Freitag, 4. Mai 2018

woher stammt das Tierfutter (Teil 2)

Woher aber stammt dieses Tierfutter eigentlich und wie belastet ist es? Unter welchen Bedingungen wird es angebaut? Schaden uns Zusatzstoffe, Medikamente und Chemikalien im Futter am Ende selbst?

Verbraucher werden hinters Licht geführt – Lieferketten sind nicht transparent

Die Nutzung als Wirtschaftsflächen bedroht die letzten südamerikanischen Urwälder. Nach wie vor werden täglich weite Flächen gerodet und damit Lebensraum für Pflanzen, Tiere und indigene Völker unwiederbringlich zerstört. Die Gründe sind vielfältig. Einer davon ist der Anbau von Sojabohnen für Tierfutter. Einer der weltweit größten Importeure dieses Rohstoffes ist Deutschland. Billig produziertes Fleisch, so wie es in deutschen Supermärkten verkauft wird, stammt fast immer von Tieren, die mit Viehfutter auf Sojabasis aufgezogen wurden.

Fast 4 Millionen Tonnen Sojabohnen und 3 Millionen Tonnen Sojaschrot werden alljährlich in die Bundesrepublik Deutschland eingeführt. Der größte Teil davon stammt aus Südamerika. Die Urwälder Brasiliens und der Grand Chaco in Argentinien und Paraguay fallen den wachsenden Anbauflächen zum Opfer, obwohl bereits jetzt genügend Plantagen zur Verfügung stehen.

Die Sojabohnen hinterlassen katastrophale Auswirkungen auf Flora und Fauna und die Menschen, die mit ihrem Anbau zu tun haben. Das Klima in dem die Bohnen angebaut werden, ist wenig geeignet für die üblichen Monokulturen. Die Sojabohne ist aber durch genetische Manipulation an die rauen Bedingungen angepasst. Um schnelle Erfolge ohne Ernteausfälle garantieren zu können, werden zudem große Mengen an Herbiziden wie zum Beispiel Glyphosat eingesetzt. Diese extremen Umweltgifte vergiften Wasserreservoirs, Seen, Flüsse und gelangen auch in das Grundwasser. Das verseuchte Wasser wird von Tieren, Pflanzen und auch von Menschen aufgenommen und führt zu schweren Erkrankungen wie Krebs, prenatalen Missbildungen und Atembeschwerden. Wo Siedlungen indigener Völker den neuen Plantagen im Wege sind, werden sie rücksichtslos vertrieben – nicht selten mit Gewalt. Mit dem Fleisch der Tiere gelangen die Gifte auch in den menschlichen Nahrungskreislauf.

Die in aller Welt verteilten Konzerne, die dieses Soja beziehen, haben in der Regel keine eigenen Mitarbeiter vor Ort in Südamerika. Sowohl die Besitzverhältnisse und Lagerstätten als auch die Lieferketten sind unklar und daher kaum nachvollziehbar. Man kann davon ausgehen, dass diese Intransparenz Methode hat. Wer sich auf die Suche begibt und recherchieren möchte, der findet selten kooperative Gesprächspartner und für die Käufer selbst ist es viel bequemer, nicht zu wissen, woher ihre Ware eigentlich stammt. Da machen auch die westeuropäischen Abnehmer keine Ausnahme.

Neben Soja sorgt auch Kakao, Getreide und Palmöl für Negativschlagzeilen. Der Grossteil des weltweiten Agrarhandels wird hauptsächlich von fünf Großunternehmen gemanaged. Sie nehmen den Herstellern nicht nur die Erzeugnisse ab, sie sind es auch, die die Betreiber der Plantagen bezahlen und mit Agrar-Chemikalien versorgen. Die Plantagen selbst befinden sich oft in der Hand ausländischer Firmen. Einige haben ihren Sitz in Buenos Aires.

Akuter Handlungsbedarf

Dass die letzten Regenwälder akut bedroht sind und ein dringender Handlungsbedarf besteht, ist seit langem bekannt. Wer aber kann verantwortlich gemacht werden, wenn es offiziell gar keine Verantwortlichen gibt? Gerade die Undurchsichtigkeit der Lieferketten ermöglicht es den Profiteuren, nahezu unentdeckt weiterzumachen wie bisher. So werden immer neue Gebiete abgeholzt für weitere Plantagen. Und das, obwohl es längst ausreichende Anbauflächen gibt.

Ohne die Möglichkeit, die Plantagenbesitzer direkt belangen zu können, bleibt deutschen Unternehmen jedoch der indirekte Weg auf dieses Gebaren zu reagieren. Sie haben es in der Hand, Rohstoffe, die aus solcher Herstellung stammen, nicht mehr abzunehmen. Zusammen mit den Tierfutterherstellern könnte es den Grossunternehmen des deutschen Lebensmitteleinzelhandels durch einen solchen Boykott gelingen, auf die Sojaindustrie einen gewissen Druck auszuüben. Sie hätten damit durchaus eine Machtposition inne, mit derer man zu einer späten Rettung der Naturschutzgebiete beitragen könnte. In Brasilien zeigt ein von der Bundesregierung und dem Deutschen Bauernverband verfasstes Positionspapier bereits erste Wirkung. So wollen deutsche Mastbetriebe und Futterproduzenten künftig nur noch auf umweltschonend angebautes Soja zurückgreifen.

Was jedoch hierzulande immer noch fehlt ist aber ein einheitlicher Standard, auf den die Abnehmer sich erst noch einigen müssten. Zudem muss ein Weg gefunden werden, die lange Kette vom Anbau auf der Plantage bis hin zur Einfuhr endlich lückenlos nachvollziehen zu können. Eine Möglichkeit könnte eine Kontrolle der Waldflächen sein, so wie sie heute im Amazonasgebiet in Brasilien bereits praktiziert wird. Die Kosten wären überschaubar: Laut Bericht der Umweltschutzorganisation Mighty Earth würde eine solche Waldüberwachung in allen Gebieten Lateinamerikas, die Soja produzieren, nicht einmal USD 1 Millionen kosten.

Für die verantwortlichen Unternehmen wäre dies sicher eine kleine Investition – aber eine grosse für unsere Erde!

Hier geht's zum ersten Teil


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