Samstag, 15. Oktober 2016

CO2-Zertifikate und Emissionshandel (Teil 1)

Diese auf den Klimakonferenzen festgesetzten Beschlüsse führten (auch im übertragenen Sinne) zu einer extremen Belastung des Klimas der Staaten untereinander. Die Vertragsstaaten waren lange uneinig über die Höhe dieser Begrenzungen und weigerten sich die Beschlüsse des Kyoto-Protokolls zu ratifizieren. Die Einführung des sogenannten Emissionshandels war ein Kompromiss, dem letztendlich die meisten Staaten zustimmten.


Schlechtes Klima auch unter den Verhandlungspartnern

Nach dem ausgehandelten Prinzip ist es möglich, Emissionszertifikate zu erwerben und weiter zu handeln, sollte das erlaubte Emissionskontingent innerhalb eines bestimmten Zeitraumes nicht erreicht worden sein. Eigentlich ein guter Anreiz: Je weniger schädliche Emissionen ein Unternehmen verursacht, desto wirtschaftlicher arbeitet es. Der ökologische Nutzen für die Umwelt springt quasi als positive Begleiterscheinung dabei heraus. Prinzipiell funktionieren Emissions-Zertifikate also wie klassische Bonusscheine.

Ist der Emissionshandel eine Lösung mit Nachhaltigkeit?

Wie kam es zum Emissionshandel?

Welche Grundidee steckt dahinter?

Wie funktioniert der Kauf und Verkauf von Rechten?


Emissionshandel = Ablasshandel?

Nicht ganz zu Unrecht erinnert dieser Emissionshandel auf den ersten Blick an den  Ablasshandel der katholischen Kirche, den schon Martin Luther seinerzeit aufs Schärfste verurteilt hat. Dieser Ablasshandel, der überwiegend wohlhabenden Bürgern einen Vorteil verschaffte, bestand aus Zahlungen an die Kirche für begangene Sünden. Nach damaligen Glauben stand nur reinen Seelen das Paradies nach dem Tode offen. Während also dem armen Teil der Bevölkerung nichts anderes übrig blieb als ein Leben in "Unschuld" zu führen, erlaubte dieses System den Reichen ein ausschweifendes Dasein zu führen und mittels ihrer Finanzkraft ihre Sünden zu kompensieren. Eine im wahrsten Sinne des Wortes himmelschreiende Ungerechtigkeit! Ein gewisses Mass an  Vergnügungen sprachen Kirche und Obrigkeit zwar selbst in diesen strengen Zeiten den Menschen zu. So galt zum Beispiel die Erbsünde als in die Wiege gelegt. Nicht gerade gottgefällig aber dennoch akzeptiert konnte man gewissen Vergnügungen nachgehen - vorausgesetzt man liess sich dabei nicht öffentlich erwischen.

Gewisse Parallelen zum Emissionshandel sind nicht zu übersehen. Reiche Nationen sind damit in der Lage durch den Erwerb weiterer Zertifikate ihr erlaubtes Kontingent zu überschreiten. Ganz so simpel erklärt ist es jedoch nicht. Den heutigen Emissionshandel unter den Vertragsstaaten als Ablasshandel zu bezeichnen, ist eine nicht ganz zu Ende gedachte Kritik.


Emissionshandel = Anreiz und Einkommensquelle

Das nach der Klimakonferenz in der japanischen Stadt Kyoto benannte Kyoto-Protokoll beinhaltet Beschlüsse zur Emissionsverringerung und entsprechende Richtlinien, an die sich die Vertragsstaaten richten müssen sobald Sie das Protokoll ratifiziert haben. Zu du Mechanismen dieses Protokolls gehört aber auch das Recht auf Handel mit Emissionen. Ein Land, das seinen Treibhausgas-Ausstoss reduziert, hat damit die Möglichkeit seine entsprechend weniger benötigten Rechte an andere Staaten zu verkaufen. Dieses Recht gilt nicht nur national sondern international.

