Die Licht- und Schattenseiten des Wohlstands. Dienstag, 7. März 2017

Die Licht- und Schattenseiten des Wohlstands.

 

 

 

 

Die Licht- und Schattenseiten des Wohlstands.

Welche Bedeutung hat der Emissionshandel für Politik, Wirtschaft und Bevölkerung?

Produktionssteigerung, Wirtschaftswachstum, Umweltverschmutzung: fast 7 Milliarden Menschen nutzen Energie aus den Ressourcen unseres Planeten. Dass dies an der Umwelt nicht spurlos vorüber geht, hat auch die Politik längst erkannt. Trotz Kyoto-Protokoll aber scheinen die Bemühungen bisher nur ein Tropfen auf den heissen Stein zu sein.

Die Folgen des Raubbaus werden zugunsten der Produktionssteigerung noch immer in viel zu grossem Masse in Kauf genommen. Dabei steht der Klimaschutz auf der globalen Agenda ganz oben. Der auf den Klimakonferenzen beschlossene Emissionshandel besagt (in aller Kürze), dass Unternehmen, die Treibhausgase emittieren, dafür entsprechende Zertifikate erwerben müssen. Dies schliesst die Möglichkeit ein, in den Klimaschutz in fernen Ländern zu investieren und dabei im eigenen Betrieb nahezu unvermindert zu emittieren. Die Schlote rauchen auch hierzulande weiter wie bis her. Während aber in Europa viele Bergwerke dichtmachen, werden Rohstoffe nun aus Schwellen- und Entwicklungsländern importiert. Die Entwicklung von Technologien zu alternativen Energieanlagen hinkt hinterher.

Der "Ablasshandel" scheint praktisch. Er ermöglicht Industriestaaten sich von ihrer Verpflichtung freizukaufen indem andere Länder (meist Drittweltländer und Schwellenländer, die eh für ihre Produktion weit weniger Treibhausgase freisetzen als Industriestaaten) für diese Einsparungen bezahlt werden. Um aus dem Ganzen eine (scheinbare) Win-Win Situation entstehen zu lassen, sollen nicht nur Betriebe sondern auch Endverbraucher von dieser modernen Form des Ablasshandels profitieren können.

Die seltsamen Blüten des Ablasshandels

Nicht wenige dieser Methoden erscheinen grotesk, wie ein Beispiel zeigt: Von der CO2 Steuer, die hierzulande auch Bürgerinnen und Bürger entrichten, erwirbt ein europäisches Energieunternehmen Kochgeräte, die an die Bevölkerung afrikanischer Länder verteilt werden. Diese neuen Kocher verbrauchen weit weniger Holz als deren herkömmliche Haushalts-Kocher auf Holzkohlebasis. Holzkohle ist teuer und daher sind die neuen, energiesparenden Geräte zunächst einmal ein Segen für die grösstenteils sehr arme Bevölkerung. Neben Geld sparen diese Geräte auch Zeit, die die Menschen nutzen können um einer lohnenden Beschäftigung nachzugehen. Zudem bleiben die sowieso spärlichem Wälder Afrikas von einer weiteren Abholzung verschont. Soweit so gut!

Bedeutung des EmissionshandelsHinter dieser und ähnlichen Methoden stecken aber weder Nächstenliebe noch verantwortungsvoller Umweltschutz. Sie dienen hauptsächlich der Erzeugung von Zertifikaten für die Gross-Unternehmen. Das Holz für die Kocher muss irgendwo herkommen. Wenn nicht von den heimischen Wäldern, dann von Bäumen, die durch die europäischen Unternehmen zu diesem Zwecke dort angepflanzt werden. Dadurch gehen heimischen Bauern allerdings die ohnehin spärlichen, landwirtschaftlichen Nutzflächen verloren. Die Kocher werden auch nicht unentgeltlich an die Haushalte verteilt, sondern müssen mit monatlich umgerechnet etwa zwei Euro abbezahlt werden. Um die Überweisungen überhaupt erst zu ermöglichen, müssen in Drittweltländern elektronische Bezahlsysteme zunächst einmal eingerichtet werden. Zudem müssen die Kocher in regelmässigen Abständen gewartet und überprüft werden um sicherzustellen, dass sie tatsächlich umweltfreundlich verwendet werden und CO2 auf diesem Wege eingespart wird.

Ein europäischer Energiekonzern spart nach diesem Beispiel (laut Geo-Magazin, 12. Dezember 2010) rund 130.000 t CO2 im Laufe eines ganzen Jahres. Im Kraftwerk vor Ort geht diese Menge in weniger als zwei Tagen in die Luft.

Beispiele wie diese finden sich weltweit zuhauf. Die Politik ermöglicht (durch den Ablasshandel) der Industrie Schlupflöcher, die kaum zu einer wirklichen Reduzierung der globalen Treibhausmengen führen können.

 

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  • Bedeutung Emissionshandel

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