Dienstag, 27. Februar 2018

Bewusster Konsum von Waren und Ressourcen (Teil 2: 2000 Watt-Gesellschaft)

Bewusster Konsum von Waren und Ressourcen

Egal was im täglichen Leben benötigt wird - jedes Lebensmittel, jeder Gebrauchsgegenstand, jedes Möbel, jedes Kleidungsstück und der Betrieb der Wohnstätte durch Heizung, Beleuchtung etc. verursacht Emissionen. Die Stadt hält ein wachsendes Angebot an Recycling-Systemen bereit und berät über nachhaltigen Konsum. Es wird besonderer Wert auf ökologisch und biologisch produzierte Lebensmittel gelegt und über die gesundheitlichen Vorzüge einer vegetarischen Ernährung aufgeklärt.

Um selbst mit gutem Beispiel voran zu gehen bietet die Stadtverwaltung in verschiedenen Restaurants das sogenannte “Menu Plus“ an. Hierbei handelt es sich um ein Gericht aus regionalen Zutaten, dessen CO2-Fußabdruck um bis zu 60% niedriger liegt als bei konventionell hergestellten. Fleischprodukte kommen nur reduziert zum Einsatz. Die Möglichkeit die durch Lebensmittel verursachen Emissionen um bis zu 50% allein durch eine bewusste Ernährung zu verringern, ist beachtlich und sollte bei jeder Gelegenheit kommuniziert werden. Gesamt gesehen verursacht die Schweiz durch Lebensmittel etwa ein Fünftel ihres gesamten CO2-Ausstosses. Das macht ein Drittel der Klimabelastung des Landes aus. Die Stadt hat ausgerechnet, dass bei etwa 600 ausgegebenen Menüs dieser Art mehr als 530 kg CO2 eingespart werden können.

Bei Gebrauchsgütern gilt es zunächst einmal abzuklären, ob eine Neuanschaffung wirklich notwendig ist oder ob Vorhandenes nicht noch kostengünstig und klimaschonend repariert werden kann. Bevor ein Teil tatsächlich in den Müll wandert, sollte es falls möglich in seine Bestandteile zerlegt und einer Wiederverwertung zugeführt werden. Zudem gilt es neue Methoden des Konsums und der Herstellung zu entwickeln und zu bezuschussen.

Ein ganz besonders lobenswertes Projekt zum Thema verantwortungsvoller, nachhaltiger Konsum hat das Gemeinschaftszentrum Wipkingen im Jahr 2007 ins Leben gerufen. Ihr Verein “Tauschen am Fluss“ beruft sich auf eine auf den ersten Blick archaisch anmutende Form des Tauschhandels. Die Idee war, den Wert einer Sache oder Dienstleistung an seiner benötigten Zeit zu messen. Die Zeit wird hier zur Währung. Auf einer eigens eingerichteten Internetplattform kann so das selbstgebackene Brot gegen eine andere benötigte Dienstleistung oder Hilfeleistung getauscht werden. Dabei muss der Handel aber nicht ausschliesslich zwischen zwei Personen stattfinden. Jede erbrachte Leistung wird auf einem Konto gutgeschrieben und kann auch später eingelöst werden. So wird auf den zweiten Blick klar, dass diese Form des Tauschhandels bewirkt, bewusst zu konsumieren, klimaschonend zu recyceln und dabei zusätzlich zwischenmenschlicher Kontakt gepflegt wird. Gerade Menschen mit geringem Einkommen bietet “Tauschen am Fluss“ eine geldlose Form zur Bezahlung an. Finanziert wird der Verein über Mitgliederbeiträge und einen Vertrag mit der Stadt Zürich.

Seit 2003 gibt es in Zürich eine Kooperation der Entsorgungs- und Recyclinghöfe mit den Verkehrsbetrieben. Einmal monatlich besteht für Verbraucher die Möglichkeit Sperrgut, Schutt und Altmetall kostenlos zu entsorgen. Einzige Auflage: das Sperrgut darf nicht mit dem Privatauto, sondern muss zu Fuss, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu den Sammelstellen gebracht werden. Alle Sammelstellen sind bequem und ohne lange Wege zu erreichen. Ansässige Betriebe recyceln die Wertstoffe im Anschluss. Was nicht wiederverwendet werden kann aber brennbar ist, wird thermisch verwertet. Die Wärme die beim Verbrennen des Sperrguts entsteht, wird wiederum zum Heizen genutzt. 65 t Wertstoffe konnten allein 2015 auf diese Weise zusammengetragen werden. Was nicht recycelt werden konnte, wurde durch Verbrennung dem Wärmeversorgungsnetz wieder zugeführt.

