % der landesweiten Holznutzung nicht dem Naturschutz. Schwedens Ökosysteme erfahren dadurch eine Umwandlung in Monokulturen. Dabei sollte nach einem UNO-Beschluss für Biodiversität mindestens 17% der Wälder des Landes sowie die westlichen Gebiete der Taiga unter Schutz stehen.

Die Rodung von Habitaten mit FSC-Zertifizierung ist verboten. Durch die Entfernung dieser Habitate aus den internen Registern werden schützenswerte Wälder zur industriellen Nutzung freigegeben und gleichzeitig Käufer von Holzprodukten mit FSC-Siegeln systematisch hinters Licht geführt.

Verlust der Biodiversität

In Schweden sind heute mehr als 850 Tier- und Pflanzenarten durch die Zerstörung ihrer Lebensräume vom Aussterben bedroht. Zusätzlich schwächen die Auswirkungen des Klimawandels den Wald. Gerade in kalten Gebieten der Erde ist der Temperaturanstieg besonders deutlich. Es fällt von Jahr zu Jahr weniger Schnee.

Es scheint paradox, aber viele Tiere, wie zum Beispiel das Ren, leiden Hunger ohne den Schnee. Die kalte Pracht konserviert im Winter Gräser, Moose und Flechten, die die Tiere mit ihren harten Hufen freilegen und fressen. Wechseln Frost und Tauwetter stetig, so entsteht eine dicke Eisschicht auf den Pflanzen, an die die Rene nicht mehr herankommen können. Ohne zusätzliche Futtergaben verhungern sie. Das Rentier gehört mittlerweile ebenfalls zu den gefährdeten Arten. In Kanada hat dieses Problem einige Herden bereits um bis zu 90 % dezimiert.

Zudem erweisen sich auftauende Bakterien als wahre Klimakiller. Werden sie freigesetzt, wie dies in den arktischen Regionen auf der Nordhalbkugel der Erde bereits geschieht, produzieren sie das hochwirksame Klimagas Methan. Auch in den subarktischen Regionen Schwedens tauen die Böden seit den siebziger Jahren bis in immer tiefere Schichten auf. Das ist allerdings nicht das einzige Problem der Kleinstorganismen, die vor rund 100.000 Jahren im Dauerfrostboden eingefangen wurden. Das schmelzende Eis setzt Milzbrandbakterien frei, die von Tieren aufgenommen auch im Menschen landen können, wie in Sibirien erstmals wieder seit über 70 Jahren geschehen.

In Schweden kommt es durch die nicht mehr tragfähigen Eisflächen auf den Seen immer wieder zum Ertrinken vieler Tiere. Beim Überqueren der Seen auf dem Weg zu ihren Winterweiden brechen sie im Eis ein. Auch Menschen sind unter den Opfern.

In der Region um Stockholm ist im Winter 2019/2020 bis Mitte Januar erstmalig überhaupt kein Schnee gefallen. Im Tyresta-Nationalpark, zwanzig Kilometer vor den Toren der Stadt gibt es zwar keine Bären und Luchse, dafür aber zahlreiche andere geschützte Arten wie Biber, Rehe, Marder, Greifvögel, Auerhühner und Schwedens Nationaltier, den Elch. Das typisch schwedisch eiszeitlich geformte Hügelland mit lichten Nadelwäldern, Mooren, Seen und mit Flechten bewachsenen Steinblöcken ist von riesigen Gletschern in der letzten Eiszeit gebildet worden. Das 2000 Hektar grosse Waldgebiet ist wie ein Hufeisen umgeben von einem weiteren 2700 Hektar grossen Reservat steht unter strengem Schutz. Die Auswirkungen der Zerstörung sind aber auch hier sichtbar.

Es bleibt zu hoffen, dass es den zahlreichen deutschen und schwedischen Umweltschutzorganisationen gelingt, die letzten Urwälder Schwedens vor dem kompletten Kahlschlag zu retten und damit Lebensräume für bedrohte Arten zu erhalten. In der Kampagne „Unser Wald“ fordert auch Greenpeace die schwedische Regierung auf, den Naturschutz vor Wirtschaftsinteressen zu stellen.

Schwedens Wälder stellen ein Naturerbe und im Kampf gegen den Klimawandel wichtige Kohlenstoffspeicher dar. Soll das 1,5 Grad Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens erreicht werden, so muss die Politik handeln. Viel Zeit dazu bleibt auch in Schweden nicht.

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