Montag, 17. Dezember 2018

COP 24 in Kattowitz – 1,5 °-Ziel beschlossen (Teil 1)

Das Auge der Welt ruhte auf den rund 20.000 Teilnehmern und Vertretern aus 200 Staaten. Ist es möglich die Klimaziele der COP 21 in Paris 2015 endlich umzusetzen? Kann es gelingen, die Klimaerwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen? Welche Verpflichtungen entstehen den Staaten daraus?

Vorbereitungstreffen in Bangkok

Für den diesjährigen Klima-Gipfel hatte es zuvor ein Treffen in Bangkok zwecks seiner Vorbereitung gegeben. Im Anschluss daran war es am 8. September zu Demonstrationen in vielen Ländern mit zehntausenden von Teilnehmern gekommen, die unter dem Motto Rise for Climate (Aufstehen für das Klima) für mehr Umweltschutz und eine konsequente Klimapolitik auf die Strassen gegangen waren.

Während auf den Tag genau vier Wochen später in Schweden den US-Ökonomen Paul Romer und William Nordhaus für ihre Arbeiten zur Klimaökonomie und ihre Forschungen zu nachhaltigem Wirtschaftswachstum der Nobelpreis für Wirtschaft von der schwedischen Reichsbank für Wirtschaftswissenschaften verliehen wurde, veröffentlichte die Internationale Energieagentur IEA zeitgleich ihren Jahresbericht zur Entwicklung der erneuerbaren Energien, in dem zu lesen war, dass diese Art der umweltschonenden Stromerzeugung weltweit immer schneller steigt. Im Ende Oktober 2018 verfassten Ressourcenbericht 2016 der OECD hingegen wird statt einer Reduzierung eine Verdopplung der CO2-Emissionen durch die extreme Steigerung des weltweiten Rohstoffverbrauchs bis 2060 vorausgesehen.

Besseres Recycling und Ressourceneffizienz

Die EU-Umweltminister reagierten prompt: bereits einen Tag nach Erscheinen des Jahresberichts der IEA trafen sie sich in Luxemburg um für Neuwagen neue Emissionsgrenzwerte festzusetzen. Das EU-Parlament trat zusammen mit einigen west- und nordeuropäischen Staaten für eine Verschärfung um 40% des ab 2021 gesetzten Wertes von höchstens 95 g CO2 Ausstoss pro gefahrenem Kilometer, derweil sich die EU-Kommission auf eine Reduzierung um weitere 30 % bis 2013 einsetzte.

 

Der Weltklima-Vertrag sieht eine Begrenzung der globalen Erderwärmung auf maximal 2°, wenn möglich jedoch auf 1,5 °C vor. Tatsache ist allerdings, dass der weltweite Ausstoss klimaschädigender Gase, so wie er zur Zeit praktiziert wird, über kurz oder lang zu einer Erwärmung um mehr als 3° führen wird. Der IPCC hatte hierzu im Oktober des Jahres einen Sonderbericht des Berliner Forschungsinstituts Climate Analytics vorgelegt, in welchem darauf hingewiesen wird, dass die Durchschnittstemperatur bereits jetzt 1° über derjenigen aus der vorindustriellen Periode liegt. Will Deutschland das 1,5 °-Ziel erreichen, so würde dies den konsequenten Ausstieg aus der Kohle bis 2030 bedeuten.

Österreich schlug nach langen Verhandlungen schliesslich einen Kompromiss auf 35 % vor, welcher sich letztendlich auch durchsetzte. Jetzt stehen die Detailverhandlungen zwischen EU-Kommission und EU-Parlament an. Effektivere Recycling- und Ressourceneffizienz sowie die Etablierung einer Kreislaufwirtschaft seien sinnvolle Gegenmassnahmen.

Klimaschutz und Finanzierung

Wie nicht anders zu erwarten war bei oben genanntem Treffen in Bangkok die Frage nach der Finanzierung der Klimaschutzziele der grösste Knackpunkt unter den Diskussionsteilnehmern. Der Weltklimavertrag beschäftigt sich mit dem Zustand bis 2026. Nicht geklärt ist dabei aber, wie es nach dem festgesetzten Zeitraum eigentlich weitergehen soll. Im Unklaren ist man sich auch noch über die Einteilung der Staaten in Industrieländer, Entwicklungsländer und Schwellenländer. Für die letzteren sind die Vorgaben weniger straff, denn massgeblicher Verursacher der Klimaerwärmung sind die Industriestaaten. Dennoch lehnen gerade die ärmeren Länder eine Unterscheidung mittlerweile ab. Der Grund ist, dass die Probleme nicht mehr zwischen hochentwickelten und weniger entwickelten Ländern bestünden, sondern zwischen solchen, die für eine Einhaltung der im Pariser Abkommen beschlossenen Klimaschutzziele stünden und jenen, die sie abschwächen wollten.

Nach wie vor ringen die Verantwortlichen damit Klimaschutz und Wirtschaftsinteressen unter einen Hut zu bringen. Durch die wirtschaftliche Umstrukturierung von Industriezweigen seien immer auch tausende von Arbeitsplätzen bedroht. Dies ist sicher richtig. Dagegen stehen die Tatsachen, dass es (laut Environmental Health Perspectives) pro Jahr zu bis zu 33 Millionen Asthma-Notfällen kommt und auf dem afrikanischen Kontinent (so WHO) schon jetzt über 23 % der Todesfälle auf die Verschmutzung der Umwelt zurückzuführen seien.

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