Freitag, 19. Oktober 2018

Klimawandel - Stürmische Zeiten und Kostenlawine

Klimawandel, Erderwärmung, CO2-Fussabdruck, Emissionen – dies sind die Schlagworte, die uns in den vergangenen Jahren öfter begegnet sind als Krieg, Hunger und Armut. Es liegt in der menschlichen Natur, sich allzu schnell an negative Nachrichten zu gewöhnen und zum Tagesgeschäft überzugehen. Besonders dann, wenn die Katastrophen weit weg sind und die Nachrichten uns nicht persönlich betreffen. Gerade aber weil unser Tagesgeschäft, unser Alltag, unsere Zukunft vom Klimawandel betroffen sind, hören wir mittlerweile doch hin, wenn die Medien über die Auswirkungen der menschenverursachten Erderhitzung berichten. Die Folgen für Umwelt und Menschheit sind schon vor der eigenen Haustür spürbar für die Wirtschaft, die Politik und jeden einzelnen Bürger. Der Super-Sommer 2018 hat es auch den Bewohnern der gemässigten Zonen in Westeuropa deutlich gezeigt: Der Klimawandel rückt näher. Die in den Klimakonferenzen festgelegten Ziele müssen endlich umgesetzt werden.

Dürren, Orkane, Sturmfluten

Die Umsetzung der Klimaschutzziele ist teilweise mit Einbussen verbunden. Nicht nur, weil die Investitionen in neue, umweltschonendere Technologien teuer sind, sondern auch weil jeder Einzelne zur Umsetzung eines ressourcenschonenden Handels im Alltag aus der eigene Komfortzone raus muss. Das Auto stehen zu lassen wenn Wege auch mit dem Rad zu bewältigen sind, fällt vielen noch immer schwer. Liebgewordene Gewohnheiten und die eigene Bequemlichkeit aufzugeben oder auch nur einzuschränken, scheint zu unseren härtesten Aufgaben zu gehören.

Aber auch die Auswirkungen des Klimawandels verursachen enorme Kosten. Der Sommer 2018 hat es gezeigt: In keinem Jahr zuvor wurde in Privathaushalten so lange und so intensiv von Klimaanlagen Gebrauch gemacht. Die Wasserkosten schnellten in die Höhe; ebenso die Strom- und Gasverbräuche. Die langanhaltende Hitze forderte ihren Tribut. Dabei sind die finanziellen Auswirkungen bei Weitem nicht die schlimmsten, die der Klimawandel beschert.

Hatte die Erde bisher mit etwa 165 durch den Klimawandel ausgelöste Katastrophen zu kämpfen, so haben sie sich mittlerweile mit etwa 330 in jedem Jahr verdoppelt – mit steigender Tendenz. Direkt betroffen waren davon knapp fünf Milliarden Menschen weltweit. Sie verloren ihre Häuser und /oder den Lebensunterhalt. Fast eine Millionen Menschen verloren ihr Leben. Die häufigsten Ursachen – Dürren, Stürme und Überflutungen.

Hitzewelle in Europa

Im Sommer 2018 hatte Europa, allen voran Westeuropa, mit einer Hitzewelle bis dahin nicht gekannten Ausmass zu tun. 45° in Spanien, 38° in Deutschland waren an der Tagesordnung. In Griechenland wurden Temperaturen über 48° gemessen, in Portugal 46°. Nur in Spanien wurden im Jahr zuvor mit 47,3° noch höhere Temperaturen gemessen. Auch in den gemässigten Zonen Europas waren Temperaturen zwischen 38 und 40° keine Seltenheit. War in Wetterwarnungen bisher von Stürmen und Überschwemmungen die Rede, so warnten die Experten diesmal vor den Auswirkungen der Hitze. Auch hierzulande forderten die extremen Plus-Grade durch Herz-Kreislaufkollapse und Hitzschläge Todesopfer. Ausgelöst wurde die extreme Hitzewelle durch einen Tiefdruckkomplex über dem Atlantik. 2018 kam es mehrfach zu einem Festsetzen dieser Hochdruckgebiete über Mitteleuropa und dadurch an den Rändern zu der Entwicklung von Tiefdruckgebieten. Die Ursachen hierfür können Experten bisher nicht ausreichend erklären.

Kosten in Billionen-Höhe

Lagen die Kosten der durch Klimaerwärmung verursachten Katastrophen in den vergangenen 20 Jahren bei etwa USD 2,2 Billionen, so waren es in den zwei Jahrzehnten davor noch USD 895 Milliarden. Die finanziellen Auswirkungen haben sich um das Zweieinhalbfache erhöht. Rechnet man die Schäden durch nicht klimaverursachte Katastrophen wie Vulkanausbrüche, Tsunamis und Erdbeben hinzu, so liegt die Summe schon bei knapp USD 3 Billionen. Nicht erfasst sind dabei Schäden, die gar nicht erst aufgeführt werden. Diese könnten die Summe noch einmal verdreifachen.

Am schlimmsten betroffen sind nach wie vor die Entwicklungsländer. Besonders fatal wirkt sich für die Bewohner aus, dass sie sich in der Regel nicht einmal Versicherungen leisten können, die im Katastrophenfall für bestimmte Schäden aufkommen würden. Sollten reichere Länder hier nicht innerhalb kürzester Zeit, d.h. innerhalb der nächsten 5-10 Jahre, spürbare Hilfe leisten, so wird vor allem für Kinder, Alte und Kranke jede Hilfe zu spät kommen.

Aber auch Industrienationen wie Deutschland, Frankreich und die USA sind längst betroffen. Waren es in Deutschland vor allem Schäden durch Überschwemmungen, so waren es in Frankreich Stürme, in Italien Erdbeben und in den USA Orkane, die grosse Schäden an Häusern und Infrastruktur hervorriefen.

Extreme Hitzewellen in Europa

Zu extremen Hitzewellen in Europa ist es auch in den vergangenen Jahren schon gekommen. Nennenswert sind die Hitzerekorde von 2003 und 2010. Etwa 70.000 Menschen (überwiegend in Italien und Frankreich) fielen 2003 der Hitze zum Opfer. Zu weiteren grossen Hitzewellen kam es in Europa

- 2006 Westeuropa

- 2008 Nordeuropa

- 2010 Russland

- 2015 West-, Mittel- und Osteuropa

- 2017 Iberische Halbinsel, Südfrankreich, Italien

Das blockierte Hochdruckgebiet über Skandinavien im Sommer 2018 bescherte auch den nördlichen Regionen Europas Rekordtemperaturen. Selbst nördlich des Polarkreises kam es zu 24°, im Norden Norwegens gab es mit 25° tropische Nächte. In Deutschland wurden zwar die 2003 gemessenen Höchstwerte um 40° nicht überschritten. Ungewöhnlich war aber die Länge der Hitzephase und die aussergewöhnliche Trockenheit seit April.

 


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