Mittwoch, 15. November 2017

CO2-Speicherkapazität der Regenwälder; Speicherkapazität der Böden sichtbar machen (Teil 2)

Der Wald sieht rot

Die Bilder, die die Wissenschaftler erstellen konnten, macht die Speicherkapazität der Böden farblich sichtbar. Alte Böden, die weniger Kohlenstoff aufnehmen können, erscheinen auf den Karten rot. Junge Böden dagegen sind grün. Ein etwa 60 Millionen Jahre alter Boden ist in seiner Aufnahmefähigkeit begrenzt. Pflanzen, die auf diesen Böden wachsen sind zu einem Viertel weniger gut in der Lage als die Vegetation auf vergleichsweise jungen Böden. Die Aufnahmefähigkeit nimmt mit dem Alter stetig ab. Zum Teil ist dies naturgegeben, so wie auch ein Teil des Klimawandels natürlichen Ursprungs ist. Allerdings haben Forschungen ergeben, dass in den letzten zwanzig Jahren die Abnahme der Speicherkapazität deutlich schneller von statten ging als unter natürlichen Umständen. Seit 1999 ist durch Rodung ein Verlust von einem Prozent des gespeicherten Treibgases zu verzeichnen. Durch die schwindenden Flächen verringert sich gleichzeitig die Aufnahme von CO2 aus der Atmosphäre. Studien der Universität Leeds sprechen von 30 Prozent weniger innerhalb eines einzigen Jahrzehnts. Umweltschutzprogramme der vereinten Nationen (wie das REDD-Programm) sollen der fortschreitenden Zerstörung Einhalt gebieten. Das neue Verfahren könnte eine wichtige Hilfe dabei sein, besonders gefährdete Gebiete in Zukunft schneller zu erkennen und unter Schutz zu stellen.

Erschreckende Bilanz

Es ist nicht allein die unmittelbare Zerstörung durch Brandrodung und Abholzung, die eine Mitschuld trägt an der ungünstigen Veränderung des Klimas durch freigesetzte Treibgase. Hinzukommt, dass auch bisher verschonte Flächen mittlerweile so sehr von der Umweltverschmutzung betroffen sind, dass Bäume auch ohne den direkten Eingriff des Menschen bereits sterben. Das Wachstum verlangsamt sich zusehends. Sowohl steigende Temperaturen als auch Wassermangel könnten Gründe für diese negative Entwicklung sein.

Demgegenüber steht ein Modell, das die tropischen Regenwälder als wachsende Speicher für Kohlenstoff sieht. Durch den erhöhten CO2-Gehalt der Luft reagiere die weltweite Vegetation mit vermehrtem Wachstum, was dazu führe, dass die Aufnahme des Gases auf der Landmasse mittlerweile mindestens genauso hoch sei wie die der Wasserflächen und zum Teil sogar schon höher liege. Dass dies kein Grund zur Euphorie ist, zeigt aber die Tatsache, dass eine unbegrenzte Aufnahme nicht möglich ist. Die Messwerte allein im Amazonasgebiet sprechen deutlich für eine abnehmende Tendenz. Die Fläche der Regenwälder verringert sich rasant. Etwa alle fünf Jahre verschwinden Gebiete von der Grösse der Bundesrepublik Deutschland. Die verbleibende, sich weiter stetig verringernde Vegetation ist also auf Dauer mit der Kompensation der wachsenden Menge an Treibgasen völlig überfordert.

Europa treibende Kraft für die Abholzung der Regenwälder

Der weltweite Bedarf an Produkten wie Rindfleisch, Soja und Palmöl ist enorm. Hauptabnehmer aber ist Europa, allen voran Deutschland. Für die Erzeugung werden nicht nur ausgewiesenen Flächen genutzt, sondern immer wieder auch geschützte Gebiete gerodet. Verstärkte Kontrollen und das neu entwickelte Verfahren zur Kenntlichmachung von Gebieten mit besonders hoher CO2-Speicherkapazität könnten zu einer Verlangsamung der Umweltzerstörung beitragen. Wirklich umkehren aber werden sie den Trend sicher nicht. Dazu wäre es nötig auf die genannten Produkte zu verzichten oder sie zumindest zu reduzieren. Solange weder Wirtschaft noch Verbraucher zu diesem Schritt bereit sind, dürfte jede Forschung zur Rettung der Regenwälder und des Klimas nicht mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein sein.

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