Mittwoch, 13. Dezember 2017

Glyphosat – unser täglich` Gift gib` uns heute (Teil 2)

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Langzeitgeschädigte und die Natur

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat das Mittel als wahrscheinlich krebserregend eingestuft. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hingegen ist dieser Ansicht nicht. Auch die Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) vertritt die Meinung, das Mittel solle nicht als krebserregend klassifiziert werden. Diese Aussagen waren sicherlich mitverantwortlich für die Entscheidung einer erneuten Zulassung. Angesichts der Untersuchungen, die eindeutig vor Glyphosat warnen, stellt sich die Frage inwieweit industrielle Interessen vor dem Wohl der Bevölkerung stehen.

Besonders schlimme Langzeitschäden haben Bauern in Argentinien zu beklagen. Hier bewirbt Monsanto sein Herbizid als unbedenklich und lobt den Einsatz als Lösung vieler Probleme. In der Tat führt die Verwendung zu schnellen Erfolgen und besseren Ernten. Die negative Seite des Mittels wurde den Bauern nie mitgeteilt. Sie versprühten das Mittel über Jahre auf riesigen Sojaplantagen was zu einer Vergiftung der Böden und auch der Brunnen in ländlichen Gemeinden führte. Den Bauern selbst war davon wenig bis gar nichts bekannt. Für die Plantagen wurden und werden grosse Urwaldflächen gerodet, Bioreservate zerstört, Flüsse vergiftet und indigene Völker vertrieben. Neben anderen Verursachern wird dabei auch immer wieder Monsanto erwähnt.

Zahlreiche Untersuchungen haben mittlerweile ergeben, dass die Zahl missgebildeter Kinder, die Häufigkeit von Leukämie und anderen Krebsarten, geistigen Behinderungen und schwersten Hautkrankheiten in Gegenden, in denen Glyphosat im grossen Stil verwendet wurde, besonders häufig ist. Ein Zusammenhang mit dem Pflanzenschutzmittel ist mehr als wahrscheinlich.

In Belgien beklagte ein Schweinezüchter, durch die erhöhte Menge von Glyphosat im Tierfutter käme zu Schwindelanfällen und Missbildungen bei seinen Tieren. Untersuchungen der Uni Leipzig bestätigten den Verdacht. Das Problem betrifft auch Milchbauern und Rinderzüchter in Norddeutschland.

In Kalifornien klagen Krebspatienten gegen Monsanto. Die Firma habe die gesundheitlichen Gefahren des Mittels verharmlost. Je nach Ausgang des Gerichtsverfahrens könnte die Entscheidung vom November 2017 neu diskutiert werden müssen.

In 18 europäischen Städten haben Untersuchungen ergeben, dass nahezu jeder zweite Mensch das Mittel im Urin hat. Im menschlichen Körper führt das Herbizid zu einem Absterben der Bakterien, die der Organismus für seine Gesunderhaltung dringend benötigt. Krankheitserreger werden dagegen nicht beeinflusst.

Unverständnis bei den Nachbarländern

Frankreich wolle trotz der Entscheidung in Brüssel den Einsatz von Glyphosat innerhalb der nächsten drei Jahre stoppen, so Präsident Emmanuel Macron. In Österreich beantragt die SPÖ ein Verbot des Pflanzenschutzmittels vor dem Nationalrat.

Nicht zufrieden mit dem Ausgang der Verhandlung war übrigens auch Monsanto selbst und mit dieser Firma auch Bayer, Syngenta und andere: Sie hatten eine Verlängerung für zehn Jahre erwartet. So werden sie schon in zwei Jahren einen neuen Antrag einreichen müssen und dies wird die Diskussion um Glyphosat erneut anheizen. Solange Industrie und Behörden aber das Mittel verharmlosen und verteidigen, ist leider klar, dass die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt nicht an erster Stelle steht, sondern finanzielle Interessen.

Im deutschen Bundestag gibt es Anträge zum Umgang mit dem Pflanzenschutzmittel. Barbara Hendricks erklärte dazu im Morgenmagazin vom 12.12.2017: Man werde dies auf jeden Fall soweit wie möglich beschränken. Ab dem 16. Dezember müssten Händler, die das Mittel weiterhin verkaufen wollen, eine neue Zulassung beantragen. Vergeben wird diese Zulassung ausschliesslich durch ein Amt, das dem Bundeslandwirtschaftsminister untersteht. Zusätzlich ist das Einverständnis des Umweltbundesamtes erforderlich. Dazu haben die Händler drei Monate Zeit. Hendricks erklärtes Ziel ist es, ganz aus der Nutzung von Glyphosat auszusteigen. Sie hofft, dass dies mit einer gewissen Vorlaufzeit umzusetzen ist. Grund sei die Zerstörung der Artenvielfalt durch das Totalherbizid. Durch die Vernichtung von Pflanzen wird ein Kreislauf in Gang gesetzt, der die komplette Nahrungskette betrifft. Keine Pflanzen – keine Insekten – keine Vögel – dies sei für sie der entscheidende Punkt.

Eindeutige Worte fand sie auch zu den ebenfalls in der Landwirtschaft eingesetzten und ebenso insektengefährdenden Neonicotinoiden. Dass diese mitverantwortlich sind für das weltweite Bienensterben ist bekannt. Sie sei dafür, dass entsprechend den Anträgen der EU-Kommission diese Mittel ausschliesslich in Gewächshäusern und nicht im Freiland angewendet werden dürften. Sie habe ihren Landwirtschaftsministerkollegen gebeten, diesem Vorschlag der Kommission zu folgen. Darüber müsse das Landwirtschaftsministerium abstimmen und sie hoffe sehr, dass dieser Vorschlag auch durchgeführt würde. Eine Zustimmung liegt indes bisher noch nicht vor.

Jeder einzelne ist in der Pflicht

Die nächste Bundesregierung muss nach französischem Vorbild einen schnellstmöglichen Ausstieg aus Glyphosat vereinbaren. Darüber hinaus sollten Städte und Kommunen unabhängig von der legalen Zulassung das Herbizid im öffentlichen Raum nicht mehr einsetzen. Ebenso sind Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, das Mittel für Ihre Privatgärten nicht mehr zu kaufen und zu verwenden. Der Einzelhandel und Versandfirmen könnten es aus dem Sortiment nehmen. Hier ist jeder einzelne zum Handeln aufgerufen. Bis die Politik eine Veto einlegt und die Industrie zur Einsicht kommt, könnte es längst zu spät sein.

Hier geht's zu Teil 1 des Beitrags


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