Donnerstag, 18. Oktober 2018

Weltklimarat, 1,5 Grad Ziel

Gemessen am Ausstoss im Jahre 2010 müssten bis zum Jahre 2030 alle Emissionen um 45% reduziert werden. Weitere zehn Jahre später dürften überhaupt keine Emissionen mehr erfolgen; beziehungsweise alle dann immer noch benötigten fossilen Treibstoffe müssten nach ihrer Verbrennung zu 100 % kompensiert, oder aus der Atmosphäre entfernt werden.

Um das 1,5 Grad-Ziel bis zum Jahr 2050 zu realisieren, dürfen bis dahin noch maximal 770 Milliarden Tonnen treibhausschädigender Gase ausgestossen werden (laut Angabe im IPCC-Bericht). Danach wäre das Budget bei Null. Bei einem Treibhausgasausstoss von mehr als 40 Milliarden Tonnen jährlich wird schnell klar, wie gross das Problem eigentlich ist und wie wenig Zeit zum Handeln noch bleibt. Hinzukommt, dass nicht genau gesagt werden kann, inwiefern die schon jetzt in der Atmosphäre vorhandenen Gase diese Prognose eventuell negativ beeinflussen. So steht die ziemlich reale Befürchtung im Raum, dass weder das 1,5 Grad-Ziel noch das 2 Grad-Ziel überhaupt erreicht werden können. Man kann viel eher davon ausgehen, dass der Temperaturanstieg im genannten Zeitraum zwischen 2,6 und 4 Grad liegen wird.

Massnahmenkatalog für die Einhaltung eines angestrebten 1,5 Grad-Zieles bis zum Ende des Jahrhunderts:

Der komplette Verzicht von klimaschädlichen Emissionen würde zweifellos eine grundlegende Veränderung der Lebensweise der meisten Menschen auf diesem Planeten bedeuten. Gerade deshalb tun sich Industrie, Politik und Wirtschaft so schwer mit der Umsetzung. Es betrifft Essgewohnheiten, Wohnsituation, Verkehr, Alltag, Konsumverhalten und Produktionsprozesse gleichermaßen. Technische Lösungen allein werden dazu nicht ausreichen.

- Ein unverzüglicher, kompletter Ausstieg aus der Braunkohle-, Steinkohle- und Erdölnutzung ist erforderlich. Hier heisst die Devise so schnell wie möglich, spätestens jedoch bis zum Jahre 2050. Dabei dürfte auch der Verlust von tausenden Arbeitsplätzen keine Rolle mehr spielen.

- Die Umstellung des weltweiten Energiesystems auf erneuerbare Energien aus Wasser, Sonne, Wind und Biomasse muss schnellsten erfolgen. Bis zum Jahre 2015 müssten mindestens 70 % der globalen Energie aus diesen Stromquellen stammen. Dies gilt auch für die Industrie, die einerseits energiesparend und prozesseffizient arbeiten muss und andererseits ihrer Herstellungsketten anpassen muss.

- Die Entfernung von bis zu 1000 Milliarden Tonnen Kohlendioxid aus der Atmosphäre, die bereits jetzt dort angesammelt sind, muss erfolgen. Möglich wäre dies durch einen sofortigen Stopp aller Rodungen von Waldflächen und der konsequenten Wiederaufforstung weiterer Flächen. Die dort wachsenden Pflanzen dürften nur zum Zwecke der Bindung von CO2 aus der Luft angepflanzt werden. Auf keinen Fall dürften sie selbst später in Kraftwerken verfeuert werden, da dabei das in ihnen gespeicherte CO2 wieder freigesetzt würde.

- Auf künstlichem Wege Wolken zu erzeugen (Geo Engineering) könnte zwar auch zur Erreichung des 1,5 Grad-Zieles beitragen. Allerdings ist dieses Verfahren noch nicht wissenschaftlich ausgereift und zählt noch zu den substanziellen Risiken.

Auch eine systematische Aufklärung der Bevölkerung über die Folgen des eigenen, gedankenlosen Verbrauchs von Energie und Ressourcen könnte einen wesentlichen Beitrag leisten. Nötigenfalls wären hierzu neue Auflagen und Regeln, aber auch Ersatzangebote (z.B. günstiger und bequemer Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel)  erforderlich. Im Dezember 2018 wird der nächste Weltklimagipfel in Kattowitz/Polen stattfinden. Bei der Konferenz wird es massgeblich um die Umsetzung des Regelwerks der im Pariser Klimavertrag vereinbarten Ziele gehen. Wie auch immer die Diskussion dort ausgehen mag; in welche Richtung der Weg auch gehen wird – dass sich unser aller Leben massiv ändern wird, steht fest.

Hier gelangen Sie zum ersten Teil: Sonderbericht Weltklimarat, IPCC

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