Klimarisiken sind finanzielle und operative Risiken, die durch den Klimawandel und die Reaktion der Wirtschaft darauf entstehen. Sie werden in zwei Hauptkategorien unterteilt, diese sind: physische Risiken und transitorische Risiken.
Physische Risiken entstehen durch den Klimawandel selbst, beispielsweise durch Hochwasser, Hitzewellen oder Dürren.
Transitorische Risiken entstehen durch den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft, ausgelöst durch neue Gesetze, CO2-Preise oder veränderte Kundenanforderungen.
Physische Klimarisiken betreffen Standorte, Anlagen und Lieferketten unmittelbar. Sie werden weiter unterteilt in chronische und akute Risiken.
Chronische Risiken entwickeln sich über Jahre und Jahrzehnte. Sie verändern die Rahmenbedingungen, unter denen ein Unternehmen arbeitet, graduell und dauerhaft. Dazu zählen unter anderem Hitzestress, veränderte Niederschlagsmuster (Starkregen), Meeresspiegelanstieg und Bodendegradation.
Für ein Industrieunternehmen heisst das zum Beispiel: steigende Kühlkosten in Produktionshallen, veränderte Wasserverfügbarkeit für Prozesse, oder höhere Belastung von Lagerflächen durch Temperaturschwankungen.
Akute Risiken sind einzelne, klar abgrenzbare Extremwetterereignisse mit unmittelbarer Schadenswirkung. Dazu gehören Hochwasser, Hitzewellen, Stürme, Starkniederschlag und Erdrutsche.
Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Zulieferer, dessen Produktionshalle durch ein Unwetter für mehrere Tage ausfällt, kann Lieferverpflichtungen nicht erfüllen, dies hat direkte finanzielle Folgen wie beispielsweise die Naturkatastrophe in Spanien. Heftige Überschwemmungen im Wallis, Spanien und Österreich haben die Produktion in den Werken von Stadler Rail und von wichtigen Zulieferern gestört. Dies hat das Jahresergebnis 2024 zerzaust.
Die EU-Taxonomie listet in Anhang A insgesamt 28 physische Klimarisiken, die im Rahmen der Klimaanpassung systematisch geprüft werden müssen. Sie sind in vier Kategorien gegliedert: Temperatur, Wind, Wasser und Boden beziehungsweise feste Masse.
Nicht jedes Unternehmen muss alle 28 Risiken prüfen. Im sogenannten CRVA-Prozess (Climate Risk and Vulnerability Assessment) werden nur jene Risiken bewertet, die am konkreten Standort tatsächlich auftreten können und die Geschäftstätigkeit beeinträchtigen würden. Ein Betrieb im Schweizer Mittelland muss sich beispielsweise nicht mit Küstenerosion befassen, ein Hitzewellen-Risiko für die Produktion dagegen wohl.
Transitorische Risiken entstehen nicht durch das Klima, sondern durch die Massnahmen, mit denen Politik, Markt und Gesellschaft auf den Klimawandel reagieren. Für viele KMU sind sie heute bereits spürbarer als physische Risiken.
Regulatorische Risiken entstehen durch neue Gesetze und Berichtspflichten wie etwa CSRD, EU-Taxonomie oder die kommende EU-Verpackungsverordnung (PPWR, ab August 2026). Wer diese Anforderungen nicht erfüllt, riskiert den Ausschluss aus Lieferketten oder Sanktionen.
Technologische Risiken entstehen, wenn bestehende Anlagen oder Prozesse durch klimafreundlichere Alternativen ersetzt werden und an Wert verlieren. Wer zu spät auf neue Technologien umstellt, verliert Wettbewerbsfähigkeit.
Marktrisiken entstehen durch verändertes Kundenverhalten und steigende Rohstoffpreise. Immer mehr Einkäufer verlangen CO2-Bilanzen, EPDs oder EcoVadis-Ratings als Voraussetzung für eine Auftragsvergabe.
Reputationsrisiken entstehen durch wahrgenommenes Greenwashing oder fehlendes Klimaengagement. Mit der EmpCo-Richtlinie und dem Schweizer UWG steigt der rechtliche Druck auf unbelegte Nachhaltigkeitsaussagen zusätzlich.
Rechtliche Risiken entstehen durch Haftungsfälle im Zusammenhang mit Klimaschutzversäumnissen oder irreführenden Aussagen zur Nachhaltigkeit.
Die meisten KMU erleben Klimarisiken zuerst nicht als Wetterereignis, sondern als Anfrage im E-Mailkonto: ein ESG-Fragebogen vom Grosskunden, eine Forderung nach einer EPD, eine Anfrage zur CO2-Bilanz im Rahmen von Scope 3 oder die Forderung nach einem ESG-Rating.
Das sind transitorische Risiken in Reinform ausgelöst durch Berichtspflichten von grossen Firmen an ihre Lieferanten. Physische Risiken wiederum werden zunehmend Teil dieser Anfragen: Grosskunden fragen heute bereits nach der Standortresilienz ihrer Zulieferer.
Eine vollständige Klimaszenarioanalyse mit mehreren Zeithorizonten und Klimamodellen ist für viele KMU weder nötig noch sinnvoll. Der pragmatische Einstieg sieht anders aus:
Zunächst klären, welche konkreten Anforderungen bereits von Kunden oder Gesetzgebern auf dem Tisch liegen – ESG-Fragebogen, EcoVadis, EPD-Pflicht, Scope-3-Anfrage. Das sind die unmittelbaren transitorischen Risiken, die heute schon Umsatz betreffen.
Danach prüfen, ob am eigenen Standort physische Risiken bestehen, die operative Abläufe gefährden könnten. Meist reicht hierfür eine fokussierte Einschätzung statt einer aufwendigen Modellierung. Erst danach, wenn das Unternehmen wächst oder selbst kapitalmarktpflichtig wird, lohnt sich eine vertiefte, quantitative Szenarioanalyse.
Was ist der Unterschied zwischen physischen und transitorischen Klimarisiken?
Physische Risiken entstehen durch den Klimawandel selbst, etwa durch Extremwetter oder langfristige Temperaturveränderungen. Transitorische Risiken entstehen durch den Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft, etwa durch neue Gesetze, CO2-Preise oder veränderte Kundenanforderungen.
Was sind chronische Klimarisiken?
Chronische Klimarisiken sind langfristige, schleichende Verschiebungen klimatischer Muster, etwa Hitzestress, veränderte Niederschlagsmuster oder Meeresspiegelanstieg. Sie verändern Rahmenbedingungen graduell über Jahre und Jahrzehnte.
Wie viele physische Klimarisiken listet die EU-Taxonomie?
Die EU-Taxonomie listet in Anhang A insgesamt 28 physische Klimarisiken, unterteilt in 11 chronische und 17 akute Risiken, gegliedert nach den Kategorien Temperatur, Wind, Wasser und Boden beziehungsweise feste Masse.
Müssen KMU eine Klimarisikoanalyse durchführen?
Direkt verpflichtet sind meist nur grössere, kapitalmarktpflichtige Unternehmen unter CSRD oder EU-Taxonomie. Indirekt erreicht die Anforderung jedoch viele KMU über Lieferketten, weil Grosskunden ihre eigenen Berichtspflichten an Zulieferer weitergeben.
Was ist der CRVA-Prozess?
CRVA steht für Climate Risk and Vulnerability Assessment. Es ist die Methode, mit der geprüft wird, welche physischen Klimarisiken für einen bestimmten Standort tatsächlich relevant sind, und wie verwundbar die dortige Geschäftstätigkeit gegenüber diesen Risiken ist.

