Seegras gegen den Klimawandel
Donnerstag, 7. Februar 2019

Seegras gegen den Klimawandel – die Wunderwaffe aus dem Meer?

Seegras: Ärgernis oder Wunderwaffe aus dem Meer gegen den Klimawandel? CO2-Senke Seegras

Die Suche nach Massnahmen um dem Klimawandel entgegenzuwirken, beschäftigt Wissenschaftler, Techniker und Biologen gleichermassen. Neben der Reduzierung klimaschädigender Abgase und Abfällen, der Energiewende, der Ausweisung von Schutzzonen für bedrohte Tier und Pflanzenarten tüfteln Biologen an Methoden, die auf natürliche Weise zum Erhalt des biologischen Gleichgewichts beitragen sollen. So werden beispielsweise Bakterien eingesetzt, um nach Tanker-Havarien zusätzlich zu mechanischen und manuellen Reinigungsmaßnahmen, Ölteppiche auf der Meeresoberfläche zu zersetzen. Nun hat eine Biologin aus Dänemark herausgefunden, wie Seegraswiesen die Klimaerwärmung verlangsamen können.

Seegras - vom Ärgernis zum Klimaretter

Die länglichen Blätter, die braun und vermodernd ans Ufer gespült zum Ärgernis an so manchem Badestrand sind, kennt jeder, der einmal am Meer Urlaub gemacht hat. Dass die Pflanze aus dem Ozeans aber sowohl für die Meeresbewohner als auch für das Meeresklima unersetzliche Vorteile bietet, ist dagegen wenig bekannt. Sie dienen Fischen und Krebstieren als Lebensraum. Sie bieten Nahrung für Schildkröten und andere Pflanzenfresser. Sie reinigen das Wasser und versorgen es mit Sauerstoff. Ähnlich wie die Wälder auf dem Festland geben Seegraswiesen dem Untergrund Halt und Schutz vor Erosion. Die vielseitige Pflanze wird von vielen Küstenvölkern traditionell für verschiedene Zwecke eingesetzt: getrocknet dienen die Pflanzenteile als Füllmaterial für Betten und Dächer werden damit abgedichtet. Sie dient als Tierfutter und Dünger ebenso wie als natürliche Medizin. Bis auf die Gebiete rund um die Antarktis sind Seegraswiesen in sämtlichen Küstengebieten der Welt zu finden.

Ebenso wie Bäume ist die Pflanze zudem in der Lage grosse Mengen von Kohlendioxid zu speichern. Dabei ist die Aufnahmekapazität der Wasserpflanze allerdings um ein Vielfaches grösser als das der gleichen Menge an Bäumen. Die dänische Biologin Marianne Holmer hat mit ihrem Team von Wissenschaftlern herausgefunden, dass eine Seegraswiese von der Grösse eines Hektars in der Lage ist die selbe Menge an Kohlendioxyd zu speichern wie ein ca.10 Hektar grosses Waldgebiet.

Pflanzlicher CO2-Speicher mit enormer Kapazität

 Alle Lebensformen dieses Planeten betreiben Stoffwechsel. Beim Wachsen nehmen sie Kohlendioxid auf. Solange sie leben, speichern sie den schädlichen Stoff. Allein die weltweiten Seegraswiesen beteiligen sich auf diese Weise mit einer Speicherung von etwa 27 Millionen Tonnen. Bis zu 15 % des vom Ozean aufgenommenen CO2 wird durch Seegras gebunden. Damit übersteigt ihre Kapazität die aller Mangrovenwälder der Erde.

Sobald Lebewesen aber absterben und der durch Mikroorganismen ausgelöste Zersetzungsvorgang beginnt, wird das gespeicherte Kohlendioxid wieder freigesetzt. Dazu benötigen Bakterien ihrerseits Sauerstoff. Wie schnell die Zersetzung und damit die Freisetzung von CO2 vonstatten geht, hängt also einerseits von der Lebenserwartung eines Individuums ab und andererseits davon wie viel Sauerstoff den an der Zersetzung beteiligten Mikroorganismen zur Verfügung steht. Viele Pflanzen leben im Verhältnis zu Menschen und Tieren extrem lange und sind schon aus diesem Grunde um ein Vielfaches besser geeignet CO2 einzulagern.

Zwar gehört das Seegras nicht zu den langlebigsten Gewächsen auf der Erde, aber es besticht mit anderen Vorteilen. Es wächst zwar in Küstennähe, aber auch in Tiefen bis zu fast 100 Metern unter dem Meeresspiegel. Sie fungieren dort als CO2-Speicher. Sterben sie ab, so geben auch sie natürlich ihre Funktion als Speicher wieder auf. Im Gegensatz zu Pflanzen auf dem Land allerdings werden beim Seegras abgestorbene Teile in der Regel von der Strömung des Wassers fortgetrieben und versinken tief im Sediment des Meeresbodens. Dort gibt es kaum Sauerstoff, die Bakterien können also so gut wie gar nicht aktiv werden. Der im Seegras gespeicherte Kohlenstoff kann so über viele hundert Jahre sicher auf dem Meeresgrund verwahrt werden. Zudem verfangen sich im Seegras auch andere abgestorbene Meerestiere und Pflanzen, die durch die dichten Halme daran gehindert werden an den Strand gespült zu werden. Auch sie werden vom Wasser ins Sediment gespült, wie die Biologin Marianne Holmer bei Forschungen vor der dänischen Ostseeküste herausgefunden hat.

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