Freitag, 9. Februar 2018

Wenn uns das Wasser ausgeht... (Teil 1)

“Ich habe einen ganz einfachen Geschmack – immer nur das Beste!“ Diesen Spruch soll Oscar Wilde seinerzeit gesagt haben. Er sagt aus, dass eine Person, die auf sich hält, sich leisten kann anspruchsvoll zu sein. Kein wirkliches Kunststück für jemanden, der das Glück hatte im westlichen Teil der westlichen Welt geboren zu sein. Im Speckgürtel Europas und Nordamerikas geht es selbst der ärmeren Bevölkerungsschicht vergleichsweise gut. Grund dafür sind nicht zuletzt die günstigen klimatischen Bedingungen unserer Breitengrade.

“Immer nur das Beste“ bezieht sich auf weit mehr als die elementaren Bedürfnisse nach Luft, Grundnahrungsmitteln und Wasser. “Immer nur das Beste“ nutzt auch ein Wasserhersteller als Slogan. Aber kann man Wasser überhaupt herstellen, geschweige denn besitzen? Wie perfide ist es eigentlich, ein solches elementar wichtiges Lebensmittel zu privatisieren und es damit zahllosen Menschen vorzuenthalten, die dafür gar nicht zahlen können? In Afrika bedroht die Wasserknappheit Millionen Menschen. Ein Grund dafür sind anhaltende Trockenzeiten.

Dass der Kontinent seit jeher unter Wasserknappheit und Dürren zu leiden hatte, ist uns bekannt. Die Bilder unterernährter Menschen mit aufgeblähten Hungerbäuchen sind Teil unserer Kindheitserinnerungen, ebenso wie die fast obligatorische Mahnung, wenn wir mal nicht aufessen wollten: anderswo verhungern und verdursten Kinder, weil sie nichts bekommen! Wohl niemand kann sich daran erinnern, wann dieser Spruch nach dem allerersten ungläubigen Entsetzen seine Wirkung verloren hat. Unser Mitleid hielt sich in Grenzen - in den Grenzen einer Welt, die Lebensmittel und Wasser stets im Überfluss hatte und noch immer hat. Spätestens als junge Erwachsene begannen die meisten von uns, die wenigen Idealisten mit ihren verschrobenen Weltrettungsphantasien zu belächeln und sich der eigenen Karriere zu widmen. Afrika war weit weg...

Wetterextreme häufen sich

Afrika ist noch immer weit weg. Aber die Katastrophen, die den Kontinent heute schlimmer denn je bedrohen, rücken näher. Längst sind nicht mehr nur die Ärmsten der Armen in ländlichen Gebieten betroffen, sondern mittlerweile auch Grossstädte. In Kapstadt ist der Wassermangel zu einem so eklatanten Problem geworden, dass bereits im April der Notstand ausgerufen werden könnte. Ging man bis vor wenigen Wochen noch davon aus, dass dies gegen Ende April so weit sein würde, so gibt der unaufhörlich sinkende Wasserstand bereits Anlass zu der Vermutung, dass dies auch früher eintreten kann.

Inselstaaten droht die Überflutung, anderen dagegen die Trockenheit. Laut des Jahresberichts der US-Klimabehörde kam es 2016 verstärkt zu Dürren. 12 % der Landfläche waren von extremem Wassermangel bedroht. Betroffen waren Teile im Nordosten Brasiliens, Peru und Westkanada. Im Jahr darauf litt Ostafrika unter der Wasserknappheit, in Kalifornien endete gerade eine fünfjährige Trockenzeit. Es sind nicht mehr ausschliesslich Entwicklungs- oder Schwellenländer betroffen, auch der industrialisierten Welt kommen die Klimaveränderungen langsam näher.

Teil 2: Kapstadt geht das Wasser aus


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