Die Recycling-Lüge: Müll der westlichen Welt muss endlich wiederverwertet werden

Chinas Importstopp stellt Europa vor Abfallproblem

Die Recycling-Lüge:  Müll der westlichen Welt muss endlich wiederverwertet werden
Kategorie
Klimaschutz
Letztes Update
1/1/2018

Chinas Importstopp stellt Europa vor ein immenses Abfallproblem

Man stelle sich folgendes Szenario vor: Der reiche Nachbar mit der Luxusvilla am Ende der Strasse liesse seinen Hausmüll regelmässig von Ihnen abholen. Sie lagern ihn vor der eigenen Haustür. Während Sie unaufhörlich damit beschäftigt sind, den Unrat irgendwie zu entsorgen und darin nach Verwertbarem zu suchen, wächst Ihnen auch der eigene stinkende Müllberg über den Kopf. Ihr Lohn für die ekelige Mühe? Zunächst einmal zahlen Sie für die „wertvolle Ressource“! Schliesslich bleiben Ihnen ja die brauchbaren Bestandteile aus dem Wohlstandsmüll. Das sichert Ihnen mehr schlecht als recht das eigene Überleben, während der Umgang mit dem gesundheitsgefährdenden Unrat Sie und Ihre Kinder krank macht.

Das können Sie sich nicht vorstellen? Was schon im Kleinen eine Zumutung wäre, ist im Grössen eigentlich kaum noch zu fassen. Und dennoch werden jährlich nahezu acht Milliarden Tonnen Müll aus aller Welt (vor allem aus dem Westen) nach China verschifft, um dort billig entsorgt zu werden. Billig für die Exporteure, nicht für China und erst recht nicht für die Umwelt.

Allein der Müll, den China selbst produziert, ist dem Land längst über den Kopf gewachsen.

Dabei hat das 1,4 Milliarden Einwohner zählende Land mit dem eigenen Abfallproblem schon genug am Hals. Der Müllberg droht das Land buchstäblich zu ersticken. Etwa 200 Millionen Tonnen produziert das Land jährlich und kommt mit der Entsorgung kaum nach. Nun macht China zumindest mit den Abfällen aus dem Ausland Schluss. Schrott und Plastikmüll dürfen nicht länger ins Land gebracht werden. Ab März 2018 müssen viele Länder, die China bislang als bequeme Müllhalde nutzten, nach neuen Lösungen suchen.

Als Grund für die Entscheidung erklärte Peking, seinen Arbeitern künftig bessere Bedingungen schaffen zu wollen. Die Entsorgung, Sortierung und Ausschlachtung des zum Teil gesundheitlich bedenklichen Unrats hatte stets für grosse Probleme bei den Arbeitern gesorgt. Schuld daran war vor allem der unsortierte Müll. So waren Plastikabfälle zusammen mit Elektroschrott, Hausmüll und Altpapier auf den Deponien gelandet, wo sie langsam verrotteten und die Umwelt vergifteten. Den Profit aus der Ausbeutung strichen chinesische Firmen ein.

China hat ein eigenes Müllproblem

Ein weiterer Grund dürfte Chinas eigenes Müllproblem sein. Abfall, Industrie und ein bislang sorgloser Umgang mit Emissionen haben China zu einem der dreckigsten Länder der Erde gemacht. Die Grossstädte im Norden leiden erheblich unter Smog, die Böden und Flüsse des Landes sind verseucht. Der Handlungsbedarf war längst überfällig. Was China allerdings umwelttechnisch eine Verbesserung bringt, sorgt nun andernorts für richtig dicke Luft.

Wohlstandsmüll aus dem Westen

Noch 2016 landete fast die Hälfte aller weltweit gehandelten Plastikabfälle in China. Allen voran der Müll aus den USA, Japan und Deutschland. Allein der Wert der Plastikmüll-Exporte aus der Bundesrepublik lag bei 249 Millionen Euro. 2015 hatte das Land 5,92 Millionen Tonnen Plastikmüll produziert und knapp 1,5 Millionen Tonnen davon exportiert. Auf ihren Müllbergen werden die Länder künftig sitzen bleiben. Sie stehen damit, vor der Aufgabe, schnellstmöglich lokale Lösungen zu entwickeln.

Für die weltweite Entsorgung des Abfalls werden verschiedene Wege genutzt. Nur ein Teil wird wirklich wiederverwertet. Ein grosser Teil wird verbrannt, wobei aus dieser äusserst umweltbelastenden Methode zumindest noch Energie gewonnen wird. Ein bedenklich grosser Teil landet in den Weltmeeren, wo er zu Kleinstpartikel zerrieben letztendlich in der Nahrungskette landet.

