Montag, 12. November 2018

Verschiebung der Klimazonen – der blaue Planet vertrocknet (Teil 2)

Die Wüste wächst – Feuchtgebiete und Seen schrumpfen

Die Sahara im Norden des afrikanischen Kontinents ist mit derzeit 3,6 Millionen Quadratmeilen nicht nur die grösste Wüste der Welt, sie wächst auch weiterhin! Wie Wissenschaftler der Universität Maryland herausfanden, ist seit den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Fläche laut Aufzeichnungen um rund 10 % größer geworden. Dramatisch zeigt sich die Grenzverschiebung der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen an den Rändern der Sahara. Allein von 1980-1990 hat sich am Südrand der Sahara diese Grenze um rund 80 Meilen verschoben. Gleichzeitig schrumpfte der Tschadsee um mehr als 9500 Quadratmeilen. Im Norden hat sich die Wüste bis zu 500 Meilen ausgedehnt (so in Libyen).

 

(Auch im gemäßigten Klima Westeuropas sinkt der Wasserspiegel. Im Jahr 2018 ist  der Halterner Stausee in NRW/Deutschland zwischen April und September um mehr als drei Meter gesunken und hat damit rund 46 % seines Gesamt-Wasservolumens verloren. Um das Trinkwasserreservoir wieder aufzufüllen müsste es zwei Monate lang ohne Unterbrechung heftig regnen. Die Niederschläge aber bleiben aus.)

Der Äquatorial-Gürtel mit seinen tropischen Temperaturen wird sich pro Jahrzehnt um etwa 30 Meilen ausbreiten. Allerdings bedeutet dies nicht eine Ausweitung der dort befindlichen Regenwälder, die das globale Klima so dringend nötig hätte, sondern im Gegenteil: es sind die trockenen Randgebiete der Tropen, welche sich ausbreiten während sich die regenreichen Areale zusammenziehen. Dieser Wandel ist bereits seit einigen Jahren spürbar. Westeuropa hat im Sommer 2018 unter einer extremen Hitze und Trockenheit zu leiden gehabt. Zwei Jahre zuvor erlebte der östliche Mittelmeerraum die schlimmste Dürreperiode seit nahezu einem Jahrtausend.

Temperaturanstieg in Nordamerika

Wie sehr sich die Veränderungen des Klimas auf die Landwirtschaft und somit auf menschliche Nahrungsquellen auswirkt, zeigt sich auch in Nordamerika. Dem trockenen Klima im Westen und dem feuchteren im Osten haben sich die Bauern mit dem Anbau verschiedener Weizensorten angepasst. Die einen sind feuchtigkeitsresistent, die anderen ertragen auch trockene Perioden. Was jahrhundertelang die Versorgung der Bevölkerung mit Getreide sicherte, ist auch hier in Gefahr. Die Kornkammer Amerikas droht zu vertrocknen. Zwar fällt im Norden des Kontinents noch immer ausreichend Regen, durch den Temperaturanstieg verdunstet dieser jedoch bevor er in der Erde versickern kann. Winde verhinderten zudem ausreichende Regenfälle Richtung Süden und Osten. Eine Versteppung der Landschaft droht. Die Landwirtschaft wird dieser Tatsache mit dem Einsatz trockenheitsresistenter Sorten und ausgeklügelten Bewässerungssystemen entgegentreten müssen.

Auswirkungen auf Landwirtschaft und Ökonomie

Kalifornien ist für seine Mandeln bekannt, Spanien und Portugal für Orangen und die Mosel-Region in Deutschland für herrliche, sonnengereifte Trauben und edle Weine. Diese Alleinstellungsmerkmale werden die Regionen im Zuge der Klimaerwärmung verlieren. Forscher der Universität von Idaho fanden heraus, dass die natürlichen Grenzen von Klimazonen sich pro Jahrzehnt etwa 13,5 Meilen weiter in Richtung Norden verschieben. Längst gibt es die ersten Weinanbaugebiete in Skandinavien. Noch vor wenigen Jahren wäre dies undenkbar gewesen. Was sich zunächst nach einer Bereicherung der lokalen Speisepläne anhört, ist bei näherer Betrachtung keine. Unter den veränderten Bedingungen, die Südfrüchte gedeihen lassen, können andere Obst-, Gemüse- und Getreidesorten nicht mehr wachsen. Zudem trocknen die südlichen Gebiete soweit aus, dass dort letztendlich gar nichts mehr wächst. Mit der Ausbreitung ehemals regionsfremder Pflanzenarten breiten sich auch deren spezifische Schädlinge dort aus.

