Freitag, 9. Februar 2018

Kapstadt geht das Wasser aus (Teil 2)

Kapstadt geht das Wasser aus

Die Hafenstadt an der Südwestküste Südafrikas, vor dessen Toren einst Nelson Mandela inhaftiert war, gilt mit ihrer umgebenden Landschaft, dem Tafelberg, dem sonnigen Wetter und den zahlreichen Luxushotels entlang der Küste als Touristenmagnet. Dies könnte sich in kürzester Zeit schlagartig ändern. Die Pools der Hotels sind schon jetzt leer, Gärten dürfen nicht mehr bewässert werden. Das Absinken des Grundwasserspiegels durch die Bewässerung von Golfplätzen und Hotelanlagen und ein nicht nachvollziehbarer, verschwenderischer Verbrauch von Wasser auch in Privathaushalten war bereits vor 30 Jahren im Norden des Kontinents, vor allem in Tunesien, ein grosses Problem. Konsequenzen gezogen hat man hier so wenig wie anderswo. Es scheint eine zutiefst menschliche Eigenart zu sein, Alarmsignale sehenden Auges zu ignorieren.

Nun tritt langsam ein was eintreten musste. Eine derartige Notlage hat die Millionenstadt bisher nicht erlebt. Eine Jahrhundertdürre droht die Stadt lahmzulegen. Nur noch ein Drittel der normalen Wassermenge befindet sich in den Stauseen. Oberbürgermeisterin Patricia de Lille hat die Wasserwarnstufe 6 ausgerufen. Sie selbst geht bei den verordneten Sparmassnahmen mit gutem Beispiel voran. Seit einiger Zeit schon verzichtet sie auf tägliches Duschen und Haarewaschen. In Kapstadt, einer der modernsten und am besten entwickelten Grossstädte des Kontinents, sind die Ursachen neben einer maroden Infrastruktur und einem verschwenderischen Umgang mit dem Wasser durch Klimaphänomene (aktuell El Nino) begründet. Erste Sanktionen wurden bereits verhängt: Wer künftig mehr als 87 Liter Wasser pro Tag verbraucht muss mit einem Bussgeld rechnen.

Bereits jetzt gibt es die Auflage für Privathaushalte, in einem Monat maximal 10.500 l Wasser zu verbrauchen. Im Vergleich dazu: in Deutschland liegt der tägliche Pro-Kopf-Verbrauch bei etwa 120 Litern, in der Schweiz über 200 Litern. Darin eingeschlossen sind nicht nur das Trinkwasser und die tägliche Körperhygiene, sondern auch Wasser zum Waschen, Putzen, Kochen und die Toilettenspülung. Für Firmen gilt eine noch größere Einschränkung: Sie müssen ihren Verbrauch je nach Standort bis zu 60 % senken. Wegen der Gefahr des Ausbruchs von Krankheiten gelten die Regelungen nicht für die Townships. Bisher nicht!

Für viele Unternehmen bedeuten die Einschränkungen das drohende Ende. Vor allem solche, die auf Wasser angewiesen sind wie Gärtnereien, die Tourismusbranche, Autowaschanlagen und auch der Weinanbau sind unmittelbar betroffen. Der Wassermangel könnte neben der nicht mehr gesicherten Grundversorgung die Arbeitsplätze von 50.000 Menschen bedeuten.

Stauseen trocknen aus

Die Stadt sowie alle umliegenden Gebiete werden aus dem selben System gespeist. Ein Großteil (mehr als 60 %) werden von der der Stadt bezogen. Der Rest fliesst in die umliegenden Gemeinden und die Landwirtschaft. Bei der Bewässerung von Obst und Gemüse allerdings gehen rund 15 % bereits durch Verdunstung verloren und erreichen die Wurzeln der Pflanzen gar nicht erst. (Mit ähnlichen Problemen kämpft auch die Landwirtschaft in Spanien.)

Sollten die Massnahmen fruchtlos bleiben und die Wassermenge der Stauseen um Kapstadt unter 13 % sinken, wird der Stadtverwaltung spätestens Ende April; möglicherweise auch früher; die Aufgabe bevorstehen, das Wasser endgültig abzustellen. Allein der Theewaterskloof, einer der grössten Wasserreservoirs der Stadt, ist in der Lage 480 Millionen Kubikmeter Wasser zu speichern. Auch sein Wasserstand aber sinkt täglich in beängstigender Geschwindigkeit. Für die Bürgerinnen und Bürger Kapstadt würde der ausgerufenen Notstand bedeuten, sich an eigens dazu eingerichteten Versorgungsstellen ihre Ration von 25 Litern (das laut Weltgesundheitsorganisation WHO lebensnotwendige Minimum) abzuholen. Die Verteilung des kostbaren Wassers wird dann unter der Aufsicht von Militär und Polizei erfolgen müssen, da bereits jetzt Menschenschlangen an den Verteilern stehen und sich Wasser abzapfen.

Meerwasserentsalzung, Grundwasser, Wiederaufbereitung von Gebrauchtwasser

Meerwasserentsalzungsanlagen und die Wiederaufbereitung von Gebrauchtwasser sieht die Stadt als Möglichkeit der drohenden aktuellen Katastrophe und zukünftig dauerhaft entgegenzuwirken. Auch die Entnahme des Grundwassers gilt als Option. Hierbei steht allerdings zu befürchten, dass zu schnell abgepumpte Grundwasserreservoirs sich durch eine Sogbildung mit Meerwasser füllen können. Schon jetzt wird den Reserven mehr Wasser entnommen als auf natürlichem Wege nachfliessen kann. Schneller Handlungsbedarf aber ist dringend geboten und schnelle Lösungen sind es, die die Stadt jetzt braucht. Deutsche Forscher raten dazu, neue Wasservorkommen in tieferen Gesteinsschichten zu erschliessen, so wie dies bereits in Angola und Namibia der Fall ist. In südlichen Regionen der Erde, die von Trockenheit viel heftiger betroffen sind und die Neubildung von Wasser sehr viel länger dauert, könnten die unterirdischen Reservoirs eine Ausweichmöglichkeit in Zeiten von Dürren bedeuten. Diese Vorkommen gibt es auch im Süden des Kontinents. Sie zu erschliessen aber erfordert Zeit. Zudem kommt es dann darauf an, sie umsichtig zu nutzen und nicht vorschnell auszubeuten.

Wasser wird immer kostbarer

In ländlichen Gebieten Afrikas ist die Verteilung des Wassers per Hand nichts Ungewöhnliches. Selbst im Norden des Kontinents kommt es vor allem während der Sommermonate immer wieder zu Engpässen. Während Eigentümern von Zisternen und Brunnen zumindest noch das Wasser zum Duschen und Putzen bleibt, müssen andere selbst für das Händewaschen auf das teure Trinkwasser aus dem Supermarkt zurückgreifen. Für viele ist dies auf Dauer unerschwinglich. Ihnen bleibt kaum etwas anderes als bei Nachbarn um etwas Wasser zu betteln.

Kommt das Wasser dann nach Tagen (oft nur für kurze Zeit) zurück, rinnt aus den noch dazu häufig maroden Leitungen eine abgestandene, braune, stinkende Brühe, die nicht trinkbar ist und auch sonst kaum verwendet werden kann. Mitte bis Ende April schon könnte auch in der Millionenstadt Kapstadt dieses Szenario Realität werden.

Hier geht’s zu Teil 1: wenn uns das Wasser ausgeht

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