Müssen KMU einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen?

Ob ein KMU einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen muss, ist heute weniger eine juristische als eine strategische Frage. Rechtlich sind die meisten KMU in der Schweiz und der EU nicht verpflichtet, einen formellen Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen. Trotzdem wird das Thema für viele kleine und mittlere Unternehmen immer wichtiger. KMU erstellen Nachhaltigkeitsberichte, weil es ihre Kunden oder die Lieferkette fordert und aus Markt-, Finanz- und Reputationsgründen.

Wesentliche Punkte aus KMU-Sicht

  • Es gibt keine allgemeine Pflicht, dass jedes KMU einen umfangreichen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen muss.
  • Auch europäische Regelungen wie etwa neue, sehr detaillierte Reportingpflichten sind primär auf grössere Unternehmen ausgerichtet.
  • Für KMU im Inlandsgeschäft ohne grosse Konzerne im Rücken bleibt das Thema rechtlich meist freiwillig.
  • Aber: das bedeutet nicht, dass Nachhaltigkeitsinformationen nicht indirekt gefordert werden! Auch ohne formelle Pflicht steigt der Druck aus dem Umfeld. Für viele KMU wird ein (wenn auch schlanker) Nachhaltigkeitsbericht zu einem Wettbewerbsfaktor.

Warum ist Nachhaltigkeitsberichterstattung für KMU trotzdem ein Thema?

Anforderungen von Kunden und Lieferketten

Viele KMU sind Zulieferer oder Dienstleister für grössere Unternehmen. Diese...

  • müssen selbst ausführlich über Nachhaltigkeit und Klimarisiken berichten
  • geben ihre Anforderungen an Lieferanten und Partner weiter

Typische Erfahrungen von KMU:

  • umfangreiche Fragebögen zu Umwelt- und Sozialstandards
  • Anforderungen zu CO2-Bilanz, Energieverbrauch, Recyclingquoten
  • Nachweise zu Code of Conduct, Menschenrechten, Arbeitsbedingungen

Wer hier keine Daten liefern kann, hat in Ausschreibungen oft schlechtere Karten – oder wird gar nicht erst berücksichtigt. Ein einfacher, solider Nachhaltigkeitsbericht hilft, solche Anfragen effizient und einheitlich zu beantworten.

Banken, Versicherungen und Investoren

Finanzinstitute beziehen ESG-Aspekte zunehmend in ihre Entscheidungen ein. Für KMU bedeutet das:

  • Banken fragen nach Risiken und Strategien rund um Energie, Klima, Ressourcen, Lieferkette
  • Versicherer interessieren sich für Klimarisiken, Sicherheit, Compliance
  • Gute Nachhaltigkeitsdaten können mittelfristig helfen, Konditionen zu verbessern oder den Zugang zu Finanzierung zu sichern

Öffentliche Ausschreibungen und Rahmenverträge

Öffentliche Auftraggeber und grössere Unternehmen berücksichtigen vermehrt:

  • Umweltkriterien (z.B. CO2-Fussabdruck von Produkten/Dienstleistungen, Netto-Null-Ziele)
  • soziale Kriterien (z.B. faire Arbeitsbedingungen, Gleichstellung)
  • Compliance-Kriterien

Arbeitgeberattraktivität, Mitarbeitende, Reputation und Kundenvertrauen

Mitarbeiter und Fachkräfte legen heute grossen Wert auf Sinnhaftigkeit, ökologische und soziale Verantwortung sowie transparente und ehrliche Kommunikation. Ein gut aufbereiteter Nachhaltigkeitsbericht zeigt klar, wo ein Unternehmen steht, macht Fortschritte sichtbar und stärkt das Employer Branding – ein wichtiger Faktor, um Talente zu gewinnen und langfristig zu halten. Gleichzeitig reagieren Kunden zunehmend sensibel auf Greenwashing. Ein glaubwürdiger Bericht schafft Transparenz, zeigt sowohl Stärken als auch Herausforderungen und baut Vertrauen auf. Gerade für KMU kann eine offene, ehrliche Berichterstattung zu einem echten Differenzierungsmerkmal werden: Wir sind vielleicht kein Konzern, aber wir übernehmen Verantwortung.

