Die Auswirkungen des Klimawandels in Europa Donnerstag, 9. März 2017

Die Auswirkungen des Klimawandels in Europa

 

 

 

 

Die Auswirkungen des Klimawandels in Europa

Noch sind gerade die Industriestaaten, die massgeblich Schuld an diesen Prozessen haben, relativ unbeschadet davongekommen. Betroffen sind jene Staaten, die keinen oder kaum Nutzen vom industriellen Wohlstand haben. Sie dienen uns mit Anbauflächen für beispielsweise Palmöl und Weideflächen und bezahlen dafür mit der Abholzung ihrer Regenwälder. Sie tragen die Zeche bisher nahezu allein. Aber es ist absehbar, dass auch die Industrieländer bei einer unvermindert fortschreitenden Klimaerhitzung alsbald von den Auswirkungen eingeholt werden.

Erste Auswirkungen sind bereits jetzt spürbar. Seit den sechziger Jahren sind die Winter auch in Europa merklich milder geworden. Im Schnitt ist nur jeder dritte Winter schneereich. Waren es noch in den sechziger Jahren zwei von drei Wintern mit heftigem Schneefall, so ist es heute genau umgekehrt. Unter diesen Auswirkungen leiden besonders Ski- und Wintersportgebiete. Viele von ihnen, vor allem in Süddeutschland, der Schweiz, Norditalien und Österreich haben deshalb bereits auf andere Ferienangebote umgesattelt oder fahren zweigleisig. Vielerorts werden Bergwandertouren, Erlebnis-Urlaube oder Reit-Urlaube angeboten. Auch der Einsatz von Schneebomben zur künstlichen Beschneiung der Pisten ist weit verbreitet.

Österreichs Bundesländer sind abhängig vom Schnee

Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Tourismus in Ländern wie der Schweiz oder Österreich wird oft unterschätzt. In der Alpenregionen betrifft dies vor allem den Wintersport. Der Tourismus hat Geld, Strassen und Infrastruktur in selbst abgelegenste Regionen gebracht. Als Mitte der vierziger Jahre die ersten Skilifte gebaut wurden, kam es zu einem deutlichen Bevölkerungswachstum. Als Folge dessen sind diese Gebiete vom Fremdenverkehr abhängig geworden. Nahezu 70 % der hier lebenden Menschen finden seitdem ihre Arbeit im Tourismus.

Durch eine langsame aber stetige Erwärmung des Klimas steigt die Schneegrenze immer weiter an. Ein Problem stellt dies besonders für die tiefer gelegenen Wintersportgebiete und Skilift-Betreiber dar. Wintersport-Touristen bleiben aus und viele Betriebe sind schon heute verschuldet. Für diese Regionen wird der Klimawandel zur wirtschaftlichen Katastrophe. Den garantierten Winter gibt es längst nicht mehr.

Skiliftbetreiber, die es sich leisten können, investieren daher vor allem in die Technik des künstlichen Beschneiens. Jede neue Saison ist ein Lotteriespiel, auf das die Betriebe sich nicht mehr einlassen wollen. Wo einst Wintersportler garantierte Trainingsmöglichkeiten hatten, besteht heute kaum noch Grund optimistisch zu sein. Wo der Schnee nicht mehr vom Himmel fällt setzen viele daher auf Kunstschnee.

Künstlicher Schnee ist aber ein energieintensives, teures Produkt. Knapp 14.000 € kostet allein die erforderliche Schneebombe. Hinzu kommt die Anlage und die dazugehörigen Kühltürme. Bis zu 200 Liter Wasser pro Sekunde schaffen manche Anlagen in Schnee zu verwandeln und sind damit in der Lage innerhalb von einer Woche ganze Berge zu beschneien. Jährlich 6 Millionen € kostet die Herstellung des künstlichen Schnees allein in Österreich. 400 - 500.000 m³ Schnee fallen so jedes Jahr nicht auf natürliche Weise sondern aus Schneekanonen auf die Berge.

In den vergangenen zehn Jahren hat so gut wie kein Wintersportgebiet in Österreich durchgehend ohne den Einsatz der künstlichen Beschneiung auskommen können. Längst wird diese Methodik in allen modernen Betrieben vorausgesetzt. In amerikanischen Skigebieten ist sie seit den fünfziger Jahren Standard. Wer den Skibetrieb hierzulande noch garantieren will, der hat keine Wahl ob er sich eine solche Anlage leisten kann oder nicht. Jahr für Jahr müssen die Schneekanonen höher ins Gebirge hinauf transportiert werden. Teuer ist diese Methode vor allem aber auch für die Umwelt.

