Elektromobilität - Saubere Lösung oder neue Verlagerung eines alten Problems? Teil 3 Sonntag, 28. Mai 2017

Elektromobilität - Saubere Lösung oder neue Verlagerung eines alten Problems? Teil 3

 

 

 

Bessere Bilanz in der Schweiz

Das deutsche Umwelt- und Prognoseinstitut UPI hat herausgefunden, dass für die Klimabilanz von Elektrofahrzeugen insbesondere der Strommix ausschlaggebend ist. Wo der Strom aus fossilen Energieträgern bezogen wird, kann auch die Bilanz eines Elektrofahrzeugs letztendlich nicht gut sein. Laut einer Studie des Instituts emittiert ein Elektroauto in Deutschland nahezu die gleiche Menge an CO2 wie ein Benziner oder ein Diesel-Fahrzeug.

Ein wenig besser sieht die E-Auto-Bilanz für die Umwelt in der Schweiz aus. Der Grund dafür ist, dass hier Wasserkraft einen Großteil der Stromversorgung leistet. Elektrobetriebene Motoren emittieren dank umweltverträglicherer Methoden der Energiebereitstellung rund 70 % weniger CO2 als Benzin- und Dieselmotoren. Voraussetzung für diese gute Bilanz ist allerdings die Nutzung des Stroms aus der Schweiz. Selbst ein ausgereifter und in allen Punkten gut durchdachter Elektromotor schneidet unter Umständen sogar schlechter ab als ein konventionelles Auto, wenn er mit Strom aus Kohlekraft betrieben wird.

Ebenfalls äusserst bedenklich ist die Nutzung von Atomstrom. Zwar fallen hier unmittelbar keine Emissionen an, jedoch stellt der strahlende Atommüll die Umwelt bekanntermassen vor schier unlösbare Probleme. (Anmerkung: Am 21. Mai 2017 kam es in der Schweiz zu einem Referendum zum Atomausstieg, bei dem eine deutliche Mehrheit für das neue Energiegesetz gestimmt hat. Die Zustimmung lag bei etwa 55 %. Es wird danach in der Schweiz keine neuen Atomkraftwerke mehr geben. Das neue Gesetz wird 2018 in Kraft treten.)

Durch den Strommix in der Schweiz fährt ein Elektroauto hier zwar insgesamt ein wenig umweltschonender als im Nachbarland, dennoch verursacht es zwischen 80 und 90 g CO2 pro verbrauchter Kilowattstunde. Vergessen darf man bei diesem positiv ausfallenden Vergleich aber nicht, dass die insgesamt guten Werte in der Schweiz auch dadurch zustande kommen weil im Land selbst keine Fahrzeuge hergestellt werden. Gerade die Herstellung ist es ja, die die Umwelt besonders belastet, hinzu kommt die CO2-Bilanz durch den Import ins Land.

Die hohen Importkosten werden von den Händlern auf die Kunden umgelegt. Die Politik begrüsst die steigenden Klimaschutzauflagen, kritisiert jedoch den zu schnellen Anstieg. Autohändlern ist dies Anlass zur Sorge. In Europa sollen bis zum Jahr 2020 im Schnitt nur noch 95 g CO2 pro Auto ausgestossen werden. Grüne und Linke Parteien sowie Umweltschützer begrüssen diesen Beschluss und bemängeln andererseits, für die Rettung des Weltklimas sei die Massnahme zu wenig und zu langsam. Ein wirklicher Gewinn für die Umwelt ist dies zur Zeit also auch in der Schweiz noch nicht.

Fast klingt es nach einer Ironie des Schicksals: Grüne Politiker und Umweltschützer sprechen sich zwar eindeutig für den E-Motor, betrieben durch Ökostrom, aus. Was aber als Umweltschutzmassnahme begonnen hat, erntet auf verkehrspolitischer Ebene keinen uneingeschränkten Beifall. Nicht zuletzt die Einnahmen durch Treibstoffzölle fliessen in den Strassenbau. Die Frage, mit welchem alternativen Treibstoff Benziner und Dieselfahrzeuge in Zukunft angetrieben werden sollen und woher dann die Zuschüsse für den Strassenbau kommen, bleibt offen.


Fazit:

Höchste Zeit also in die Weiterentwicklung des Elektroautos zu investieren. Das E-Auto ist in seiner Grundidee sicher eine gute Alternative auf dem Weg in eine saubere Zukunft.  Noch ist ein herkömmlicher Kleinwagen nicht nur in der Anschaffung, im Verbrauch und in der Steuer günstiger, er stösst bei vernünftiger Fahrweise auch nicht mehr umweltschädigende Gase aus als ein Elektromobil. Sauberer Strom, umweltschonend hergestellte und leichtere Batterien mit deutlich höherer Reichweite, flächendeckende Aufladestationen, bezahlbare Fahrzeuge – das wäre sicher ein Weg zur Rettung unseres gewohnten Fahrverhaltens. Andernfalls sollten wir nicht länger darüber nachdenken, ob wir nicht öfter auf das Rad oder öffentliche Verkehrsmittel umsteigen, sondern es endlich auch tun!

 

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