Mittwoch, 11. Oktober 2017

Papierverbrauch = Waldverbrauch – ein vielseitiges Problem (Teil 2)

Erschreckend ist neben dem Verlust an wertvollen, natürlich gewachsenen Flächen auch der Umstand, dass auf Umweltschutzlabels (wie man sie im Kaufhaus auf den Verpackungen der Papierprodukte findet) wenig bis kein Verlass ist für einen verantwortungsvollen Abbau. Selbst Rohstoffe für Produkte, die für die nachhaltige Holzwirtschaft zertifiziert sind, stammen oft aus den letzten Naturwäldern Schwedens.

 

Umweltschutz-Organisationen kritisieren daher seit langem die rücksichtslose Zerstörung dieser Wälder und auch die schwedische Regierung selbst hat ihre Wälder als schutzbedürftige Zonen ausgewiesen. Unter gesetzlichem Schutz aber stehen sie nicht. Weite Flächen dieser Wälder sind im Firmenbesitz von Zellstofflieferanten, denen diese Kritik wenig nahe geht. Als Ausgleich schone man andere Waldflächen, lautet die Rechtfertigung. Solange diese Wälder nicht unter gesetzlichem Schutz stünden, sei eine Nutzung ausdrücklich erlaubt – so der Tenor der Produzenten. Verantwortungsvolle Waldwirtschaft sieht anders aus. So stehen auch hier (ebenso wie bei den Regenwäldern) die wirtschaftlichen Interessen weit über denen von Natur und Umwelt. Ein rasches Handeln tut Not. Greift die schwedische Regierung nicht bald an ein und erklärt die Wälder zu Schutzzonen, so wird bald nichts mehr übrig bleiben was noch schützenswert wäre.

 

Verantwortungsvoller Umgang mit Papier

Das Problem zumindest einzudämmen wäre theoretisch nicht wirklich schwer. Der Ruf nach der Politik allein wird wenig bringen. Zumindest nicht so lange immer wieder Spitzenpolitiker in Spitzenpositionen der Industrie zu finden sind. Geht es um den verantwortungsvollen Verbrauch von Ressourcen ist auch der Endverbraucher selbst gefragt. Jahrzehntelang hat die Wirtschaft uns mit wirkungsvoller Werbung davon “überzeugt“, das eine gesunde Körperpflege und Hygiene in Bad und Haushalt ohne Hilfsmittel aus Zellstoff nicht auskommt.

Diese Überzeugung zu hinterfragen und gar zu durchbrechen scheint schwer. Werfen wir aber einen Blick über den europäischen (Toiletten)Tellerrand, können wir wiederentdecken, das WC-Hygiene mithilfe von Wasser (aus Giesskanne oder Brauseschlauch) effektiver, schneller, hygienischer und vor allem umweltschonender funktioniert. Auch das gute alte waschbare Stoff-Taschentuch verdient längst eine Renaissance. Ebenso verhält es sich in Küche und Haushalt: das Einweg- Küchenpapier kann nichts, was der Wischlappen und der Aufnehmer nicht ebenso gut könnten.

In Zeiten digitaler Speichermöglichkeiten sollte auch der Ausdruck auf Papier gedrosselt werden. Gerade Druckerpapier besteht selten aus recyceltem Altpapier. Für alle anderen Papierprodukte gilt: Wer sich bereits beim Einkauf Gedanken macht und wo immer es möglich ist auf Zellstoffprodukte verzichtet oder auf Produkte aus Altpapier zurückgreift, der handelt im Sinne der Umwelt und nicht zuletzt im Sinne einer zukunftsfähigen Welt für uns Menschen selbst.

Quellen: Wikipedia, Kassensturz SRF

Teil 1 schon gelesen?

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