Viele Ski- und Wintersportgebiete in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz können schon seit Jahren keinen Schnee mehr garantieren. Sie werden schliessen müssen oder auf andere Freizeitangebote umsatteln müssen. Dagegen wird das ehemals als verregnet bekannte Deutschland als Sommerurlaubsziel immer beliebter.

Die Permafrostböden tauen auf

Die an anderer Stelle (Bericht: Sonderbericht Weltklimarat) schon einmal angemerkt, ist die Erwärmung der Erdatmosphäre in nördlicheren Regionen wie der Arktis und der Antarktis am deutlichsten spürbar. Hier steigen die Temperaturen, verglichen mit dem globalen Durchschnitt, doppelt so schnell an. Während in Afrika ein Temperaturanstieg um 2° kaum auffallen dürfte, ist in der Permafrostregion das Erreichen der 0°- Grenze bereits eine Katastrophe. Wissenschaftliche Studien in Nordkanada zeigen, dass sich in den vergangenen 50 Jahren die Dauerfrostlinie bereits über 80 Meilen in Richtung Norden zurückgezogen hat. Permafrostschichten befinden sich unter der Erde. Ihren Zustand zu überwachen ist extrem schwierig. Satelliten können diese tieffliegenden Schichten nicht erfassen. Die Untersuchungen beschränken sich daher immer auf einige, wenige Regionen. Was an diesen Punkten mittels Bohrungen gemessen wurde, ist besorgniserregend. Man geht von einem Temperaturanstieg von 1° bis 2° pro Jahrzehnt aus. Für die Polkappen ist dies eine rasante Veränderung, die sich auch auf den Rest der Erde negativ auswirkt.

Sollte der Prozess nicht gestoppt oder zumindest verlangsamt werden können (und es sieht ganz danach aus, dass dies nicht gelingen wird), dann werden bis zum Beginn des kommenden Jahrhunderts von ursprünglich 4 Millionen Quadratmeilen Permafrostböden nur noch weniger als 0,5 Millionen übrig bleiben. Damit wäre ein großer Teil Alaskas und Grönlands eisfrei.

Dass das Schmelzen der arktischen und antarktischen Eisflächen zu einem weltweiten Anstieg des Meeresspiegels und damit zu Überflutungen führen wird, ist bekannt. Viele Inselstaaten werden dann unbewohnbar sein. Aber auch in Alaska, Nord-Russland und Grönland wird menschliches Leben wie bisher nicht mehr möglich sein. Viele Städte sind auf Permafrostböden gebaut. Dieser war in der Vergangenheit von grosser Standfestigkeit. Taut er auf, verliert er diese Eigenschaft und wird durchlässig für Wasser. Schon jetzt ist es in der nordrussischen Stadt Norilsk und auch in Bethel in Alaska durch das Absacken des Bodenniveaus zu grossen Schäden an Gebäuden und Straßen gekommen. Austretendes Methangas machte zudem das dauerhafte Leben in vielen Regionen gefährlich.

Die Kornkammern der Erde trocknen aus

Unter der massiven Ausbreitung von Wüsten und Trockengebieten leidet auch Australien. Der Kontinent zählt nach den USA, Russland und Kanada zu den weltweit grössten Weizenexporteuren. Unter erschwerten Anbaubedingungen hat die Landwirtschaft seit langem zu leiden. Bisher konnten grosse Ausfälle durch zunehmende Trockenheit dadurch verhindert werden, dass auch hier Saatgut optimiert wurde und trockenheitsresistente Sorten angebaut wurden. Dennoch ist seit Anfang der Neunzigerjahre die Produktion deutlich zurückgegangen, in manchen Regionen sogar bis zu 50 %. Die Ertragsmengen werden weiterhin sinken.