Leben und arbeiten im Quartier

Das Leben im freistehenden Eigenheim mit Garten ist für viele nach wie vor das non plus ultra der Wohnqualität. Es wird mit finanzieller Unabhängigkeit und persönlicher Freiheit assoziiert. Allein der Begriff „Ballungszentrum“ ist negativ behaftet. Abgesehen davon, dass immer weniger Menschen sich diesen Luxus leisten können, geht sowohl sozial- als auch umweltpolitisch eine gewisse Dekadenz mit dieser Denkweise einher, die sich unsere Erde kaum noch leisten kann. Das Zusammenrücken hat beträchtliche Vorteile. Es ist nicht nur für den Einzelnen wesentlich preisgünstiger auf engerem Raum zu wohnen, auch die Umwelt profitiert. Die Gründe liegen auf der Hand: für Mehrfamilienhäuser wird weniger Grundfläche benötigt, Heizung und Betrieb ist effizienter, nicht zuletzt verkürzen sich auch Wege zum Arbeitsplatz, zum Einkauf und zu Freizeitmöglichkeiten. In der Regel sind auch öffentliche Verkehrsmittel ausbaufähiger, da sie in Ballungszentren verstärkter genutzt werden.

Das Beispiel der Baugenossenschaft “Mehr als Wohnen“ im Hunziker Areal zeigt die Vorzüge des verdichteten Wohnens eindrucksvoll. Auf dem Rund 40.000 m² großen Gelände der ehemaligen Betonfabrik Hunziker, welches die Stadt Zürich der Genossenschaft übergab, entstand ein Quartier mit Vorzeigecharakter und hoher Lebensqualität für seine Bewohner. Die im Jahr 2007 gegründete Wohnungsbaugenossenschaft soll in diesem Jahr das 2000-Watt-Zertifikat erhalten.

In Gemeinschaftsgärten wird Obst und Gemüse gezogen. Von Blumenrabatten und bepflanzten Kübeln profitiert nicht nur das Auge, sondern auch zahlreiche Insektenarten. Selbst Grossstadtkindern kann auf diese Weise Natur nahegebracht werden. Die eigene Produktion und der eigene Anbau von Lebensmitteln fördert das Bewusstsein und verhindert zugleich eine Überproduktion mit damit verbundener Vernichtung von Lebensmitteln.

Die Wohnblocks bieten mit 370 Wohnungen verschiedener Grössenordnungen Platz für etwa 1200 Menschen. Hier ist Raum für Singles, Familien mit Kindern und Wohngemeinschaften. Ebenso finden sich altengerecht und behindertengerecht ausgebaute Wohnungen. Ein Gästehaus, Werkräume und Gemeinschaftsräume fördern das Zusammengehörigkeitsgefühl der Bewohner. Die Anlage schafft zudem 150 Arbeitsplätze.

Die verdichtete Bauweise garantiert einen geringen Energieverbrauch. Die auf den Dächern befindlichen Fotovoltaikanlagen decken allein bereits etwa 40 % des Energiebedarfs der Anlage.

In den Erdgeschossen der insgesamt 13 Wohnblocks sind zahlreiche Ladenlokale und Cafés entstanden. Dass auch Car-Sharing angeboten wird, ist da schon beinahe eine Selbstverständlichkeit. Der Privatbesitz eines Autos ist in diesem Quartier ein Ausnahmefall und wird nur in Sonderfällen (wie körperlichen Beeinträchtigungen des Eigentümers) geduldet. Etwa die Hälfte der vorhandenen rund 100 Parkplätze steht Gewerbetreibenden und Besuchern zur Verfügung. Zudem gibt es Stellplätze für weit über 1000 Fahrräder. Es ist im Hunziker Areal nicht einmal nötig sich ein eigenes Fahrrad anzuschaffen. Wer mag, kann sich ein Fahrrad leihen. Es stehen auch E-Bikes mit Anhänger zur Verfügung.

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