Seegras eine einzigartige CO2-Senke
Donnerstag, 7. Februar 2019

Seegras als CO2-Senke

Seegras als riesige CO2-Senke - jede Chance nutzen CO2 einzufangen und CO2 zu binden. Eine Seegraswiese von der Grösse eines Hektars ist in der Lage die selbe Menge an Kohlendioxid zu speichern wie ein ca. 10 Hektar grosses Waldgebiet.

 

Aufgrund ihrer geographischen Lage ist die Effektivität von Seegraswiesen als Kohlenstoffspeicher unterschiedlich. Es gilt daher herauszufinden, welche Voraussetzungen erfüllt werden müssen, um den größten Nutzen zu bieten. Das Forscher–Team um Holmer fand heraus, dass in der Bucht der Insel Thurø vor Dänemark pro Quadratmeter etwa 27 Kilogramm Kohlenstoff im Meeresboden gespeichert sind. Damit schafft die Bucht rund zehnmal soviel wie andere Seegraswiesen in der Ostsee.

 

“Wir müssen jede Chance nutzen um CO2 einzufangen,“

Marianne Holmer.

 

Weltweit speichern Seegraswiesen von Australien über das Mittelmeer bis nach Nordamerika bis zu zwanzig Milliarden Tonnen des Klimagases. Damit das so gut funktioniert und auch so bleibt, müssen aber intakte Meeresböden vorhanden sein. Auf natürliche Weise verdicken sich die Böden mit der Menge der Ablagerungen. Von der massiven Umweltzerstörung sind aber auch die Meeresböden nicht verschont. Sind diese nicht in der Lage totes Seegras einzulagern, sondern verkehrt sich der nützliche Effekt der Pflanzen in das Gegenteil.

Seegrasplantagen aus Menschenhand

Die guten Forschungsergebnisse legen nahe, Seegraswiesen gezielt anzupflanzen und zu kultivieren. Bereits jetzt wird auf der ganzen Welt versucht, solche Unterwasser-Plantagen anzulegen. Bisher allerdings mit mässigem Erfolg. Ebenso wie ein Acker auf Land muss auch der Meeresboden zunächst optimiert werden. Die Schösslinge müssen danach per Hand von Tauchern eingepflanzt werden. Das Gedeihen der Pflanzen ist witterungsabhängig und immer wieder werden sie auch von Pilzen befallen. Ihre Samen zu gewinnen ist schwierig. Diese Form der Unterwasserwirtschaft steckt noch in den Kinderschuhen, könnte sich aber in naher Zukunft verbessern. Vorab ist es wichtig, den Seegraswiesen vor allem dort wieder Lebensraum zu schaffen, wo es sie einmal gegeben hat.

So wie auch auf der Landfläche Urwälder immer weiter schrumpfen, sind auch die Grünflächen unter dem Meeresspiegel von einem massiven Rückgang bedroht. Grund ist die Verschmutzung des Meerwassers durch Phosphate und Dünger aus der Landwirtschaft, die nach wie vor in grossen Mengen in das Meer eingeleitet werden. Aber auch das Ausschwemmen von Mutterböden aus Wäldern und Feldern setzt dem Seegras zu, weil sich dadurch die Meerwasserqualität enorm verschlechtert. Momentan verringern sich die weltweiten Seegrasflächen um etwa 1,5 % jährlich. Durch ihr Absterben werden ca. 22 Millionen Tonnen (oder mehr!) Kohlenstoff in die Atmosphäre abgegeben. Durch den Verlust der Meeresböden könnten es in naher Zukunft sogar bis zu 300 Millionen Tonnen werden!

Besonders betroffen vom Seegras-Sterben sind die warmen Gewässer des Mittelmeeres. Wissenschaftler des spanischen Forschungsinstituts Imedea schätzen, dass es bis zur Mitte des Jahrhunderts im Mittelmeer überhaupt kein Seegras mehr geben wird. Schon jetzt hat die hier beheimatete, grossblättrige Form des Neptungrases ihre Funktion als Lebensraum und Futterpflanze für zahlreiche Meerestiere wie Schildkröten, Fische und Krebse nahezu völlig verloren. Dabei wäre gerade diese langlebige Art besonders gut als CO2-Speicher geeignet. Bis zu fünfzig Jahre alt wird die Pflanze. Allerdings wächst sie extrem langsam (bis zu einem Zentimeter pro Jahr) und ist durch ihre große Störungsempfindlichkeit an neue Umweltbedingungen schlecht anpassungsfähig.

Verantwortungsvolle Umweltpolitik zum Schutz des Klimas

Die Kultur von Seegraswiesen wird sicher den Klimawandel nicht aufhalten. Es ist aber eine weitere wirksame Waffe im Kampf gegen die fortschreitende Erderwärmung. In den Küstengewässern vor Dänemark befinden sich momentan etwa 2000 Quadratkilometer, die von der Wasserpflanzen bewachsen sind. Was sie in der Lage sind zu speichern entspricht der Emission der Heizungen von etwa zweieinhalb Millionen Haushalten.

Wissenschaftliche Untersuchungen an der deutschen Ostseeküste haben gezeigt, dass eine verantwortungsvolle Umweltpolitik, die Phosphate und Überdüngung nicht mehr zulässt, sehr zeitnah zu positiven Ergebnissen geführt hat. In den Gewässern vor Schleswig Holstein ist nach einem konsequenten Schutz des Wattenmeeres das Seegras ohne weiteres menschliches Tun zurückgekommen. Es wäre wünschenswert, wenn Politiker weltweit diesem Beispiel folgen würden.

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