Lebensmittel und ihr CO2-Fussabdruck Donnerstag, 6. April 2017

Lebensmittel und ihr CO2-Fussabdruck - Teil 1

 

 

 

Wird die CO2-Bilanz von Lebensmitteln uns den Appetit verderben?

"Liebe geht durch den Magen" und "Essen hält Leib und Seele zusammen". Schon Sprichwörter zeigen, welch grossen Stellenwert Nahrung für uns einnimmt. Nicht nur weil wir sie brauchen um unseren Organismus in Gang zu halten, sondern weil gutes Essen ganz einfach ein Genuss ist. Nie hatten wir so reichlich davon wie seit den letzten 50 Jahren - und dass trotz einer massiven Überbevölkerung der Erde. Lebensmittel wie Kaffee, Tee, Schokolade, Butter und Fleisch, die bis dahin Luxusgüter waren, sind heute für jedermann in der westlichen Welt erschwinglich. Gott sei Dank! Mangelerscheinungen gibt es zumindest in diesem Teil der Erde kaum. Im Gegenteil: wir haben von allem genug. Das gilt vor allem für Fleisch, Milch und Milchprodukte.

Wortwörtlich genug hat aber auch unser Planet. Unsere bekanntermassen ungesunden und liebevoll als “kleine Sünden“ umschriebenen Essgewohnheiten haben auf Dauer für unseren Planeten wahrlich schwere Folgen.

Kleine Sünden mit schweren Folgen

Beim Begriff nachhaltige Lebensmittel mag man zunächst an gesunde Lebensmittel aus möglichst biologischem Anbau denken. Unverarbeitet, ohne Gentechnik und ohne chemische Zusatzstoffe, zuträglich für den ganzen Organismus. Auch unser Planet ist ein komplexer Organismus. Auch ihm sollten Lebensmittel zuträglich sein. Vieles von dem was wir täglich zu uns nehmen ist für ihn aber extrem ungesund. Ungesund deshalb, weil vieles unserer Nahrung einen sehr hohen CO2-Fussabdruck hat. Lebensmittel aus nicht nachhaltiger Produktion haben einen wesentlichen Anteil an der Klimaerhitzung.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier

Wie schwer das ändern von Gewohnheiten ist, weiss jeder, der schon einmal versucht hat mit dem Rauchen aufzuhören. Beim Essen ist es nicht anders. Man mag sich wundern, Rauchen ist schliesslich eine Sucht, essen aber eine lebenswichtige Notwendigkeit. Wie und warum sollte man damit aufhören?

Vieles von dem was wir zu uns nehmen ist aber weder gesund noch notwendig und es gibt eine ganze Reihe von Lebensmitteln, wie zum Beispiel Zucker oder Aromastoffe, die tatsächlich süchtig machen.

 

- Wie kann ein Lebensmittel überhaupt einen CO2-Fussabdruck haben?
- Wie kann unsere Nahrung für den Planeten ungesund sein?
- Was kann man tun um sich selbst gesund zu ernähren und dabei der Umwelt nicht zu schaden?

Die CO2-LebensmittelpyramideUm hergestellt zu werden benötigt ein Produkt zunächst einmal Fläche. Egal ob Acker, Gewächshaus, Weide oder Stall – diese Fläche muss der Natur entnommen werden. In unseren Breiten liegt die Urbarmachung von land- und viehwirtschaftlichen Nutzflächen Jahrzehnte, wenn nicht gar Jahrhunderte, zurück. In anderen Regionen der Erde, zum Beispiel Brasilien und Indonesien, werden noch heute weite Flächen gerodet für einen stetig wachsenden Bedarf an Lebensmitteln. Dieser Prozess wurde anno dazumal von Tieren und Menschen per Muskelkraft in Angriff genommen. Längst erledigen diese harte Arbeit Maschinen. Schon dabei fällt ein hoher Ausstoss umweltschädigender Gase an, von der Zerstörung natürlicher Lebensräume für Flora und Fauna ganz zu schweigen.

Von der Saat bis zur Ernte, beziehungsweise von der Zucht und Mast bis zur Schlachtung fallen zahlreiche weitere Produktionsschritte an, die CO2 und andere Gase emittieren. Bei Obst und Gemüse sind dies in der Regel weit weniger Schadstoffe und auch weniger Wasser als bei Fleisch und Milch. Bei Produkten aus Übersee kommt der Transport per Flugzeug, Bahn, LKW und PKW von den Produktionsstätten bis zum Endverbraucher hinzu. Ein weiterer Faktor, der ebenfalls die CO2-Bilanz von Lebensmitteln beeinflusst ist ihre Verpackung. Auch Diese (in der Regel Plastik- oder Aluminiumfolie) muss umweltschädigend hergestellt werden. Bei der späteren Entsorgung fallen ebenfalls wieder Emissionen an. Emissionsarm, wenn auch nicht zu 100 % emissionsfrei, sind nur regional produzierte Lebensmittel oder Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten.

Die Vernichtung natürlich gewachsener Flächen und kilometerweite Monokulturen sind Auslöser für das Verschwinden der Artenvielfalt. Betroffen sind hunderte von Tier- und Pflanzenarten. Schon das Fehlen einer einzigen Art kann das biologische Gleichgewicht empfindlich stören. So ist das Überleben der Biene bereits ein weltweit akutes Problem, welches letztendlich auch den Menschen betrifft. Die Biene ist neben einigen anderen Insekten, Vögeln und Fledermäusen maßgeblich an der Bestäubung und Befruchtung von Pflanzen beteiligt. Ohne sie kann auch das Fortbestehen der Landwirtschaft nicht wie bisher gewährleistet werden.

Ein weiteres Problem stellt der immense Verbrauch von Wasser dar. Für die Produktion eines Kilos Fleisch werden etwa 16.000 Liter Wasser (160 Liter Trinkwasser für das Tier und weitere rund 15.300 Liter für die Produktion seines Futters) benötigt. In einigen Regionen der Erde (überwiegend Drittweltländern) haben Konzerne das Wasser privatisiert und graben damit der ohnehin oft unterversorgten Bevölkerung buchstäblich das Wasser ab. Auch beim Wasser gilt: die Viehwirtschaft verbraucht ein Vielfaches mehr davon als die Landwirtschaft.

 

Lebensmittel und ihr CO2-Fussabdruck - Teil 2

  • Die CO2-Lebensmittelpyramide

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