Umweltschützer betrachten diese Entwicklung kritisch. Zwar sehen selbst Betreiber die künstliche Beschneiung als notwendiges Übel an, allerdings wohl eher aus finanziellen Gründen. Die enormen Kosten müssen auch auf die Touristen umgeschlagen werden und man befürchtet, aus dem Wintersport könne ein Elitevergnügen werden. Nachhaltigkeit im Sinne der Natur ist bislang kein Thema.

Eingriff ins Öko-System der Berge

Die Auswirkungen des Klimawandels in EuropaDie Schneekanonen benötigen grosse Mengen Wasser. Dieses wird im Frühjahr aus dem natürlichen Schmelzwasser der hochgelegenen Bergregionen und aus Flüssen abgezweigt und in Speicherbecken aufgefangen. Dies bedeutet aber einen nicht zu unterschätzenden Einschnitt in das natürliche, ökologische System der Berge. Umweltexperten erklären, dass bis zu einer Höhe von 1000 Meter ein solcher Eingriff für die Natur noch zu verkraften ist. Was darüber hinausgeht aber schadet ihr nachhaltig. Schon die kahl geschlagenen Skipisten an sich hinterlassen irreversible Narben im Ökosystem der Berge. Die künstliche Beschneiung kommt nun noch erschwerend hinzu. Der Kunstschnee ermöglicht eine Verlängerung der Saison. Dazu wird immer neuer Schnee auf die bereits verdichtete Schneedecke aufgetragen. Dies beeinträchtigt die natürliche Vegetation erheblich. Es bedeutet eine Verkürzung der natürlichen Wachstumsphase.

 

Was hat Weihnachten mit der Klimaerwämung zu tun?

In Italien, Deutschland und der Schweiz sieht die Situation nicht viel anders aus. Dabei wäre eine erste Lösung des Problems im Grunde einfach: Mehr als die Hälfte der Touristen kommt während der Weihnachtsferien. Diese aber fallen an den Anfang des Winters und in eine Zeit, in der der Schnee oft noch spärlich oder gar nicht fällt. Einige Wochen nach hinten verlegt könnte dies ganz anders aussehen. Möglicherweise wäre dann der Einsatz vieler Schneekanonen gar nicht nötig.

Was sich in der Theorie einfach anhört ist in der Praxis allerdings nahezu unmöglich. Unser Weihnachtsbild ist derart romantisiert, dass eine Verlegung völlig undenkbar wäre und sicherlich bei der Bevölkerung auf heftigste Kritik stossen würde. Eine Verschiebung des Weihnachtsfestes zöge unweigerlich auch eine Kettenreaktion an Folgen für die Wirtschaft und (Schul)verwaltung nach sich. Für jeden, der es sich leisten kann gehört nach dem Weihnachtsfest der Skiurlaub beinahe unabdingbar dazu.

Was dem Wintersport-Touristen noch immer als Naturerlebnis angepriesen wird ist längst ein äusserst fragwürdiges Vergnügen geworden. Die einstige Wintersportromantik ist auf der Strecke geblieben und im wahrsten Sinne des Wortes zum “Schnee von gestern“ geworden.

Das Sterben der Gletscher in den Ostalpen

Gletschersterben in den AlpenHören wir von der Eisschmelze, so denken wir für gewöhnlich an das Abschmelzen der Pole in der Arktis und Antarktis. Jeder von uns kennt das Bild verhungernder Eisbären, die über hunderte Kilometer schwimmen um zusammenhängende Eisflächen zu erreichen und schliesslich an Erschöpfung verenden. Tatsächlich aber ist die Eisschmelze und ihre beängstigenden Auswirkungen näher als uns lieb ist. Auch in den Alpen schmelzen Gletscher auf dramatische Weise und können durch das zu Tal donnernde Schmelzwasser Katastrophen auslösen.

