Der unglaubliche Wert des Waldes

Der weltweite und unglaubliche Wert des Waldes.

Der unglaubliche Wert des Waldes
Kategorie
Klimaschutz
Letztes Update
24/6/2020

Das Erreichen der Klimaziele ist eine der vorrangigen Aufgaben des 21. Jahrhunderts. Am Wollen mangelt es bei der Umsetzung in den meisten Fällen nicht, wohl aber am Können! Seit Beginn der Klimakonferenzen wird der Politik vorgeworfen, das Wirtschaftswachstum über die Interessen des Umweltschutzes zu stellen. Nicht ganz zu Unrecht! Nun aber hat die Corona-Beschränkung in weniger als einem halben Jahr den Volkswirtschaften gezeigt, was es tatsächlich bedeutet auf Sparflamme zu kochen. Während Klimaschützer die Massnahmen begrüssen und als Auszeit für die malträtierte Umwelt sehen, weil bereits jetzt der Ausstoss von Treibhausgasen enorm gesunken ist, wächst vom Grossindustriellen bis zum Kleinunternehmer die Angst vor dem Bankrott. Welche Wege bleiben offen und gibt es den goldenen Mittelweg zwischen dem Erhalt der Wirtschaftsfähigkeit und der Rettung der Umwelt überhaupt? Es ist höchste Zeit den Wert der Umwelt mindestens ebenso hoch einzuschätzen wie den Wert der Wirtschaft.

Wir Menschen neigen bekanntlich dazu, nur das wertzuschätzen, was wir bezahlen müssen. Der Wert einer Sache, der Wert von Land und sogar von Lebewesen entspricht in unserer Vorstellung seinem Gegenwert in barer Münze. Die Natur setzt andere Prioritäten. Ein Diamant beispielsweise, der für die Menschheit zu den teuersten Luxusgütern zählt, ist für die Umwelt völlig wertlos. Die Weite des Ozeans hingegen, die uns Menschen nur zur Schifffahrt und zur Fischerei nützlich scheint, leistet für das Klima unbezahlbare Dienste. Ähnlich sieht es mit dem Wert des Waldes aus.

Zwar haben auch viele Menschen begriffen, dass es Dinge gibt, die mit Geld nicht zu bezahlen sind. Gesundheit, Glück und Zufriedenheit gehören dazu. Um diese drei unbezahlbaren Säulen eines lebenswerten Daseins zu erlangen, aber bedarf es einer intakten Umwelt. Gerade die aber lag uns bisher bestenfalls stiefmütterlich am Herzen. In den goldenen Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs nach dem Krieg und während der gesamten Zeit der Industrialisierung bestand die Devise eher in einer rigorosen Ausbeutung aller natürlichen Ressourcen zugunsten eines ungebremsten Wirtschaftswachstums.

Die grossen Leidtragenden waren in die Wälder rund um den Globus; sowie alles, was darin kreucht und fleucht. Obwohl seit vielen Jahrzehnten bekannt war, dass neben den Ozeanen die Wälder die grünen Lungen unserer Erde sind und massgeblich für die Bereitstellung von Sauerstoff und die von Kohlenstoff verantwortlich sind, bestand und besteht der Wert eines Baumes für die Wirtschaft in der Qualität seines Holzes als Ware und die natürliche Fläche eines Waldes in seiner Nutzbarkeit für Industrie, Land- und Viehwirtschaft.

Entwicklung der Waldflächen weltweit – ein Überblick

Noch im Jahr 1990 betrug die gesamte bewaldete Fläche auf der Erde 41,28 Millionen Quadratkilometer. Bereits zehn Jahre später waren es nur noch 40,56 Millionen Quadratkilometer. 2010 waren weitere 0,5 Millionen Quadratkilometer verschwunden. Sechs Jahre später lagen die Flächen bei 39,96 Millionen Quadratkilometern, Tendenz fallend.

„Über allen Gipfeln ist Ruh`“

Nur in Volksliedern und Gedichten existiert der Wald

noch als wertvoller Ort der Erholung

für Mensch und Tier

Etwa 31 Prozent der Erdoberfläche sind heute mit Wald bedeckt. Mehr als die Hälfte dieser Flächen finden sich in Ländern, die sich nicht gerade für ihre Umwelt- und Klimaschutzaktivitäten auszeichnen. Mit 20 Prozent besitzt Russland die grössten Wälder, gefolgt von Brasilien mit 12 Prozent. China hat immerhin noch 5 Prozent der globalen Waldfläche auf seinem Landesgebiet. Die weltweiten Waldflächen machen heute zusammengefasst 4 Milliarden Hektar aus.

Das war einmal ganz anders. Vor 6000 Jahren waren noch 80 Prozent Europas mit Wäldern bedeckt. Heute sind es nur noch knapp ein Drittel. Der Abbau der Waldflächen begann bereits in der Jungsteinzeit mit der Sesshaftwerdung der Menschen und dem Beginn von Ackerbau und Viehzucht, sowie der Nutzung von Holz als Heiz- und Baumaterial. Schon in der Bronzezeit war schätzungsweise 20 Prozent der europäischen Waldfläche verschwunden. Dieser Trend hielt an bis in die Neuzeit und sorgte dafür, dass Kulturlandschaften wie Heidelandschaften und Auen entstanden, wie wir sie heute in Europa kennen.

Entgegen landläufiger Annahmen ist der Raubbau an den Wäldern also kein Phänomen der Neuzeit. Zur Zeit der Industrialisierung erholten sich die Bestände sogar kurzfristig, weil Holz als Energielieferant an Bedeutung verlor. Heute sind es vor allem die landwirtschaftliche Nutzung und die Auswirkungen des Klimawandels, die weltweit für weiteren den Rückgang von Wäldern verantwortlich sind.

