Donnerstag, 18. Oktober 2018

Sonderbericht Weltklimarat 2018, IPCC

Schon 2015 verpflichteten sich 196 Länder im Klimaabkommen von Paris zu schnellem Handeln, um die Emission von Kohlendioxid drastisch zu verringern. Nun haben 91 Wissenschaftler aus 40 Nationen für den Weltklimarat IPCC einen Sonderbericht verfasst und darin noch einmal auf die ganze Problematik aufmerksam gemacht. Bereits seit 1995 wird jährlich in dem Klimakonferenzen darüber beratschlagt, wie es zu bewältigen sei, die durch menschenverursachte Klimaveränderung in den Griff zu bekommen und eine Erwärmung der Erde gemessen am Stand zu Beginn des Industriezeitalters auf maximal 2 Grad, besser jedoch auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Diese Aufgabe stellt den UNO Weltklimarat IPCC vor Herausforderungen, die ohne die Einsicht und die Mitwirkung der Industriestaaten und der Hauptverursacher von Emissionen (Energieerzeugung, Städtebau, industrielle Landwirtschaft, industrielle Viehwirtschaft Verkehr, Privathaushalte) nicht zu bewältigen sind. In dem Sonderbericht stellte der Weltklimarat nach einer Zusammenkunft in Incheon/Südkorea vor, wie dieses Ziel erreicht werden kann und mit welchen Schwierigkeiten dabei zu rechnen ist. Ob das Ruder noch einmal herum gerissen werden kann, wird in den nächsten zehn Jahren entschieden werden. Viel Zeit bleibt also nicht.

Obwohl die ganze Problematik seit Jahrzehneten bekannt ist, ist bisher wenig geschehen.  Während von Experten der akute Handlungsbedarf erkannt wird und der menschenverursachte Anteil am Klimawandel nicht mehr abgestritten wird, ist dies für die Politik nach wie vor ein heisses Eisen. Hier muss wohl noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, bis der Wähler erkennt, dass der Verzicht auf Billigfleisch aus Massentierhaltung, der Verzicht auf günstige Flüge, uneingeschränkte Nutzung von Ressourcen und Energie, Einschränkungen bei der Nutzung des eigenen PKW, Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel, etc. letztendlich auch zu seinem eigenen Besten ist. Wählerstimmen sind damit kaum zu fangen. Zu wenige Politiker gehen bisher mit gutem Beispiel voran.

Kleiner Schritt mit grossen Auswirkungen

Bereits 2015 hatten die teilnehmenden Länder auf der Klimakonferenz in Paris einen Sonderbericht mit dem Ziel, die Erderwärmung nicht über 1,5 Grad zu überschreiten, beauftragt. Damit sollte unter anderem betont werden, dass Industriestaaten als Hauptverursacher des Klimawandels Rücksicht nehmen auf Entwicklungsländer und Schwellenländer, die schon jetzt am meisten unter Wetterextremen zu leiden haben und auch in Zukunft haben werden. Wie man dies umzusetzen gedenkt, ist eine andere Frage. Im Vergleich zum Beginn des Industriezeitalters ist die Erde bis heute bereits 1 Grad wärmer als damals. Man geht davon aus, dass die globale Durchschnittstemperatur alle zehn Jahre um etwa 0,2 Grad weiter ansteigen wird. Das 1,5 Grad-Ziel einzuhalten dürfte also extrem schwierig werden.

Man mag einen Unterschied von 0,5 Grad für minimal halten. Tatsächlich würde uns ein solcher Temperaturunterschied beim Wechsel von einem Raum in einen anderen überhaupt nicht auffallen. Was ein Anstieg von 0,5 Grad aber tatsächlich ausmacht, ist so erstaunlich wie erschreckend. In Regionen der Erde, die ohnehin sehr heiss sind, wirkt sich die Erderwärmung zunächst weniger aus als in der Arktis. Der Nordpol ist zur Zeit am stärksten vom globalen Temperaturanstieg betroffen. Durch das Abschmelzen des Polareises kommt es zu einem Anstieg des Meeresspiegels, was kleinen Inselstaaten schon sehr bald zum Verhängnis werden könnte. Bei 2 Grad würde auch das Eis der Antarktis schneller schmelzen. Dies ist zwar auch bei 1,5 Grad zu erwarten, jedoch wesentlich langsamer. Während unter „normalen“ Bedingungen der arktische Ozean einmal in jedem Jahrhundert eisfrei ist, würde es bei einem Anstieg von 2 Grad zu einem eisfreien Winter pro Jahrzehnt kommen. Nicht nur für die schon jetzt massiv bedrohten Eisbären ist das eine gruselige Vorstellung.