Die Umweltsünden der Vergangenheit nachträglich zu kompensieren ist nahezu unmöglich. Sie in Zukunft zumindest zu reduzieren ist ein wichtiger Schritt. Die Emissionen grosser Industriekonzerne können und sollen nicht von heute auf morgen auf Null reduziert werden. Ein Leben ohne Strom, ohne Konsumgüter, ohne Treibmittel und ohne die Hilfe von Maschinen hiesse ein Leben zu steinzeitlichen Bedingungen. Ein gewisses Kontingent wurde daher allen Staaten für Emissionen verursachende Anlagen zugebilligt. Wer dieses Höchstmass jedoch überschreiten will hat die Möglichkeit  anderen Staaten, die ihr Kontinent nicht erreichen werden, ungenutzte Zertifikate abzukaufen.

Eine wirkliche, drastische Verringerung der Umweltverschmutzung wie sie nötig wäre, wird hierdurch zunächst nicht erreicht. Die Beschlüsse beinhalten daher eine stetige, jährliche Absenkung des Maximalkontingents. Was diese Lösung kennzeichnet ist, dass gerade die Industrieländer, die als grösste Umweltverschmutzer gelten, den höchsten Bedarf an Zertifikaten haben. Schwellen- und Entwicklungsländer, die aufgrund des viel geringeren Pro-Kopf-Ausstosses ihr Kontingent nicht erreichen, profitieren vom Emissionshandel als Einnahmequelle.


Guter Weg mit kleinen Hindernissen

"Der Fortschritt liegt im Handel" wussten schon unsere Ahnen in der vorindustriellen Zeit. Tatsächlich könnte auch im Emissionshandel der Weg hin zu besserer Luft gesehen werden. Sicher - eine schnellere Gangart wäre wünschenswert.

Der Handel mit diesen Emissionszertifikaten ist als marktwirtschaftliches Instrument zu sehen um das globale Klima zu schützen. Das Recht mit Emissionszertifikaten zu handeln kann als Mengenlösung gesehen werden, durch die zudem die Festlegung eines bestimmten Steuersatzes wegfällt und das Umweltziel durch den Gesetzgeber direkt beeinflusst werden kann. Der Emissionsrechtehandel hat hierdurch den positiven Aspekt einer bestimmten ökologischen Treffsicherheit. Als unkalkulierbare Faktoren bleiben aber weiterhin die Entwicklung der Preise und die damit verbundene, wachsende finanzielle Belastung von Unternehmern und Endverbrauchern.

Der Handel mit CO2-Zertifikaten ist also als umweltpolitisches, marktwirtschaftliches Instrument zu sehen, gedacht um das Klima zu schützen und gleichzeitig einen gewissen Lebensstandard zu sichern. Nicht nur die Großindustrie oder Lobbyisten profitieren von dieser Regelung, sondern letztendlich jeder einzelne Bürger. Einen doppelten Nutzen für die Umwelt hat der Handel mit Zertifikaten, wenn die Einnahmen daraus direkt in weitere Umweltprojekte fliessen:

Durch Einnahmen aus dem Emissionshandel ist beispielsweise Deutschland seit Anfang 2008 in der Lage verschiedenste Klimaschutzprogramme in Wirtschaft, Industrie und Kommunen zu unterstützen.

Der Weg mag schwer zu beschreiten sein und Wissenschaftlern und Umweltschützern ist die Vorgehensweise zu Recht zu langsam. Möglicherweise ist dies aber der einzige Weg in Zukunft alle Nationen an den Start zu bekommen.

 

Quellen:

http://www.bmub.bund.de/themen/klima-energie/emissionshandel/kurzinfo/

https://reset.org/wissen/emissionsrechtehandel-co2-zertifikate?gclid=Cj0KEQjw7Ne_BRDRmP2ojKfzv98BEiQAPuqPyYRak4Rf8bfRKUb-UTHHyZqBDAH0759CJaJ4ohCJ8zsaAqVT8P8HAQ

Internationales Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) auf Basis von Daten des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technik.

https://de.wikipedia.org/wiki/Emissionsrechtehandel

https://de.wikipedia.org/wiki/EU-Emissionshandel

http://www.airliners.de/eu-ist-im-streit-um-emissionshandel-zu-kompromiss-bereit/30336

http://www.n-tv.de/wirtschaft/Russland-sperrt-Sibiriens-Himmel-article6458226.html

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/emissionshandel132.html

 

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