Skandinavien, wo die Landwirtschaft eine untergeordnetere Rolle spielt, hat in Europa die grössten Waldflächen. Aber auch sie sind bedroht. Neben der Rodung selbst geschützter Wälder für Industrie und Papierproduktion, sind es die Auswirkungen des Klimawandels, die auch hier die Wälder zusätzlich zerstören. Obwohl in ganz Europa immer mehr Wälder unter Naturschutz gestellt werden, trägt Europa eine Mitschuld am Rückgang der Regenwälder in äquatorialen Gebieten Asiens und Lateinamerikas. Grund dafür ist die ungebrochene Nachfrage an Fleisch. Dem Anbau von Viehfutter, für Weideflächen und Stellflächen für Vieh fallen gerade jetzt in Brasilien wieder tagtäglich durch Brandrodung enorme Flächen zum Opfer. Durch die Corona Krise ist die Zerstörung der Regenwälder zwischenzeitlich aus dem Fokus geraten. Unbeachtet von der Weltöffentlichkeit wütet diese Misere schlimmer als jemals zuvor.

Boston Consulting Group errechnet den Wert der Wälder

Unter diesen Gesichtspunkten war es wohl höchste Zeit, den weltweiten Waldbestand in US-Dollar umzurechnen und damit der Menschheit ihren Wert auf die einzige Weise zu verdeutlichen, den sie offenbar versteht. Das Beratungsunternehmen Boston Consulting Group (BCG) hat sich mit seiner Analyse zur Errechnung des weltweiten Waldwertes das Ziel gesetzt, die Weltgemeinschaft davor zu warnen, diesen Wert des globalen Waldbestandes weiter zu mindern. Die Fachleute teilten hierfür die Wälder gemäss ihrer Nutzung für die Wirtschaft und Wichtigkeit für das Klima ein. 90 Prozent aller Wälder wurden dabei der Kategorie höchster klimaregulierender Relevanz zugeordnet. Die wichtigsten und zugleich bedrohtesten Wälder sind dabei die Regenwälder.

Der Anteil, den Klimawandel und Landwirtschaft an der Zerstörung der Wälder haben, wird auch weiterhin massgeblich sein. Bis 2050 werden weitere 800 Millionen Quadratkilometer diesen beiden Aspekten zum Opfer fallen, wenn nicht schnellstens etwas unternommen werde, warnt die Boston Consulting Group.

Das Verschwinden von Wald setzt eine gefährliche Abwärts-Spirale in Gang. Die Sauerstoffproduktion wird gemindert und zugleich das in Böden und Biomasse gespeicherte CO2 freigesetzt. Dieser Vorgang erhöht die Geschwindigkeit der Klimaerwärmung. Die Erhöhung der Temperatur führt zudem zur Verschlimmerung der Waldbrandgefahren und bietet „natürlichen“ Feinden der Wälder, wie etwa dem Borkenkäfer, beste Bedingungen auch ihrerseits ihr zerstörerisches Werk an den noch verbliebenen Bäumen zu betreiben. Die befallenen Bäume verlieren an Wert für die holzverarbeitende Industrie, so dass vermehrt auf gesunden, geschützten Bestand zurückgegriffen wird. Je schneller dieser „Teufelskreis“ sich dreht, desto schwerer wird es, ihn aufzuhalten. Es zählt also buchstäblich jede Sekunde!

Den Wert aller jetzt noch auf der Erde vorkommenden Wälder

schätzt die Boston Consulting Group

bis auf 150 Billionen US-Dollar!

Umweltbundesamt berechnet den Wert von CO2

Der Ausstoss einer Tonne des Umweltgases CO2 und seiner Derivate verursacht nach Berechnungen des Umweltbundesamtes (UBA) reale Kosten von 640 Euro. Die Bundesregierung einigte sich in dem im Jahr 2019 neu definierten Brennstoffemissionshandelsgesetz darauf, den CO2-Preis pro Tonne ab 2021 auf 25 Euro festzusetzen und dann bis zum Jahr 2026 schrittweise auf 55 Euro bis maximal 65 Euro zu erhöhen. Was sich zunächst nach einer enormen Preissteigerung innerhalb von nur fünf Jahren anhört, ist vor dem Hintergrund der vom Umweltbundesamt errechneten Kosten wohl nur ein Tropfen auf den heissen Stein.

Zwischen Hoffnung und Utopie

Einen schwachen Trost gibt es: Laut Forschern kehrt sich zumindest in Europa der Trend zur Zerstörung der Wälder langsam um. Die Flächen wachsen dank konsequenter Aufforstung und das Zurückgreifen auf alternative Heizmittel sogar wieder.

Fachleute der Boston Consulting Group warnen hingegen Umweltschützer: “In Anbetracht der Rolle, die Wäldern im Kampf gegen den Klimawandel zukommt, ist es geboten, jetzt mit aller Entschlossenheit zu handeln, um die weitere Zerstörung des Waldwertes zu beenden.“ Regierungen, NGOs, Wirtschaft und Privathaushalte sind gleichermassen aufgerufen zu handeln und zur Wiederherstellung von Wäldern beizutragen. Dazu müsse die Landnutzung gründlich überdacht und die Reduzierung des weltweiten Fleischkonsums in Betracht gezogen werden. Auch kommerziell genutzte Wälder, deren Fläche 2,7 Milliarden Hektar weltweit ausmacht, müssten für die Rettung des Klimas und die Einhaltung des Klimaziels einer zwei Grad-Begrenzung, unter sofortigen Schutz gestellt werden.

Für einen sofortigen, effektiven Klimaschutz wäre die Neuanpflanzung von Waldflächen von der Grösse Australiens nötig.

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