Montag, 22. Januar 2018

Die Recycling-Lüge

In der westlichen Welt sorgt der Importstopp der Volksrepublik währenddessen für reichlich Zündstoff. Vor die Frage gestellt wohin mit dem Plastikmüll hat auch die Schweiz wenig Lösungen parat. Im Gegensatz zum Nachbarn Deutschland ist die Recycling-Industrie hier gerade erst im Aufbau. Nur etwa 12 % des recyclefähigen Mülls wird hier derzeit tatsächlich wiederverwertet. Zudem sind Versuche umweltbewusster privater Entsorger den Müll eigeninitiativ zu trennen, in Teilen der Schweiz verboten. Grund dafür ist hier wie andernorts das mit hohen Kosten verbundene Verfahren der Mülltrennung. Die Verschiffung des Mülls nach Fernost kam das Land wesentlich günstiger. Der ökologische Sinn, bzw. Unsinn der Aktion hatte da wenig bis keine Rolle gespielt.

Die rund 220 Kilo Verpackungsmüll, die jeder Deutsche pro Jahr produziert, bestehen zu gut einem Drittel aus Plastikverpackungen. Der sauber getrennte Anteil davon geht in die Wiederverwertung. Der vom Verbraucher kaum zu sortierende Abfall aber wie etwa Tetraverpackungen, bei denen Papier, Alufolie und Plastikfolien miteinander verschweisst sind, liess sich bisher gewinnbringend nach China verkaufen. Abgeholt wurde der Müll von den Chinesen selbst. Chinesische Containerschiffe, die Waren in den Westen importierten, nahmen auf dem Rückweg den Müll mit. Es klingt wie Ironie, dass Deutschland durch diese Art der Entsorgung die eigene Recyclingquote von derzeit 36 % erfüllt sieht! Bis 2023 will die Bundesrepublik bis zu 63 % des eigenen Abfalls recyceln. Da China nun aber nicht mehr zur Verfügung steht, wird sich das Land sputen müssen um seine Ambitionen tatsächlich umweltgerecht umzusetzen.

Wie bei allen Industrieländern ist auch in der Schweiz das Aufkommen des Pro-Kopf-Abfalls enorm. Im EU-Durchschnitt liegt das Land laut Angaben der BAFU sogar extrem hoch. Während europaweit etwa 480 Kilo Müll pro Einwohner anfallen, sind des in der Schweiz satte 730 Kilo!

Recycling-Ambitionen endlich umsetzen!

Der Importstopp der Volksrepublik stellt den Westen nun vor ganz neue Herausforderungen. Das plötzliche Überangebot von Altplastik sorgt für einen Preisverfall bei kunststoffrecycelnden Unternehmen, die mittlerweile sogar dafür draufzahlen. Das Recycling vor Ort muss lukrativer werden. Was zunächst für Rückstau und Kopfzerbrechen sorgt, sollte zukünftig Anreiz sein, ein Recycling des Mülls nun endlich flächendeckend zu realisieren. In der Pflicht stehen dabei an erster Stelle Industrie und Wirtschaft, aber auch jede einzelne Person sollte sich aufgerufen fühlen, Müll verantwortungsvoll zu trennen, damit er der Wiederverwertung zugeführt werden kann.

Evelyn Hagenah vom deutschen Umweltbundesamt sieht die Konkurrenzfähigkeit des Recyclings zudem auch in zunehmenden Kosten für die Müllverbrennung. Auch das könnte die Wiederverwertung hoffentlich interessanter machen. Bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen nicht andere Billiglohnländer Südostasiens oder in Afrika in Betracht ziehen um ihren Müll günstig ausser Landes zu bringen. Der Umwelt und den Menschen wäre es zu wünschen!

Hier geht's zum ersten Teil


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