Zwischen 1984 und 2005 haben die europäischen Gletscher (auch Ferner genannt) durchschnittlich rund 13 Meter an Dicke und zwischen 20 und 40% an Masse eingebüsst. Wissenschaftler haben bereits in den achtziger Jahren das Abschmelzen der Gletscher vorausgesehen. Dass das Sterben in den Ostalpen aber so viel schneller einsetzen würde, hatten selbst sie nicht geahnt. Die gesamte Natur hat sich verändert. In den letzten zwei Jahrzehnten ist es um 1,6° wärmer geworden in den Ostalpen. Das hat gravierende Folgen. Viele Gletscher sind bereits fast völlig verschwunden.

Mancher Ferner ist seit den achtziger Jahren sogar um 22 Meter dünner geworden. Die Auswirkungen des Klimawandels sind in den Ostalpen dramatisch. Mit dem Verschwinden der Gletscher verändert sich auch die Landschaft. Zurück bleibt nackter Fels, der nicht mehr in der Lage ist die Sonnenstrahlen abzustrahlen. Eine zusätzliche Erhitzung setzt ein. Im Kanton Bern in der Schweiz schmilzt der Triftgletscher dramatisch ab. Kein anderer Gletscher schmilzt schneller. Die ursprüngliche Gletscherzunge ist geschmolzen und zu einem der grössten Seen in den Alpen geworden. Sollte der Gletscher in den kommenden Jahren weiter abschmelzen, so verliert er am Gletschergrund seine Stütze und könnte damit zu einer tödlichen Lawine werden.

Wie ist eine solch rapide Schmelze möglich bei dem relativ geringen Temperaturanstieg? Ein weiterer Effekt ist dafür ausschlaggebend. Grund ist der Wasserdampf über der Erdoberfläche. Die durch den Klimawandel verdichtete Wasserdampfmasse bedingt ihrerseits einen Treibhauseffekt auf der Eisoberfläche und beschleunigt auf diese Art das Abschmelzen noch. Die Eisfläche schmilzt und verdampft gleichermassen.

Durch die Gletscherschmelze könnten in den Schweizer Alpen innerhalb der nächsten Jahre rund 160 neue Bergseen entstehen. Inwieweit diese für Menschen und Natur gefährlich werden könnten, muss noch untersucht werden. Unter dem Eis der Gletscher bilden sich Höhlen, die mit Wasser gefüllt sind. Diese Wasserspeicher sind unberechenbar. Brechen die immer fragiler werdenden Eisdecken über diesen Höhlen irgendwann ein, werden durch die Kollision die Wassermassen im Inneren frei. Sie donnern unkontrolliert zu Tal.

Diese sogenannten Wassertaschen bilden sich durch die unterschiedlichen Temperaturen im Eis. Durch Spalten dringt das Wasser immer tiefer ins Eis ein bis es im Inneren zum kalten Teil des Gletschers kommt. Tatsächlich kann durch die Erwärmung des Klimas das eindringende Wasser in die Gletscher zunächst einmal wieder kälter statt wärmer werden. Der Stau des Wassers innerhalb des Gletschers bewirkt einen enormen Druck auf den Gletscher und hebt ihn zunächst unmerklich an. Werden solche Wasserspeicher entdeckt, werden Sie soweit möglich abgepumpt oder Vorrichtungen werden geschaffen, damit das Wasser kontrolliert abfliessen kann. Forschungstrupps sind in den Alpen unentwegt unterwegs um diese Höhlen aufzufinden, zu untersuchen und rechtzeitig Vorsichtsmassnahmen zu finden.

Auch am Matterhorn taut der Permafrost auf. Forscher der Universität Zürich untersuchen ob fliessendes Wasser auch hier den Permafrost eventuell schneller auftaut als die Sonne. Das Schmelzwasser dringt in Spalten, übt Druck aus und bringt den Fels zum Absprengen, so wie bereits im Sommer 2003 geschehen. Felsstürze dieser Art in den Alpen häufen sich. Die Erwärmung des Klimas führt neben der Gletscherschmelze zu einem Stabilitätsverlust der Bergmassive. Weitere Felsabbrüche überall in den Alpen sind vorhersehbar. Geröll- und Schneelawinen rutschen in die Täler und verschonen auch menschliche Siedlungen nicht. Der Klimawandel ist auch in unseren Breiten bereits besorgniserregend.

 

Der Klimawandel - Teil 1

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Der Klimawandel - Teil 6

Der Klimawandel - Teil 8

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