Auch im Falle der 1,5 Grad-Begrenzung käme es zwar innerhalb der nächsten Jahrhunderte zu einem Anstieg des Meeresspiegels. Immerhin blieben aber nahezu 2,5 Millionen km² der globalen Permafrostböden für die nächsten Jahrhunderte verschont. Dies ist ein wichtiger Aspekt auch in Hinsicht auf die Speicherung von schädlichem Kohlenstoff in den Böden. Werden diese durch Abtauen freigesetzt, schädigen sie das Klima zusätzlich und heizen buchstäblich die Spirale der immer rasanter fortschreitenden Erderwärmung noch schneller voran. Bei einer Begrenzung auf 1,5 Grad stiege bis zum Jahre 2100 der Meeresspiegel wahrscheinlich 10 cm weniger an. Bei einem Temperaturplus von 2 Grad wären es zwischen 25 und über 80 cm. In den betroffenen Ländern wären im günstigeren Fall dann etwa 10 Millionen Personen weniger von Überflutungen betroffen.

Die Auswirkungen grosser, langanhaltender Hitzeperioden haben im Super-Sommer 2018 auch die gemässigten Klimazonen Westeuropas zu spüren bekommen. Wasserknappheit, Temperaturwerte bis zu 40 Grad und über Monate ausbleibender Regen haben auch den Deutschen klargemacht, dass es hier nicht mehr um die Folgen in einer fernen Zukunft geht, sondern wir alle hier und jetzt betroffen sind. Schon in den vergangenen Jahren wurden Hitzewellen oft von sintflutartigen Regenfällen abgelöst. In Zukunft werden solche Hitzewellen und Starkregenperioden noch weit mehr Todesopfer fordern als bisher. Vor dem relativ langsam ansteigenden Meeresspiegel können wir uns rechtzeitig in Sicherheit bringen, vor den Extremen des Wetters jedoch nicht.

Von 2 Grad auf 1,5 Grad - Sinnvolle Massnahme oder nur ein Tropfen auf den heissen Stein?

Das Risiko von Überflutungen und Dürren wird zunehmen. Davon sind neben Menschen auch unzählige Tiere und Pflanzen betroffen. Schon jetzt erbeten tausende Menschen in Europa nicht nur politisches Asyl, sondern kommen als Klimaflüchtlinge zu uns. Ihre Zahl wird dramatisch steigen. Wer sich nicht in Sicherheit bringen kann, für den könnten die Auswirkungen des Klimawandels zu einer tödlichen Bedrohung werden.

Eine negative Auswirkung auf die Biodiversität ist ebenfalls zu erwarten. Wie es um die Korallenriffe steht (Great Barrier Reef), ist bekannt. Dass sie auf “Dauer“ noch zu retten sind, darf bezweifelt werden. Sicher ist hingegen, dass bei einem Temperaturanstieg von 2 Grad nur maximal ein Prozent der zurzeit noch bestehenden Korallenriffe überhaupt überleben würden. Bei einer Begrenzung auf 1,5 Grad hätten zumindest 10-30 % eine Überlebenschance. Die Bilder ziellos im Polarmeer treibender Eisbären auf der vergeblichen Suche nach festen Eisschollen gehen schon lange um die Welt. Die Tiere schwimmen bis sie die Kraft verlässt und sie ertrinken. Die negativen Folgen des Klimawandels könnten auch bei der Begrenzung auf 1,5 Grad nicht gänzlich gestoppt, aber doch deutlich verlangsamt werden. Unter diesen Voraussetzungen bleibt jeder Rettungsversuch zwar tatsächlich nicht viel mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber unter den gegebenen Bedingungen ist dies wohl die einzige Chance, die uns noch bleibt.

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