Mittwoch, 10. Januar 2018

Wie grün ist Ökostrom wirklich?

Geht es um unser liebstes Fortbewegungsmittel, das Auto, scheint das Elektromobil die saubere Lösung der Zukunft zu sein. Unbeschwert fahren ohne schlechtes Gewissen im Hinblick auf die Umwelt – eine schöne Vorstellung! Was auf der Strasse gelingt sollte auch in der Industrie und im eigenen Haushalt möglich sein. Windkraft, Sonnenenergie und Geothermie sind schier unerschöpfliche Quellen für sauberen Strom. Wie sauber aber ist der grüne Strom tatsächlich?

Wahr ist, dass die oben genannten Möglichkeiten der Stromproduktion weit weniger schädliche Emissionen verursachen als die herkömmliche Stromgewinnung durch Kohlekraftwerke oder AKWs. Richtig ist aber auch, dass selbst Windkraft, Sonnenenergie und Geothermie ihre Nachteile haben. Wer sich für grünen Strom entscheidet, der erhält heute einen Strommix, der nur zum Teil aus erneuerbaren Quellen stammt. Wo viel Licht ist, da ist eben auch viel Schatten.

Geothermie – Nutzung vorhandener Wärme aus dem Erdreich

Um die Erdwärme für Warmwasser und als Stromerzeugung nutzen zu können muss tief in den Boden gebohrt werden. In die dort befindlichen warmen Gesteinsschichten wird kaltes Wasser gedrückt. Dieses erwärmt sich dabei so sehr, dass es zurück an die Oberfläche gepumpt zum Heizen oder zum Antreiben von Turbinen genutzt werden kann. Zu nennenswerten Schäden kam es bei dieser Methode bisher nicht. Allerdings könnte die Geothermie auf lange Sicht seismische Aktivitäten auslösen und damit zu Bergschäden führen wie heute bereits durch den Kohleabbau.

Windkraft und Sonnenenergie

Wind- und Sonnenkraft sind gute Alternativen zur Energieerzeugung. Beide Quellen sind von Natur aus verfügbar. Strom gewinnen kann man mit beiden Methoden jedoch leider nur dann, wenn entweder die Sonne scheint oder der Wind weht. Beides ist nicht durchgängig der Fall. Für eine lückenlose Versorgung wäre aber genau das wichtig.

Für Strom aus Windkraft fehlt es zudem nach wie vor an geeigneten Speicherkapazitäten. Ein Problem sind auch die Ausweisungen von entsprechenden Flächen für die zahlreichen Windräder, die benötigt werden um eine ausreichende Stromversorgung zumindest im Ansatz zu gewährleisten. Nicht selten muss auf Waldflächen ausgewichen werden. Aus Gründen des Natur- und Umweltschutzes sind Windräder durchaus umstritten.

Die eigene Photovoltaik-Anlage auf dem Dach ermöglicht die Produktion des hauseigenen Stroms. Nicht gerade günstig in der Anschaffung erlaubt diese Methode doch sich von allen anderen Stromanbietern unabhängig zu machen. Überschüsse werden in das öffentliche Netz eingespeist und pro Kilowattstunde vergütet. Auf Dauer könnte sich dies durchaus rentieren und bietet zudem die Gewissheit, wirklich 100 % sauberen Strom zu nutzen.

Das Ausrüsten des eigenen Haushaltes mit Photovoltaikanlagen ist allerdings nur für Hauseigentümer geeignet. Zwar können Mieter kleine Sonnenkollektoren aufstellen, allerdings befindet man sich dann in einer rechtlichen Grauzone. Eine vorherige Rücksprache mit dem Vermieter sollte unbedingt erfolgen.

Biogasbetriebene Blockheizkraftwerke

Blockheizkraftwerke gibt es in sehr unterschiedlichen Größen. Sie sind in der Lage Einfamilienhäuser mit Strom zu versorgen oder aber große Gebäude wie Schulen und Krankenhäuser und ganze Siedlungen. Durch ihre effiziente Nutzung der Abwärme für die Stromerzeugung stellen auch diese Blockheizkraftwerke eine Alternative zur konventionellen Stromgewinnung dar. Dies ist besonders dann der Fall, wenn das Kraftwerk mit Biogas betrieben werden kann.

Ist es möglich den Strom der Zukunft ausschliesslich über erneuerbare Quellen zu produzieren?

Bisher ist dies leider nicht der Fall. Ökostrom aus erneuerbaren Energien wie Windkraft, Wasserkraft, Sonnenkraft, Biomasse und einigen anderen natürlichen Ressourcen machen in Deutschland bisher nur etwa 30 % bis 32 % aus (Stand 2016). Im Vergleich dazu ist die Energiegewinnung aus Braunkohle, Steinkohle, Atomkraft, Erdgas und anderen mit bis zu 70%  also immer noch vergleichsweise hoch.

Egal ob nun umweltfreundlich produziert oder auf herkömmliche Weise – jeder Strom fliesst zunächst in sogenannten Stromseen zusammen. Was letztendlich im Privathaushalt aus der Steckdose kommt ist also ein Mix aus allem. Um wirklich sauberen Strom nutzen zu können, müssen zunächst alle “unsauberen“ Stromerzeuger vom Netz genommen werden. Anhand des grossen Bedarfs an Energie wird dies in absehbarer Zukunft nicht möglich sein. Ob dies überhaupt je umgesetzt werden kann ist fraglich. Ein eigenverantwortlicher Umgang mit Energie ist daher ratsam.

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