Was versteht man unter einem Nachhaltigkeitsbericht für KMU?

Ein Nachhaltigkeitsbericht für KMU, häufig auch ESG-Bericht genannt, zeigt strukturiert auf, wie ein Unternehmen mit den Themen Umwelt, Soziales und verantwortungsvoller Unternehmensführung umgeht. Dazu gehören Informationen über Energieverbrauch, CO2-Emissionen (CO2-Bilanz und Klimastrategie), Ressourcen oder Abfall, ebenso wie Aspekte rund um Mitarbeitende, Arbeitssicherheit, Lieferantenmanagement sowie Compliance und Unternehmensverantwortung. Ein solcher Bericht enthält:

  • eine kurze Darstellung des Unternehmens
  • Grundsätze oder Ziele der Nachhaltigkeitsstrategie, relevante Kennzahlen, konkrete Massnahmen und Projekte sowie Zielsetzungen für die kommenden Jahre
  • Für KMU muss dies jedoch kein umfangreiches Konzernwerk sein. Oft reicht ein kompakter Bericht von 5 bis 15 Seiten, ein Nachhaltigkeitskapitel im Geschäftsbericht oder eine klar strukturierte Darstellung auf der Website. Entscheidend ist, dass die Inhalte transparent, nachvollziehbar und glaubwürdig sind.

Für die meisten KMU bietet sich ein schlanker, pragmatischer Ansatz an. Das kann ein kompakter Nachhaltigkeitsbericht mit den wichtigsten Themen und wenigen, aber aussagekräftigen Kennzahlen sein, ein fokussierter Klimabericht mit CO₂-Bilanz und Reduktionsmassnahmen, eine integrierte Nachhaltigkeitssektion im bestehenden Geschäftsbericht oder eine übersichtliche Website-Darstellung mit zentralen Fakten und Beispielen. Es gibt keine Standardlösung. Die Form der Berichterstattung sollte immer zur Grösse, Branche und den verfügbaren Ressourcen des Unternehmens passen.

Fazit

Ein Nachhaltigkeitsbericht bietet KMU handfeste Vorteile: Er stärkt den Marktzugang, verbessert die Chancen bei Ausschreibungen und erleichtert die Erfüllung von Kundenanforderungen ohne zeitintensiven Ad-hoc-Aufwand. Zudem schafft er eine solide Grundlage für Gespräche mit Banken und Versicherern und hilft dabei, Risiken und Kosten – etwa im Energieverbrauch – besser zu verstehen. Durch die systematische Datenerhebung werden Einsparpotenziale sichtbar, sodass nachhaltige Massnahmen oft direkt wirtschaftliche Vorteile bringen. Gleichzeitig verbessert ein solcher Bericht die Arbeitgeberattraktivität, da er zeigt, wofür das Unternehmen steht, und unterstützt damit die Gewinnung und Bindung von Fachkräften. Auch die Reputation profitiert: Transparente Kommunikation schützt vor Greenwashing-Vorwürfen und stärkt das Vertrauen von Kunden und Partnern. Nicht zuletzt bereitet ein Nachhaltigkeitsbericht KMU auf zukünftige Anforderungen vor: Wer heute strukturiert beginnt, ist bestens gerüstet, wenn der Druck durch Kunden, Branchen oder Gesetzgeber steigt.

Rechtlich besteht für die meisten KMU zwar keine Pflicht zur umfassenden Berichterstattung, doch aus strategischer Sicht empfiehlt es sich, klein, aber systematisch anzufangen: Die wichtigsten Themen definieren, zentrale Kennzahlen wie Energie und CO2 erheben und diese ehrlich kommunizieren. Ein schlanker Bericht oder eine klar aufgebaute Nachhaltigkeitsseite auf der Website genügt zunächst und kann bei Bedarf Schritt für Schritt ausgebaut werden.

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