Klimabilanz, CO2-Bilanz von Lebensmittel Freitag, 7. April 2017

Lebensmittel und ihr CO2-Fussabdruck - Teil 2

 

 

 

Wie viel Bio ist Bio?

Palmöl und Kokosöl sind in aller Munde. Kaum ein verarbeitetes Produkt kommt ohne das eigentlich gesunde und sogleich preiswerte Produkte aus dem Urwald aus. Einen ebenfalls grossen Boom in der Gesundheitsindustrie erlebt zur Zeit auch die Avocado. Was uns gut tut schadet allerdings der Umwelt und den Menschen und Tieren in den Herkunftsgebieten ganz enorm. Der Einsatz von Herbiziden und Pestiziden, der übermässige Verbrauch von Wasser und die Rodung von Urwaldflächen schaden Mensch und Tier. Heimische Vegetation wird verdrängt und Bewohner nicht selten enteignet um aus ihren Ländereien Anbaugebiete zu machen. Auch Produkte mit Bio-Siegeln oder Nachhaltigkeitssiegeln sind nicht immer Garant für eine umweltschonende Herstellung. Für den Endverbraucher ist Bio sicher die gesündere Variante - für die Umwelt muss dies nicht unbedingt gelten.

Noch sind die direkten Auswirkungen unseres Konsums den Hauptnutzniessern in der westlichen Welt fern. Sie sind aber zu einem sehr grossen Anteil mitverantwortlich an der Klimaerwärmung. Früher oder später werden die Folgen auch hier spürbar werden.

Wer sich nachhaltig ernähren möchte, der sollte Produkte aus Regionen meiden, die mit fragwürdigen Praktiken herstellen.

Es geht sicher nicht darum, jedem Genuss in Zukunft zu entsagen. Das Wissen um die CO2-Bilanz eines Lebensmittels und der bewusste Einkauf und Umgang damit können schon wesentlich zu einer nachhaltigeren Lebensweise beitragen.

Die Klimabilanz von Lebensmitteln:

Regional produziertes Obst und Gemüse wie Mohrrüben, Äpfel, Kartoffeln oder Tomaten bringen es auf 130 bis 200 g CO2 pro Kilo.

Tiefkühlgemüse oder Konserven schaffen bereits 400 bis 500 Gramm pro Kilo.

Brot und Backwaren kommen auf 650 bis 950 g pro Kilo.

1 l frische Milch schlagen mit knapp 950 g zu Buche. Milchprodukte wie Joghurt und Käse erreichen eine Bilanz von 1200 bis satten 8500 g. Enorm hoch ist auch der CO2-Fußabdruck von Butter. Ein Kilo bringt es auf knappe 24.000 g. Gemessen am Eigengewicht eines Stückes Butter ein wahrlich unvorstellbarer Wert!

Ein Kilo Eier bringt fast 2000 g CO2 auf die Waage.

Die negativste CO2-Bilanz hat Fleisch. Geflügel schafft 3500 g, Schweinefleisch bis zu 4300 g pro Kilo. Den Rekord hält Rindfleisch. Hier schlagen rund 15.000 g pro Kilo zu Buche.

Die Made im Speck

Macht man sich diese Werte bewusst, so wird schnell klar, dass unsere Essgewohnheiten einen massgeblichen Beitrag zur Klimaerwärmung leisten. Besonders die Produktion tierischer Lebensmittel verursacht mehr CO2 als der gesamte weltweite Verkehr. Tanja Dräger de Teran, Referentin für Klimaschutz und Ernährung des WWF stellte fest, dass eine gesunde Ernährung sich positiv auf den Umweltschutz auswirkt: „Wenn jeder Bundesbürger nur einmal pro Woche auf Fleisch verzichten würde, so könnte das zu einer jährlichen Einsparung von rund neun Millionen Tonnen Treibhausgas-Emissionen führen. Das entspricht umgerechnet 75 Milliarden PKW-Kilometern." Auch der Naturschutzbund NABU kommt zu ähnlichen Ergebnissen: "Wenn 550.000 Menschen 52 Tage im Jahr vegetarisch essen, wird der Atmosphäre die CO2-Belastung von 40.000 Autos pro Jahr erspart."


Vom produzierten Überfluss profitieren aber lediglich die westlichen Industrieländer und einige Schwellenländer, während Drittweltländer kaum etwas davon haben. Fatalerweise wird ein Großteil der Lebensmittel nicht einmal konsumiert sondern landet im Müll. Nachhaltigkeit sieht anders aus!

Der Economist Intelligence Unit hat gemeinsam mit der Stiftung BCFN einen Nachhaltigkeitsindex für 25 Länder aufgestellt. Gemessen wurde der Aufwand bei der Produktion und die Nutzung und Verwertung von Lebensmitteln in verschiedenen Ländern.

Getestet wurde in den Kategorien nachhaltige Landwirtschaft, Ernährungsherausforderungen und Lebensmittelvergeudung.

Beim Thema nachhaltige Landwirtschaft lag Deutschland mit 65,50 Punkten vorn. Es folgte Kanada mit 62,35 Punkten und Japan mit 60,56 Punkten.

Die grösste Verschwendung von Lebensmitteln wurde in Frankreich mit 80,25 Punkten festgestellt, in Australien mit 76,30 und in Südafrika mit 75,70 Punkten.

Auch bei der Ernährungsherausforderung lag Frankreich mit 72,05 Punkten vorn. Es folgten Japan mit 70,27 und Südkorea mit 69,60 Punkten.


In der Gesamtwertung punktet Frankreich mit 67,53 vor Japan mit 66,66 und Kanada mit 64,86.

Diese Werte machen deutlich, dass ausschliesslich Industrieländer wie die “Maden im Speck“ leben können, andere Länder aber von diesem Überfluss nur die negativen Seiten der Klimaerwärmung erleben. So könnte letztendlich die negative CO2-Bilanz der Faktor sein, der uns allen den Speck so richtig madig macht.

 

Lebensmittel und ihr CO2-Fussabdruck - Teil 1

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