Ebenso dramatisch sieht es in Nordamerika aus. Hier zieht sich fruchtbares Ackerland immer weiter nach Norden zurück. In den nächsten 30 Jahren wird das Gebiet, in dem  Weizenanbau möglich ist,  Alaska erreicht haben. Gleichzeitig wird der Süden immer heisser und trockener und damit für die Landwirtschaft unbrauchbar. Auch hier müssten neue Sorten entwickelt werden, oder aber Bewässerungssysteme Abhilfe schaffen. Auch Letzteres aber stellt die Welt vor immer größere Probleme, denn mit der Trockenheit steigt die Wasserknappheit. Zu deutlich schlechteren Ernten wird es auch in Asien und Europa kommen.

Tropen und Wüsten bewegen sich aufeinander zu – Tornados verstärken sich

Mit der Verschiebung der Klimazonen verändern sich auch Anzahl, Ausbreitung und Häufigkeit von heftigen Tornados. Allein in Tennessee haben sich die Starkstürme seit Mitte der Achtzigerjahre nahezu verdoppelt im Vergleich zu den 30 Jahren vorher. Die Aufzeichnungen der Extremstürme ergaben von 1954 bis Mitte der achtziger Jahre 477 Tornados im Gebiet um Oklahoma. Ihre Anzahl verringerte sich danach in diesem Gebiet um nahezu die Hälfte und stieg stattdessen Richtung Norden auf das Doppelte der vorher gemessenen Werte an. Auch die Ausdehnung der Tornadoschneisen wird größer.

Als Grund wird auch hier von Wissenschaftlern die Veränderung des Klimas vermutet.

Ist Verzicht ein Lösungsansatz oder haben wir den Point of no return längst erreicht?

Die Ernährung der Weltbevölkerung wird zu einem Problem werden. Ein grosser Teil der Getreideproduktion wird zu Viehfutter verarbeitet. Ein weltweiter Ausstieg aus der Massentierindustrie wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Die Massentierhaltung verschlingt nicht nur enorme Mengen an Futtermitteln, sondern ist (neben Industrie, Verkehr und Privathaushalten) durch Überdüngung, Ausstoss von Methangas und einem extremen Wasserverbrauch ein maßgeblicher Klimakiller.

Dass Flugreisen für jedermann erschwinglich geworden und nicht mehr nur einer elitären Oberschicht vorbehalten sind, hört sich zunächst gerecht an. Für das Klima und die Umwelt ist es das nicht. Der weltweite Flugverkehr ist rasant angestiegen seitdem und zählt neben der Schifffahrt zu den grössten Luftverschmutzern im Bereich des globalen Verkehrs.

Energie kommt aus der Steckdose. Weil nach wie vor der Strom maßgeblich aus Kohle gewonnen wird und nicht viel mehr Bio-Energie-Produzenten in die Stromseen einspeisen können, wird auch unser sorgloser Umgang mit Energie uns zum Verhängnis werden. Das gleiche gilt für Treibstoffe aus Erdöl und Erdgas.

Verzicht oder zumindest eine starke Einschränkung von Energie, Ressourcen und Waren könnte durchaus eine Lösung sein. So einfach es klingt, so schwer ist es aber auch. Die Schwerindustrie kämpft mit dem Mittel des Emissionshandels um die Rechte, ihre Abgase und Abwässer auch weiterhin in die Umwelt pumpen zu dürfen; die Autolobby fürchtet sich vor Einbussen und auch der Endverbraucher will weder in der kalten Bude sitzen noch auf den fahrbaren Untersatz und das tägliche Schnitzel verzichten, solange die Politik nicht reagiert. Trotz eindringlicher Warnung von Wissenschaftlern und dem immer neuen Anpeilen von Klimazielen auf den jährlich stattfindenden Klimakonferenzen, hat sich bisher nicht viel getan.

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