Montag, 22. Januar 2018

Die Recycling-Lüge. Müll der westlichen Welt muss endlich wiederverwertet werden

Man stelle sich folgendes Szenario vor: Der reiche Nachbar mit der Luxusvilla am Ende der Strasse liesse seinen Hausmüll regelmässig von Ihnen abholen. Sie lagern ihn vor der eigenen Haustür. Während Sie unaufhörlich damit beschäftigt sind, den Unrat irgendwie zu entsorgen und darin nach Verwertbarem zu suchen, wächst Ihnen auch der eigene stinkende Müllberg über den Kopf. Ihr Lohn für die ekelige Mühe? Zunächst einmal zahlen Sie für die „wertvolle Ressource“! Schliesslich bleiben Ihnen ja die brauchbaren Bestandteile aus dem Wohlstandsmüll. Das sichert Ihnen mehr schlecht als recht das eigene Überleben, während der Umgang mit dem gesundheitsgefährdenden Unrat Sie und Ihre Kinder krank macht.

Das können Sie sich nicht vorstellen? Was schon im Kleinen eine Zumutung wäre, ist im Grossen eigentlich kaum noch zu fassen. Und dennoch werden jährlich nahezu acht Milliarden Tonnen Müll aus aller Welt (vor allem aus dem Westen) nach China verschifft um dort billig entsorgt zu werden. Billig für die Exporteure, nicht für China und erst recht nicht für die Umwelt.

Allein der Müll, den China selbst produziert, ist dem Land längst über den Kopf gewachsen. 

Dabei hat das 1,4 Milliarden Einwohner zählende Land mit dem eigenen Abfallproblem schon genug am Hals. Der Müllberg droht das Land buchstäblich zu ersticken. Etwa 200 Millionen Tonnen produziert das Land jährlich und kommt mit der Entsorgung kaum nach. Nun macht China zumindest mit den Abfällen aus dem Ausland Schluss. Schrott und Plastikmüll dürfen nicht länger ins Land gebracht werden. Ab März 2018 müssen viele Länder, die China bislang als bequeme Müllhalde nutzten, nach neuen Lösungen suchen.

Als Grund für die Entscheidung erklärte Peking, seinen Arbeitern künftig bessere Bedingungen schaffen zu wollen. Die Entsorgung, Sortierung und Ausschlachtung des zum Teil gesundheitlich bedenklichen Unrats hatte stets für grosse Probleme bei den Arbeitern gesorgt. Schuld daran war vor allem der unsortierte Müll. So waren Plastikabfälle zusammen mit Elektroschrott, Hausmüll und Altpapier auf den Deponien gelandet wo sie langsam verrotteten und die Umwelt vergifteten. Den Profit aus der Ausbeutung strichen chinesische Firmen ein.

Ein weiterer Grund dürfte Chinas eigenes Müllproblem sein. Abfall, Industrie und ein bislang sorgloser Umgang mit Emissionen haben China zu einem der dreckigsten Länder der Erde gemacht. Die Grossstädte im Norden leiden erheblich unter Smog, die Böden und Flüsse des Landes sind verseucht. Der Handlungsbedarf war längst überfällig. Was China allerdings umwelttechnisch eine Verbesserung bringt, sorgt nun andernorts für richtig dicke Luft.

Wohlstandsmüll aus dem Westen

Noch 2016 landete fast die Hälfte aller weltweit gehandelten Plastikabfälle in China. Allen voran der Müll aus den USA, Japan und Deutschland. Allein der Wert der Plastikmüll-Exporte aus der Bundesrepublik lag bei 249 Millionen Euro. 2015 hatte das Land 5,92 Millionen Tonnen Plastikmüll produziert und knapp 1,5 Millionen Tonnen davon exportiert. Auf ihren Müllbergen werden die Länder künftig sitzen bleiben. Sie stehen damit vor der Aufgabe schnellstmöglich lokale Lösungen zu entwickeln.

Für die weltweite Entsorgung des Abfalls werden verschiedene Wege genutzt. Nur ein Teil wird wirklich wiederverwertet. Ein grosser Teil wird verbrannt, wobei aus dieser äusserst umweltbelastenden Methode zumindest noch Energie gewonnen wird. Ein bedenklich grosser Teil landet in den Weltmeeren, wo er zu Kleinstpartikel zerrieben letztendlich in der Nahrungskette landet.

Für längst überfällig hält Greenpeace diesen Schritt der Volksrepublik. Was für zahlreiche Länder der westlichen Welt bequem war, ist für China zur Katastrophe geworden. Zwar hatten die Müllimporte in China auch für unzählige Arbeitsplätze in den Provinzen gesorgt - der Müll wurde getrennt und nach wiederverwertbaren Materialien durchsucht, mit dem grosse Firmen im Land Profite gemacht hatten - die Arbeitsbedingungen allerdings waren schlichtweg katastrophal. Die Situation stinkt den Chinesen zum Himmel.

Hier geht's zum 2. Teil des Artikels

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