Montag, 30. Oktober 2017

Zukunftsmärchen Elektromobil – ein Hoffnungsträger verliert die Glaubwürdigkeit

Eine Verringerung der Autozahlen auf unseren Strassen in Verbindung eines alltagstauglichen (und bezahlbaren) Ausbaus der öffentlichen Verkehrsmittel steht nicht vorrangig zur Debatte. Die Autoindustrie möchte uns glauben machen, das gewohnte Fahrverhalten könne beibehalten werden. Zum gewohnten Fahrverhalten zählt dabei nicht nur der Besitz mindestens eines Autos pro Haushalt, sondern auch die Nutzung des eigenen Wagens selbst für kurze Strecken, die eigentlich genauso gut mit dem Rad oder zu Fuss zurückgelegt werden könnten. Beobachtungen auf deutschen Autobahnen zeigen immer wieder, dass zu Stosszeiten im Berufsverkehr jeweils nur eine einzelne Person pro Wagen fährt.

Eine noch nicht ausgereifte aber zukunftsfähige Alternative könnte das Elektromobil sein - vorausgesetzt der dafür notwendige Strom stammt aus “grüner“ Produktion. Aber nicht allein die Stromgewinnung aus alternativen Energiequellen stellt den Hoffnungsträger E-Auto in Frage. Die Herstellung, Ladekapazität und Entsorgung der enorm schweren Batterien sind nach wie vor ein ungelöstes Problem. Auch die Frage, wie das Stromnetz Millionen geplanter E-Autos künftig versorgen soll ohne dabei einen regelmässigen Zusammenbruch zu erleiden, bleibt ungeklärt. Etwa dreissig tankende E-Autos würden das Netz ähnlich belasten wie ein vollbeladener Personenzug.

Auf der E-Mobilitäts-Welle schwimmt auch die Politik mit. Und das besonders gerne zu Wahlkampfzeiten. Wie hoch die geforderten Quoten für E-Autos sein werden oder wann Zulassungsverbote für Autos mit Verbrennungsmotoren in Kraft treten sollen, wissen auch die Vertreter der grossen Parteien nicht zu sagen. Norwegen will bereits ab 2025 ein Verbot durchsetzen, Frankreich und Grossbritannien wollen ab 2040 keine Benziner und Dieselfahrzeuge mehr auf ihren Straßen. Eine schöne Vision – sicherlich - Der Verkehr fliesst weiter wie gehabt und das ganz ohne Lärm- und Abgasemissionen!

Realistische Vision oder Zukunftsmärchen?

Milliarden Euros stecken Autokonzerne hierzulande in dieses Entwicklungsziel. Geplant sind langstreckentaugliche Fahrzeuge mit einer Reichweite von 500 Kilometern pro Ladung. Die bisher vorgestellten Projekte der gesamten Branche überzeugten allerdings eher durch Inkompetenz. Zu teuer, um als Erstwagen erschwinglich zu sein. Zu schwer, um energiesparend zu fahren. Zu wenig effizient, um ihrem Ziel als umweltschonendes Automobil gerecht zu werden. Zudem gibt es die angestrebten Fahrzeuge längst. In Amerika hat Tesla bereits vor Jahren sein E-Auto auf den Markt gebracht. Auch dieses ist gemessen am Preis und seiner Reichweite nach wie vor ein Luxusgut!

Abwarten und Tee trinken?

Die anvisierten Reichweiten können nur bei entsprechend langsamer Fahrt annähernd erreicht werden – bei einem Tempo also, das auf deutschen Autobahnen völlig unrealistisch ist. Ein langer Atem ist auch bei den regelmässig, sprich alle 200 bis maximal 300 Kilometer einzulegenden Ladepausen notwendig. Um auch die nächste Etappe zurücklegen zu können, ist eine Ladezeit von einer guten Stunde einzuplanen. Zwar gibt es bereits Pläne, an Fernstrassen Stromzapfstellen zu installieren, die es schaffen sollen den Strom mit 350 kW in die Batterie zu befördern. Aber auch dann würde eine Betankung noch eine gute Viertelstunde dauern. Wer es positiv sieht, der nimmt sich die Zeit für ein Picknick oder eine gemütliche Tasse Tee gemäss dem Motto „Der Weg ist das Ziel“. Und ja – anno dazumal dauerte eine Fahrt per Pferdekutsche um ein vielfaches länger. Das Reisen war sicher abenteuerlicher, aufregender und für die Umwelt ungleich verträglicher. Heute hingegen ist eine Reichweite von weniger als 300 Kilometern und eine Aufenthaltszeit von mehr als 10 Minuten für das Tanken nicht mehr alltagstauglich und im modernen Arbeitsleben nicht hinnehmbar. Schade eigentlich. Vielleicht wäre eine allgemeine Entschleunigung ja die Lösung.

zurück