Mittwoch, 13. Dezember 2017

Glyphosat – unser täglich` Gift gib` uns heute (Teil 1)

Kontroverse mit giftigem Beigeschmack

Als die Agrarindustrie in Brüssel zusammen mit der EU-Kommission und dem deutschen Landwirtschaftsminister die Neuzulassung des Herbizids Glyphosat für weitere fünf Jahre durchgesetzt hat, war das für Umweltschützer und viele Bürgerinnen und Bürger ein Schock. In sieben Abstimmungen innerhalb von zwei Jahren hat die EU Kommission eine knappe Mehrheit erhalten um die Weiterverwendung durchzusetzen. Ausschlaggebend war bei der letzten Abstimmung am 27.11.2017 die Zustimmung des Landwirtschaftsministers aus Bayern. Seine Kollegin Barbara Hendricks, SPD, distanzierte sich von dem Beschluss. Sie hatte zuvor ein ausdrückliches Nein verlauten lassen. Damit setzte Schmidt sich nicht nur über seine Amtskollegin hinweg, sondern auch über die Regierungsvereinbarung der Partnerländer Belgien, Frankreich, Italien und Österreich.

Barbara Hendricks hatte sich bemüht das Glyphosatverbot umzusetzen, ist dabei aber   übergangen worden. Politisch ist dies eine brisante Angelegenheit, viel wichtiger ist jedoch, was dies für die Natur und Umwelt bedeutet. Das Landwirtschaftsministerium und das Umweltministerium konnten sich nicht einigen was die Zulassungsverlängerung für Glyphosat angeht. Zwei Stunden vor der Sitzung des Ausschusses hatte Barbara Hendricks ihrem Kollegen Schmidt am Telefon gesagt, dass sie einer Verlängerung der Zulassung nicht zustimmen würde. Schmidt hatte dies daraufhin mit einer SMS auch bestätigt. Deutschland hätte sich daher enthalten müssen. Im Bundeslandwirtschaftsministerium in Brüssel wurde derweil nahezu gleichzeitig eine gegenteilige Weisung erteilt. Rechtliche Schritte gegen dieses Vorgehen sollen eingeleitet werden.

Bereits 2015 hatte es bei Bürgerinnen und Bürgern Proteste gegen das hochgiftige Mittel gegeben. Damals hatte die EU-Kommission geplant, Glyphosat für weitere 15 Jahre zuzulassen. Das Mittel ist daraufhin erneut von der ECHA auf seine krebserregende Wirkung untersucht worden.

Wie wirkt Glyphosat und welche Folgen hat es?

Glyphosat (auch bekannt als Roundup von der Firma Monsanto und von dieser in den 70er Jahren patentiert) gehört zu den weltweit am häufigsten verwendeten Herbiziden. Eingesetzt wird es vor allem in der Landwirtschaft, aber auch in Privatgärten. Glyphosat ist freiverkäuflich erhältlich. Kauf und Verwendung sind also völlig legal. Dies mag implizieren, dass das Mittel gesundheitlich und umwelttechnisch unbedenklich sei – dem ist nicht so!

Das Mittel hat eine systemische Wirkung. Über die Blätter aufgenommen gelangt es in die Pflanze. Der Sprühnebel bewirkt ein Absterben all derjenigen Pflanzen, die dem Gift nicht widerstehen können. Mit anderen Worten: bis auf wenige Nutzpflanzen, die in grossflächigen Monokulturen gebaut werden, überlebt rein gar nichts! Mit den Beikräutern sterben die Insekten, mit den Insekten die Vögel und weitere Tiere. Wer nicht vom Gift unmittelbar getötet wird, der findet in der Regel keine natürliche Nahrung mehr und sieht einem Hungertod entgegen. Die Nutzpflanzen (meist Soja) selbst sterben nicht durch das Gift – ihre gentechnische Veränderung macht sie resistent.

Das hochgiftige Spritzmittel ist nicht nur tödlich für fast alle Pflanzen und viele Tierarten, es kann auch beim Menschen schwere gesundheitliche Schäden verursachen. Längst findet sich das Mittel nicht nur im Wasser und im Boden wieder, sondern auch in bereits verarbeiteten Lebensmitteln, in Milch, in Brot und vielen anderen Nahrungsmitteln und wurde auch im menschlichen Körper bereits vielfach nachgewiesen. Abgebaut werden kann es nicht. Es lässt sich weder durch gründliches Waschen der Lebensmittel noch durch Kochen entfernen.

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