Überfälliger Schritt

Für längst überfällig hält Greenpeace diesen Schritt der Volksrepublik. Was für zahlreiche Länder der westlichen Welt bequem war, ist für China zur Katastrophe geworden. Zwar hatten die Müllimporte in China auch für unzählige Arbeitsplätze in den Provinzen gesorgt – der Müll wurde getrennt und nach wieder verwertbaren Materialien durchsucht, mit dem grosse Firmen im Land Profite gemacht hatten – die Arbeitsbedingungen allerdings waren schlichtweg katastrophal. Die Situation stinkt den Chinesen zum Himmel.

Die grosse Recycling-Lüge

In der westlichen Welt sorgt der Importstopp der Volksrepublik währenddessen für reichlich Zündstoff. Vor die Frage gestellt, wohin mit dem Plastikmüll hat auch die Schweiz wenig Lösungen parat. Im Gegensatz zum Nachbarn Deutschland ist die Recycling-Industrie hier gerade erst im Aufbau. Nur etwa 12 % des recyclefähigen Mülls wird hier derzeit tatsächlich wiederverwertet. Zudem sind Versuche umweltbewusster privater Entsorger, den Müll eigeninitiativ zu trennen, in Teilen der Schweiz verboten. Grund dafür ist hier wie andernorts das mit hohen Kosten verbundene Verfahren der Mülltrennung. Die Verschiffung des Mülls nach Fernost kam das Land wesentlich günstiger. Der ökologische Sinn, bzw. Unsinn der Aktion hatte da wenig bis keine Rolle gespielt.

220 Kilo Verpackungsmüll pro Kopf pro Jahr

Die rund 220 Kilo Verpackungsmüll, die jeder Deutsche pro Jahr produziert, bestehen zu gut einem Drittel aus Plastikverpackungen. Der sauber getrennte Anteil davongeht in die Wiederverwertung. Der vom Verbraucher kaum zu sortierende Abfall aber wie etwa Tretradverpackungen, bei denen Papier, Alufolie und Plastikfolien miteinander verschweisst sind, liess sich bisher gewinnbringend nach China verkaufen. Abgeholt wurde der Müll von den Chinesen selbst. Chinesische Containerschiffe, die Waren in den Westen importierten, nahmen auf dem Rückweg den Müll mit. Es klingt wie Ironie, dass Deutschland durch diese Art der Entsorgung die eigene Recyclingquote von derzeit 36 % erfüllt sieht! Bis 2023 will die Bundesrepublik bis zu 63 % des eigenen Abfalls recyceln. Da China nun aber nicht mehr zur Verfügung steht, wird sich das Land sputen müssen, um seine Ambitionen tatsächlich umweltgerecht umzusetzen.

Schweiz produziert 730 Kilo Müll pro Einwohner pro Jahr

Wie bei allen Industrieländern ist auch in der Schweiz das Aufkommen des Pro-Kopf-Abfalls enorm. Im EU-Durchschnitt liegt das Land laut Angaben der BAFU sogar extrem hoch. Während europaweit etwa 480 Kilo Müll pro Einwohner anfallen, sind des in der Schweiz satte 730 Kilo!

Recycling-Ambitionen endlich umsetzen!

Der Importstopp der Volksrepublik stellt den Westen nun vor ganz neue Herausforderungen. Das plötzliche Überangebot von Altplastik sorgt für einen Preisverfall bei kunststoffrecycelnden Unternehmen, die mittlerweile sogar dafür draufzahlen. Das Recycling vor Ort muss lukrativer werden. Was zunächst für Rückstau und Kopfzerbrechen sorgt, sollte zukünftig Anreiz sein, ein Recycling des Mülls nun endlich flächendeckend zu realisieren. In der Pflicht stehen dabei an erster Stelle Industrie und Wirtschaft, aber auch jede einzelne Person sollte sich aufgerufen fühlen, Müll verantwortungsvoll zu trennen, damit er der Wiederverwertung zugeführt werden kann.

Evelyn Hagenah vom deutschen Umweltbundesamt sieht die Konkurrenzfähigkeit des Recyclings zudem auch in zunehmenden Kosten für die Müllverbrennung. Auch das könnte die Wiederverwertung hoffentlich interessanter machen. Bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen nicht andere Billiglohnländer Südostasiens oder in Afrika in Betracht ziehen, um ihren Müll günstig ausser Landes zu bringen. Der Umwelt und den Menschen wäre es zu wünschen!

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