Elektromobilität - Saubere Lösung oder neue Verlagerung eines alten Problems? Teil 2 Samstag, 27. Mai 2017

Elektromobilität - Saubere Lösung oder neue Verlagerung eines alten Problems? Teil 2

 

 

 

Das Elektroauto als Statussymbol

Unter diesen Voraussetzungen wird schnell klar, warum E-Autos wie beispielsweise der Tesla von Verbrauchern nahezu ausschliesslich als Zweitwagen eingesetzt werden. Wo immer es geht auf das Elektromobil umzusteigen ist sicher löblich. So lange diese Möglichkeit aus Kostengründen aber nur einer besserverdienenden Schicht vorbehalten ist, hat das Elektromobil als saubere Alternative zum Fahren seinen eigentlichen Sinn verfehlt.

Hochrangige Prominente machen es vor: Einen Tesla zu fahren ist ein eindeutiger Imagegewinn. Besonders dann, wenn Umweltministerin Doris Leuthard dies tut. Zusammen mit Roger Schawinski, Radio-1-Chef und Hans Grunder, BDP-Nationalrat, erklärt sie, aus Gründen des Umweltschutzes dieses Automobil angeschafft zu haben. Sie selbst tanke nur erneuerbare Energien, die anderen beiden ziehen den benötigten Strom für ihre Fahrzeuge gar aus eigenen Fotovoltaikanlagen. Sicher erfüllen sie damit eine lobenswerte Vorbildfunktion. Wer aber ausser ihnen kann sich ein solch teures Auto bisher leisten? Das Gros der Menschen, die auf das Auto als Fortbewegungsmittel angewiesen sind, jedenfalls nicht!

Fakt ist zudem, dass aufgrund der immer noch geringen Reichweite der Batterien ein Elektrofahrzeug von den meisten Besitzern lediglich als Zweitwagen genutzt wird. Unter diesen Voraussetzungen ist der eigentliche umweltschonende Aspekt der Anschaffung eines Elektromobil sicher nicht erreicht. Hersteller von E-Autos leisten momentan Pionierarbeit auf dem Gebiet der privaten Elektromobilität. Voll ausgereift ist die Technik bisher noch nicht (zu schwer, zu langsam, zu teuer), aber es wird weiter daran gearbeitet. Flächendeckend auf die Strasse kann der Motor erst, wenn er nicht teurer ist als ein herkömmliches Auto und ein wirklicher Gewinn für die Umwelt ist er dann, wenn er ausschließlich mit Strom aus erneuerbaren, alternativen Energien betrieben wird.

 

Elektroauto – nicht Statussymbol sondern reale Alternative

Die genannten Probleme machen das E-Auto bisher nicht zur sinnvollen Alternative zu herkömmlichen mit Diesel oder Benzin betriebenen Fahrzeugen. "Anders der Smile", so seine Hersteller. Das am Ökozentrum Langenbruck entwickelte Automobil möchte weg vom Statussymbol hin zum wirklichen Gewinn für seine Fahrer und für die Umwelt. Im Klartext bedeutet dies, dass dieses Auto inklusive Batterie bezahlbar sein soll, mit einem Gewicht von 450 kg relativ leicht daherkommt und rund 8 kWh Strom auf 100 km verbraucht. Aufgeladen schafft er es auf bis zu 200 km bei einer Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h. Aus recyclefähigem Polyethylen hergestellt bietet die Karosserie Platz für zwei Personen. Bezuschusst wurde die Entwicklung des umweltbewussten Autos von der Klimastiftung Schweiz mit 150.000 Fr.  Angesichts der Tatsache, dass Neuwagen in der Schweiz nach wie vor eine viel zu hohe Menge an CO2 ausstossen, ist diese Entwicklung sicher ein grosser Schritt in die richtige Richtung. Ein Familienauto ist er nicht, was die Frage aufwirft inwiefern ein E-Auto zur Entlastung der Umwelt beiträgt, wenn es nur von maximal zwei Personen gefahren werden kann. Ist dann nicht vielleicht doch (noch) die Fahrgemeinschaft im herkömmlichen Auto sinnvoller weil treibstoffsparender?

Der Treibstoffverbrauch ist in der Schweiz generell in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken, jedoch reicht dies nicht aus um den zukünftigen EU-Vorschriften zum CO2-Ausstoss zu genügen. Fraglich ist, ob die Schweiz überhaupt mitziehen wird. Abgestraft für den umweltschädlichen Aspekt der Fahrzeuge werden zunächst die Importeure. Hier gibt es mittlerweile zwar Erleichterung durch den Bund (hochemittierende Fahrzeuge können mit niedrigemittierenden Fahrzeugen kompensiert werden) allerdings werden sie bewusst in eine Richtung gedrängt, die ihnen von vornherein nahelegt, nur niedrigverbrauchende Fahrzeuge ins Land einzuführen und dadurch die sonst fälligen Sanktionen zu umgehen.

In den Vorgaben zur Abgasreduzierung von Automobilen der EU sieht Andreas Burgener, Direktor von Auto Schweiz, eine Ungerechtigkeit: das Ziel der EU könne und dürfe nicht auf die Schweiz übertragen werden. Im gesamten europäischen Raum werden jährlich rund 12 Millionen neue Autos zugelassen. Es sei viel schwieriger den Grenzwert zu erreichen, weil anders als in der Europäischen Union in der Schweiz nicht der Durchschnitt aller europäischen Staaten, sondern lediglich die neu zugelassenen Autos in dieser Berechnung erfasst werden.

Die Entwickler des Elektrofahrzeugs Smile und der Geschäftsleiter des Ökozentrums Christoph Seiberth sehen mit Optimismus in die Zukunft des Smile. Geplant ist in den nächsten fünf Jahren bis zu 5000 Elektromobile auf dem freien Markt zu verkaufen. Damit würden sie den bisherigen Absatz von Elektromobilen in der Schweiz um ein Vielfaches toppen.

Eine bittere Pille bleibt jedoch: auch der Smile wird voraussichtlich zunächst einmal Zweitwagen bleiben, mit dem einkommensstarke Käufer an den Wochenenden unterwegs sind.

 

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